Honda wünscht sich neuen GP-Fahrer – Somkiat Chantra droht die Versetzung
Seit zehn Jahren hat Honda in der Superbike-Weltmeisterschaft kein Rennen gewonnen, doch so schlecht wie diese Saison lief es noch nie. Hinter den Kulissen rumort es gewaltig.
Am 15. Mai 2016 – vor über zehn Jahren – sorgte Nicky Hayden im Regen von Sepang/Malaysia für den letzten Honda-Triumph in der Superbike-WM. Seither wurden regelmäßig neue Tiefpunkte erreicht, doch schlimmer als dieses Jahr kann es kaum noch werden.
Der aus der Moto2-WM kommende Jake Dixon stürzte beim letzten Vorsaisontest in Australien und verletzte sich so schwer am Handgelenk, dass er bis heute kein Superbike-Rennen fuhr und in Most am vergangenen Wochenende zum wiederholten Mal vom Japaner Yuki Kunii ersetzt wurde. Am 20./21. Mai
Teamkollege Somkiat Chantra, 2025 mit nur sieben WM-Punkten erfolglos in der MotoGP unterwegs, erging es kaum besser: Nach einem Sturz bei Tests in Sepang, bei dem er sich beide Arme brach, verpasste er die Rennen in Australien. In Portimao war er dabei, verletzt sich im Training in Assen aber erneut und fehlte damit auch bei den Rennen auf dem TT-Circuit.
Honda holt im Schnitt nicht mal einen Punkt pro Rennen
Erbärmliche 12 Punkte haben Honda-Fahrer in den ersten 15 Rennen dieses Jahres gesammelt – im Schnitt also nicht mal einen. 7 holte Ersatzfahrer Tetsuta Nagashima in Australien, vier Edeltester Johnny Rea in Portimao. Zwei steuerte Chantra bei seinen neun Rennstarts bei, einen Ersatzfahrer Ryan Vickers.
Zum Vergleich: Ducati führt die Fahrer- und Konstrukteurswertung mit maximalen 310 Punkten an.
Das Honda-Werksteam in der Superbike-WM wird auch heute noch maßgeblich vom MotoGP-Paddock beeinflusst. Zwar wurde im vergangenen Herbst ein kompetentes Testteam gebildet, das mit Hochdruck an Verbesserungen arbeitet. Doch auch Rekordchampion Jonathan Rea kann dort keine Wunder vollbringen und hielt gegenüber SPEEDWEEK.com fest, dass Honda auf das hören müsse, was er sage – und das dann auch umsetzen.
Als Honda für die Saison 2026 zwei Klassenneulinge verpflichtete, sorgte das bei vielen Experten für Kopfschütteln. Zwar wurde auch Weltmeister Toprak Razgatlioglu ein Angebot unterbreitet – doch erstens wollte der Überflieger unbedingt in die MotoGP, und zweitens konnte er über die finanzielle Offerte nur lächeln.
Iker Lecuona und Xavier Vierge haben sich in ihren vier Jahren bei Honda zu guten Superbike-Fahrern entwickelt: Iker startet diese Saison für das Ducati-Werksteam und ist WM-Zweiter, Xavi hat sich bei Yamaha sofort als Leistungsträger etabliert.
Niemand weiß, wo Honda technisch steht
Was Dixon und Chantra auf der Fireblade können, wissen wir noch nicht. Oder wie es Johnny Rea formulierte: «
Fest steht: Hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Chantra, der in 106 Moto2-Rennen zwei Siege und sechs Podestplätze eroberte und 2024 WM-Zwölfter wurde, konnte sich 2025 nicht wie erhofft an die MotoGP-Maschine anpassen und erhielt von Honda anschließend als Gnadenbrot einen Platz im Superbike-Werksteam.
Doch inzwischen dämmert auch den japanischen Topmanagern, dass sie es mit dem Thailänder nicht zurück an die Spitze schaffen – seit James Toseland 2007 wurde keine Superbike-WM gewonnen.
Satelliten-Team von Honda steht im Raum
Gleichzeitig ist Honda gegenüber seinen Fahrern aber sehr loyal. Deshalb wird überlegt, wie man Chantras Platz im Werksteam für ein größeres fahrerisches Kaliber freibekommt, und dem 27-Jährigen aus Pattaya gleichzeitig eine sportliche Perspektive geboten werden kann.
Im Raum steht, für Chantra ein Honda-Satelliten-Team auf die Beine zu stellen, finanziert mit Geld des thailändischen Mineralölunternehmens PTT. So könnten die Japaner gegenüber Chantra, er hat einen gültigen Vertrag für 2027, ihr Gesicht wahren und gleichzeitig wäre eine dritte Fireblade im Feld nach dem Rückzug von Midori Moriwakis Team sehr nützlich.
Die Honda Racing Corporation, zuständig für alle Werksauftritte des größten Motorradherstellers, hat bereits erste Gespräche mit dem Management von Moto2-WM-Leader Manuel Gonzalez geführt und wird auch bei Franco Morbidelli, Jack Miller und Luca Marini anklopfen, die voraussichtlich keinen MotoGP-Platz mehr finden.
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