Florian Camathias: Mit dem Gespann zur Tourist Trophy auf die Isle of Man
Nur noch sechs Tage bis zum Trainingsbeginn der Tourist Trophy. Speedweek.com verkürzt die Wartezeit und erinnert an einigen der kuriosesten Geschichten rund um das wichtigste Straßenrennen der Welt.
Allein wegen der ungewöhnlich Streckenlänge des Snaefell Mountain Courses von 60,725 Kilometern, einem Höhenunterschied von über 400 Metern, den über 250 Kurven, der Renndistanz der Senior-TT von über 360 Kilometern, dem Einzelstart und einer Durchschnittgeschwindigkeit von beinahe 200 km/h unterscheidet sich die Tourist Trophy auf der Isle of Man von jedem anderen Motorradrennen. Die TT-Rennen lieferte in der Vergangenheit Geschichten, die sich heutzutage anhören, als seien sie der Fantasie eines von Hollywood-Drehbuchschreibern entsprungen.
Ein spezielles Kapitel schrieb Florian Camathias 1963. Der extrem kurzsichtige Schweizer war einer der kontroversesten Charaktere des Seitenwagenrennsports. Immer wieder sorgte er durch seinen bedingungslosen Siegeswillen und seine mitunter rücksichtlose Fahrweise, bei der er weder sich, noch seine Beifahrer oder Gegner schonte, für Gesprächsstoff.
Bei der Anreise zur Tourist Trophy blieb sein Transportfahrzeug zwischen Hinckley und Aetherstone mit einem Bremsdefekt liegen. Da sich die Panne nicht in kurzer Zeit beheben ließ, die Zeit aber drängte, und noch etwa 200 Kilometer vor ihnen lagen, wurde das Gespann kurzerhand ausgepackt, mit der nötigsten Ausrüstung, dem Werkzeug und einigen Ersatzteilen beladen. Camathias, der das Wort «aufgeben» nicht kannte, und Beifahrer Alfred Herzig setzten danach ihre Fahrt Richtung Liverpool im Seitenwagen und mit geborgtem Kennzeichen fort.
Ein Gesetzeshüter mit Verständnis für die Nöte eines Rennfahrers
Bis Liverpool ging alles glatt, doch bei der Mautstelle des Tunnels unter dem River Mersey wäre die unkonventionelle Reisegesellschaft beinahe vorzeitig gestoppt worden. Wegen des infernalischen Lärms des Rennmotors mit seinen offenen Auspuffrohren wurde fürs Erste die Durchfahrt verweigert. Erst als man dem strengen Gesetzeshüter erklärt hatte, dass man dringend die bereits wartende Fähre zur Isle of Man erreichen müsse, um an der Tourist Trophy teilnehmen zu können, ließ er Milde walten und das ungewöhnliche Gefährt samt seinen Passagieren passieren.
Im Training hatten sich Max Deubel/Emil Hörner die Trainingsbestzeit gesichert. Bei einem Überschlag hatte sich Hörner allerdings schmerzhafte Rippenbrüche zugezogen und musste durch einen Briten ersetzt werden. Weil auch Heinz Luthringshauser/Horst Knopp Pech hatten – ihr Gespann brannte vollständig aus – hatte damit Camathias plötzlich zwei aussichtsreiche Gegner weniger im Kampf um den prestigeträchtigen Sieg. Und tatsächlich setzte sich das Schweizer Duo gegen ihren Landsmann Fritz Scheidegger und seinem britischen Beifahrer John Robinson durch.
Am Saisonende hatte es mit dem Weltmeistertitel trotz zweier Siege und ebenso vieler dritten Ränge wieder nicht geklappt. Beim letzten WM-Lauf in Spa-Francorchamps lagen Camathias/Herzig unangefochten an erster Stelle. Trotzdem verlangte er seinem Seitenwagen weiterhin alles ab und es kam, wie es kommen musste, der Motor ließ die Eidgenossen im Stich.
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