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Formel 1

Kolumne

Auto- und Motorrad-Ass Johnny Cecotto ist 70: Mal Rambo, mal Diva

Der schnelle Venezolaner Johnny Cecotto fuhr nach einem Formel-1-Unfall lange sehr erfolgreich für BMW Tourenwagen-Rennen und stand später am Pistenrand, um seinen Junior zu coachen. Nun ist er 70.

Friedbert Holz

Von

Im Artikel erwähnt

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Johnny Cecotto
Johnny Cecotto
Foto: Grand Prix Photo
Johnny Cecotto
© Grand Prix Photo

Als ich Johnny Cecotto, der mit vollem Namen auch noch Alberto und Persello heißt, das erste Mal kennen lernte, war er noch gar nicht bei BMW. Er fuhr bei Mercedes beim ersten Rennen der DTM-Neuzeit 1988 in Ungarn auf dem Hungaroring. Und schon sein Start war spektakulär: Denn bereits nach wenigen Metern hatte sich die Motorhaube seines Tourenwagens gelöst und flog im hohen Bogen weg. Doch den in Caracas geborenen Piloten focht das wenig an, er war Kummer gewohnt.

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Gerade 16 geworden, startete er in seiner südamerikanischen Heimat auf einem Motorrad, fiel prompt dem dortigen Yamaha-Team auf und fuhr mit ihm zwei Jahre. So wurde er als damals schon draufgängerischer Youngster 1975 Meister in der 350er-Klasse, hatte aber immer Verletzungspech, ein Thema, das ihn noch länger verfolgen sollte. Zwar gewann er 1978 sogar den Titel der 750er-Weltmeisterschaft, doch es zog ihn zu schnellerem – er wollte unbedingt in die Formel 1.

Tatsächlich ging´s aber erst in ein Formel-2-Auto, er gewann ein paar Rennen, bekam schließlich 1983 einen Vertrag beim Theodore-Ford-Team in der höchsten Rennklasse.

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Weil er aber mit dem damaligen Auto, dem N183, und der chinesischen Mannschaft des Besitzers Teddy Yip nicht gut zurechtkam und lediglich beim Großen Preis der USA einen Punkt holte, wechselte er 1984 zum Toleman-Team, wurde Kollege von Ayrton Senna.

Während der Brasilianer dort schon erste Meriten einfuhr, verfolgte Cecotto das Pech: Beim Quali-Training zum Großen Preis von Großbritannien brach er sich im TG184 beide Beine – damit war der Formel-1-Traum für ihn dahin.

Nach längerer Genesungsphase lockten ihn Tourenwagen-Rennen, zuerst ein Jahr bei Mercedes, dann von 1989 an bei BMW. Er wurde dem Schnitzer-Team aus Freilassing zugeteilt, sollte sowohl einige Rennen in der DTM fahren, aber auch um das italienische Championat kämpfen.

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Das schmeckte dem drahtigen Lockenkopf aber nicht so recht, lieber hätte „Rambo“, wie er wegen seines Egoismus und seiner manchmal ruppigen Fahrweise genannt wurde, alle Rennen in Deutschland gefahren. Letztlich aber wurde er doch Meister in Italien.

1990 saß er wieder in einem Schnitzer-M3, beanspruchte das beste Material für sich und hätte um ein Haar auch die DTM gewinnen können. Doch beim Final-Rennen in Hockenheim waren alle seine Hoffnungen buchstäblich auf einen Schlag dahin.

Denn bereits in der ersten Kurve war ein gewisser Michael Schumacher, frischgebackener Formel-3-Meister und Junior bei Mercedes, ihm beim Gaststart unglücklich ins Auto gefahren. So holte Hans-Joachim Stuck auf Audi V8 mit zwölf Punkten Vorsprung den DTM-Titel, während Cecotto wutentbrannt nach „Shoemaker“ fahndete.

Auch 1991 trat er in der Mannschaft von Teamchef Charly Lamm an, wurde schließlich als bester BMW-Pilot Vierter in der DTM. Doch es drängte ihn nach mehr Spezial-Behandlung, er wollte nicht länger zusammen mit anderen Fahrern im gleichen Team starten. Und so kam er 1992, dem vorerst letzten Jahr für BMW in der DTM, ins Fina-Team unter Günther Warthofer, ansässig am Nürburgring.

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Zwar gelang ihm kein Sieg, dafür aber ging er in die Geschichte ein: Denn am 18. Juni, vor dem 24-Stunden-Rennen in der Eifel, gab es zwei unglaubliche DTM-Läufe zu je vier Runden. Was Cecotto hier gegen Klaus Ludwig im AMG-Mercedes ablieferte, riss die Fans von ihren Sitzen: Diese beiden Spitzenfahrer schenkten sich auf der berüchtigten Nordschleife nichts, mal lag der eine vorne, dann wieder der andere.

Am Schluss beider Rennen hatte Ludwig jedoch wegen taktisch kluger Windschatten-Spiele auf der Döttinger Höhe die Nase jeweils minimal vorne und gewann denkbar knapp vor Cecotto.

Das wurmte den schnellen Venezolaner gewaltig, doch er revanchierte sich wenig später beim 24-Stunden-Marathon: Diesen gewann er zusammen mit Christian Danner und dem Belgier Marc Duez, ebenfalls auf einem M3, souverän.

Aber auch bei diesem Rennen zeigte Johnny Extravaganz: Nachts wollte er erst gar nicht fahren, und als ich ihn nach dem Rennen zur Pressekonferenz mitnehmen wollte, murrte er. Er habe jetzt keine Lust mehr, zu Fuß wolle er dorthin schon gar nicht.

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Also nahmen wir einen Motorroller und zischten in haarsträubender Fahrt durchs Fahrerlager, ich werde diesen „Ritt“ als Sozius, mich an unsere „Diva“ klammernd, nie vergessen.

Ebenfalls in nicht so toller Erinnerung sind mir andere Allüren des Venezolaners. Zu Presse-Terminen etwa, meist im Vorfeld der Veranstaltungen, mochte Cecotto gar nicht gerne kommen. Viel lieber, das gab er auch offen zu, wollte er sich um seine diversen Privat-Geschäfte an der Rennstrecke oder an seinem geliebten „Telefonino“ kümmern, entschuldigte sich mit angeblich schlechtem Deutsch. Dabei war mit seiner deutschen Frau Martina aus Augsburg verheiratet.

Auch machte er sich im Kreis der BMW-Werksfahrer, darunter ebenso Stars wie Roberto Ravaglia oder Steve Soper, nicht beliebt wegen seiner Extra-Wünsche.

So hatte er Motorsportchef Karlheinz Kalbfell so lange bekniet, bis er – als einziger – etwa einen BMW 7er mit Zwölfzylinder-Motor als Dienstwagen bekam. Anscheinend waren ihm Autos wie M3 oder M5 zu „gewöhnlich“. Cecotto wusste stets, wie er seinen Willen durchsetzen konnte, erreichte bei „Motoren-Papst“ Paul Rosche, dass er nach dem DTM-Ende kein schwächeres Zweiliter-Auto in einem Championat fuhr, sondern 1993 im gerade neu geschaffenen ADAC GT-Cup.

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BMW Motorsport baute also einen M3 GTR mit Spezial-Karosserie und 325 PS Leistung, bei der Konkurrenz wegen seiner Alleinstellung sehr umstritten, ein skurriles Auto. Johnny bedankte sich nach sechs Siegen in acht Rennen mit dem Gewinn dieser Serie. 1994 gewann er auch den Supertourenwagen-Cup in Deutschland auf einem BMW 318is, bevor er sich 2001 für das schwäbische Irmscher-Team in einen V8-Boliden setzte, in der so genannten glücklosen V8-Star-Serie.

Mittlerweile lebt Cecotto in Italien und verfolgte von dort aus lange die Motorsport-Aktivitäten seines Sohnes Johnny junior: Der Sprößling war erfolgreich in die Fußstapfen seines Vaters getreten, hatte wenigstens für sich den Traum vom Rennfahren in Formel-Autos wahr gemacht. Aber weiter als bis zur Formel 2 im Jahre 2017 kam Cecotto junior nicht.

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