Alonso der Lenker, Newey der Denker, Honda der Turbo: Nagelprobe in Bahrain
Aston Martin und Honda haben erst spät in den ersten Wintertest eingegriffen, auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Der leitende Ingenieur Shintaro Orihara spricht über den Stand der Dinge.
Der kommende Wintertest auf dem Bahrain International Circuit (ab 11. Februar) hat für zwei Rennställe noch höhere Bedeutung als für die neun anderen: denn Williams ist beim ersten Test in Spanien überhaupt nicht gefahren und Aston Martin-Honda nur etwas mehr als einen Tag lang.
Shintaro Orihara ist seit 2003 als Ingenieur für Automobilmotoren auf dem Motorenprüfstand tätig. Schon in jungen Jahren liess er sich in seiner Heimat Japan von den Honda-angetriebenen Formel-1-Autos im Fernsehen begeistern.
Nach einem Jahrzehnt Arbeit an Strassenfahrzeugprojekten wechselte Orihara 2013 auf die Rennsportseite des Unternehmens und zog dabei nach Grossbritannien. 2023 wurde er zum Chefingenieur für die Antriebseinheiten ernannt und unterstützt seitdem die Projekte von Oracle Red Bull Racing und Visa Cash App Racing Bulls.
2026 markiert einen aufregenden Meilenstein in seiner Karriere als Track-Side-Generalmanager und Chefingenieur in der Formel 1, mit Honda nunmehr als Werkspartner von Aston Martin.
Orihara holt aus: «Als ich in der Mittelschule war, sah ich Formel 1 im Fernsehen, und was mir besonders auffiel, waren die McLaren mit ihren Honda-Motoren. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich zu Honda gehen und Teil dieses unglaublichen Sports werden wollte.
McLaren-Honda als Zündung
«Ich begann dort im Jahr 2003 und arbeitete die ersten zehn Jahre an Strassenfahrzeugprojekten. Trotzdem liessen meine Liebe und Leidenschaft für die Formel 1 nicht nach, und die harte Arbeit zahlte sich aus. 2013 wechselte ich zur Rennsportabteilung und verwirklichte meinen Traum.»
«In dieser Zeit konnte ich die Kniffe des Formel-1-Ingenieurswesens lernen und erlebte intensive Momente voller Herausforderungen, aber letztlich auch glorreiche Erinnerungen und wunderbare Zeiten. Die Formel 1 ist mein Leben geworden.»
Vielfältiger Job
Orihara gehört zu den Formel-1-Fachkräften, die wenig bekannt sind. Über seinen Job sagt er: «Meine Rolle ist ziemlich umfassend und vielfältig, unterm Strich treffe ich die Entscheidungen an der Rennstrecke in Bezug auf das Antriebssystem. Zudem verwalte ich aus Management-Sicht alle vor Ort eingesetzten Mitarbeiter der Honda Racing Corporation, um sicherzustellen, dass unsere Antriebssysteme einsatzbereit sind.»
«Vor der Abreise zum Rennen führen wir eine Reihe von Besprechungen mit unseren Kollegen in Sakura/Japan durch, um die Lage zu prüfen und die Veranstaltung zu planen. In der Regel reisen wir früh in der Woche an, damit wir bei unserer Ankunft an der Strecke den Zustand der Motoren nach der Wartung überprüfen können.»
«Vor Ort stimme ich den Plan für das Wochenende mit den Ingenieuren ab, bewerten unsere Optionen und Szenarien je nach den gegebenen Bedingungen. Sobald wir das erledigt haben, folgt ein Meeting mit den Ingenieuren des Aston Martin-Teams, um jedes Detail durchzugehen und sicherzustellen, dass wir vollständig integriert sind.»
«Sobald die Sessions beginnen, wird der Antriebsstrang des Wagens hauptsächlich von anderen Honda-Mitarbeitern bedient. Meine Aufgabe ist es, das grosse Ganze im Blick zu behalten und zu verfolgen, was insgesamt passiert. Ich treffe die Entscheidungen und kommuniziere per Funk mit dem Team.»
«Am Ende jedes Tages halten wir vor Ort ein internes Antriebsstrang-Meeting ab, auch mit unseren Kollegen im Kontrollraum in Sakura. Wir besprechen, was passiert ist, und ergreifen Gegenmaßnahmen, falls Probleme aufgetreten sind. Dies wird dann dem Team berichtet und mit ihm diskutiert, um sicherzustellen, dass wir alle auf dem gleichen Stand sind.»
Zum kommenden Bahrain-Test sagt der Japaner: «Der Shakedown in Barcelona war ein entscheidender Moment in unserer Zusammenarbeit und ein Schritt in die richtige Richtung. Unser nächstes Ziel ist es, mehr Laufleistung mit unserem neuen Antriebsstrang zu sammeln, um die Zuverlässigkeit des Motors zu bestätigen und alle Funktionen zu überprüfen.»
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