2. Training Ungarn: Hamilton/Ferrari 1., Verstappen P4, Antonelli hat Pech
Zweites Training zum Traditions-GP von Ungarn: Hamilton erzielt Bestzeit, vor Leclerc und Norris; Verstappen ist Vierter, Lance Stroll (Aston Martin) muss passen, wegen des Unfalls im ersten Training.
Das Ergebnis des ersten freien Trainings in Ungarn war ein wenig Kaffeesatz-Lesen: zu staubig die Strecke, zu viele Freitagfahrer im Einsatz, zu viele Evo-Teile im Test, die Fahrer zu unterschiedlichen Zeiten auf weichen Reifen.
Allen war klar: Was auf dem Hungaroring Sache ist, das würde das zweite Training zeigen, nun mit allen 22 Stammfahrern auf der Bahn, auch mit WM-Leader Kimi Antonelli – der 19-jährige Italiener hatte im ersten Training sein Cockpit geräumt für den Mercedes-Reservisten Frederik Vesti.
Mit allen Stammfahrern? Von wegen! Nach dem Aufhängungsbruch links hinten im Aston Martin des Kanadiers Lance Stroll, während des ersten Trainings, mussten sich die Experten auf Fehlersuche machen. Die Grünen kommunizieren nicht, was genau da schiefgelaufen ist.
Stroll nahm am zweiten Training nicht teil, Superstar Fernando Alonso hingegen schon. Ein Hinweis darauf, dass es kein grundsätzliches Problem mit der umgebauten Aufhängung gibt. Es bleibt offen, ob Stroll den Schaden durch einen harten Randsteinritt selber provoziert hatte.
Ein anderes Sorgenkind: Charles Leclerc im Ferrari. Er rollte zum Schluss des ersten Trainings antriebslos aus, auch Ferrari war zum Problem so redselig wie ein Fisch, es wurde nur bestätigt, dass fürs zweite Training tutto perfetto ist. Der Silverstone-GP-Sieger war denn auch einer der ersten Fahrer auf der Bahn.
Bei angenehmen 24 Grad (die Rennstrecke bei 32 Grad) und einigen harmlosen Schäfchen-Wolken war die Bahn noch immer recht staubig. Das Problem: Auch in Ungarn war es in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich trocken, zudem windiger als sonst, mit gemeinen Böen, und von den vielen Feldern in der Nähe wurde eben Staub herangeweht. Da können die fleissigen Rennstrecken-Fachkräfte die Bahn zwischen den Trainings noch so sehr putzen.
Die Rennkommissare hatten zwischen den Trainings viel Arbeit: Verstappen und Sainz waren sich in die Quere gekommen, Sainz und Paul Aron im Auto von Alpine, dann nochmals Verstappen und Sainz. Einzige Folge: Eine Verwarnung für den Spanier für die zweite Aktion mit Max Verstappen.
Nach einer Viertelstunde beide Ferrari vorne, mit Hamilton vor Leclerc, dann Verstappen, Russell, Norris, Antonelli und Nico Hülkenberg im Audi. Fernando Alonso im verbesserten Aston Martin auf P14.
WM-Leader Antonelli monierte am Funk: «Oh, mein Gott, ich hätte mich zwei Mal fast gedreht beim Anbremsen, was geht da vor?» Beide Male hatten die Hinterräder blockiert. Das Team holte den Italiener an die Box, um die Aero-Balance mehr zur Hinterachse zu ändern.
Der Wind hatte erhebliche Probleme. GP-Sieger Pierre Gasly witterte: «Etwas kann nicht stimmen. Das Auto fühlt sich ganz anders an als im ersten Training.» Sportwagen-Weltmeister Anthony Davidson, als Sky-Experte in Ungarn: «Ich war im ersten Training da oben in Kurve 12, der Wind kann so fies sein, dass sich das Auto anfühlt, als sei daran etwas krumm.»
Der Wind erwischte zahlreiche Fahrer, die meisten davon beim Anbremsen der ersten Kurve, aber auch vor der Schikane im oberen Pistenbereich.
In den ersten 30 Minuten die meisten Fahrer auf den mittelharten Pirelli (gelb markiert), einige wenige mit der harten Mischung (weiss markiert).
Dann wurde es nach etwas mehr als 20 Minuten interessant: Die ersten Fahrer mit Quali-Simulationen auf dem weichen Pirelli, mit roten Seitenstreifen.
Champion Norris übernahm die Spitze, knapp zwei Zehntel vor Verstappen, Russell konnte nicht mithalten. Max monierte am Funk: «Ich sitze nicht perfekt, ich bin zu weit zurückgelehnt, das ist sehr mühselig für meinen Rücken.»
Kimi Antonelli war auf einer flotten Runde, kam aber nicht weit – denn Franco Colapinto haute in der letzten Runde seine Alpine rückwärts in die Pistenbegrenzung, rote Flagge! Feierabend für den Argentinier, Heckflügel des Autos kaputt, Hinterradaufhängung kaputt, ob das Getriebe das überstanden hat, weiss derzeit keiner.
Stand nach 30 Minuten: Norris, Verstappen, Hamilton, Russell, Leclerc, Hadjar, Hülkenberg, Antonelli nur auf P9.
Nach sieben Minuten Zwangspause (die Uhr lief natürlich weiter) wurde die Piste wieder freigegeben. Zunächst ohne Verstappen, denn in dessen Auto wurde am Sitz gearbeitet.
Kimi Antonelli stürmte gleich wieder raus, immer noch auf der Jagd nach dem ersten Lauf mit weichen Reifen (im ersten Training hatte er ja aussetzen müssen). Der WM-Leader versemmelte die Anfahrt zur Schikane, nachdem das Heck ausgebrochen war. Wieder nichts.
Der Bologneser maulte am Funk: «Die Hinterachse neigt noch immer zum Blockieren, Mann.» Keine Antwort vom Mann, Kimis Renningenieur Peter Bonnington.
Nach 40 Minuten Leclerc vorne, Barcelona-Sieger Lewis Hamilton 37 Tausendstelsekunden dahinter. Ferrari macht auf dem Hungaroring einen guten Eindruck.
Dann Verstappen am Funk: «Ich habe mit dem Frontflügel ein Trümmerteil getroffen, bitte behaltet das im Auge.» Von Red Bull Racing kam Entwarnung: «Die Daten besagen, dass alles okay ist.»
Verstappen zu diesem Zeitpunkt beim Dauerlauf in Sachen Rundenzeiten auf Augenhöhe mit Norris im McLaren.
Aber Max ist mit der Abstimmung noch nicht happy: «Die Hinterachse ist zu steif, ich habe keinen Grip hinten.»
Fazit: Wir haben das wahre Kräfteverhältnis noch nicht gesehen, besonders mit Kimi Antonelli im Mercedes nicht. Aber Ferrari hat angedeutet, dass hier der dritte Saisonsieg der Scuderia in der Luft liegt.
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