Le Mans: Was wird aus der «Garage 56»?

Von Oliver Runschke
Um die Innovationsklasse bei den 24h von Le Mans ist es sehr still geworden. Hat die «Garage 56» eine Zukunft?

Die Innovation kommt aus einer Baulücke: 2010 schloss der Le-Mans-Veranstalter ACO den Durchgang zwischen dem 1991 erbauten neuen Boxengebäude und den fünf neuen Boxen, die 2007 ergänzt wurden und baute eine weitere, 56. Garage. In der neu entstanden Box sollte 2010 eigentlich der Porsche 911 GT3 R Hybrid stehen und ausser Konkurrenz starten. Dazu kam es nicht, doch die Idee einer Einladungsklasse blieb. Im Herbst 2011 wurde gemeinsam mit dem Deltawing das Konzept der «Garage 56» vorgestellt, einer Einladungsklasse ausser Konkurrenz ist für neue, innovative Technologien.

Seit dem konnte man die letzte Garage am Ende der Boxengasse auch Nissan-Box nennen: 2012 setzte Nissan den Deltawing als ersten Teilnehmern unter dem «Garage 56» Konzept ein, in diesem Jahr den Zeod RC. Im vergangenen Jahr blieb die Box leer, nachdem der von Wasserstoff angetriebene GreenGT zwei Wochen vor dem Rennen absagte. Derzeit sieht es ganz danach aus, als wenn die Innovation auch im kommenden Jahr Pause macht und die letzte Box 2015 an einen regulären Teilnehmer vergeben wird. Ernsthafte Kandidaten für das kommende Jahr gibt es derzeit nicht. ACO-Sportdirektor Vincent Beaumesnil sagte kürzlich, dass es zwar Interessenten gebe, aber man die Innovationsklasse nicht in jedem Jahr zwingend besetzen müsse.

Ein Projekt, das 2017 einen Start in der Box 56 anpeilt, ist ein von Studenten gebauter Prototyp der technischen Universität Eindhoven. Die Niederländer haben mit ihrem futuristischen Prototypen sehr ambitionierte Ziele: Der IM01 soll ein elektrisch angetriebener Hybrid-Prototyp werden, mit einem hocheffizienten Wankel-Motor als Reichweitenverlängerer. Ende 2016 soll damit Stefan Bellofs historischer Nürburgring-Rundenrekord auf der Nordschleife fallen, bevor der Prototyp 2017 in der Einladungsklasse in Le Mans starten soll – so es der IM01 jemals von der digitalen in die reale Welt schaffen sollte.

Unter dem im diesem Jahr eingeführten, innovativen und technisch freizügigen technischen Reglement der LMP1-Klasse stellt sich die Frage, ob eine Innovationsklasse zukünftig noch Sinn macht. Die neuen LMP1-Prototypen von Audi, Toyota und Porsche standen in diesem Jahre dem Nissan Zeod RC in Sachen technischer Innovation nichts nach.

Nissan-Motorsportleiter Darren Cox, der zwei Mal in die letzte Box einzog, ist auch weiterhin grosser Fan der «Garage 56». «Das technische Reglement in der LMP1-Klasse ist sehr innovativ, allerdings hat die Box 56 weiterhin ihre Berechtigung. Wir haben uns mit sehr vielen sehr unkonventionellen technischen Lösungen beschäftigt, die wir mit unter einem normalen technischen Reglemnet niemals berücksichtigt hätten. Wir haben nicht alles davon auch letztendlich benutzt, aber wir haben enorm davon gelernt und sehr davon profitiert».

Nicht nur technisch hat Nissan aus dem Konzeptfahrzeugen Deltawing und Zeod RC nutzen gezogen, vor allem auch beim Marketing: Mit Verhältnismässig geringem Aufwand gelang den Japanern ein überwältigendes Riesen-Medienecho. Obwohl der Zeod als Deltawing-Kopie gilt, ist er für Nissan sogar langfristig wichtiger. Cox: «Deltawing und Zeod RC haben beide ein enormes Medienecho produziert. Beim Zeod RC wird der Effekt aber noch nachhaltiger sein, Nissan profitiert langfristig von dem Projekt.»

«Ich kann jedem Hersteller nur empfehlen, vor einem Einstieg in die LMP1-Klasse den Weg zu gehen, wie wir es auch getan haben und zuerst in der Garage 56 zu starten. Man lernt dort enorm viel und ich wundere mich sehr, dass kein anderer Hersteller diesen Weg geht, denn wir haben davon enorm profitiert. Leider sieht es allerdings so aus, dass die Klasse in absehbarer Zeit wohl nicht besetzt sein wird.»

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