Belgien – Antonelli 1., Gasly-Crash, Verstappen/3. sauer: «Inakzeptabel!»
Zweites Training zum Traditions-GP Belgien: Kimi Antonelli nach zwei roten Flaggen mit Bestzeit, vor Norris, Verstappen und Hamilton. Max hadert mit den Merkwürdigkeiten seines Rennwagens.
Eine der spannendsten Fragen, wenn der Formel-1-Zirkus in den Ardennen weilt: Was macht das berüchtigt launische Sommerwetter in der Nähe von Spa-Francorchamps?
Zwei Stunden vor dem zweiten Training begann es zu regnen. Zum Start des zweiten Trainings war die Bahn dann jedoch schon wieder trocken und sonnig, mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 10 Prozent.
Nach dem ersten Training war (erstmals in dieser Saison) kein Fahrer von Mercedes oder Ferrari vorne, sondern Red Bull Racing-Star Max Verstappen (dreifacher Spa-Sieger). Klar fragten sich die vielen Verstappen-Fans vor dem zweiten Training, ob das so weitergehen würde.
Sky-GP-Experte Timo Glock: «Verstappen ist gut ins Belgien-Training gegangen, er war vor allem im kurvigen Mittelteil sehr schnell. Gut möglich, dass Red Bull Racing mit etwas mehr Abtrieb fährt, um dort Zeit zu gewinnen – unter dem Risiko, in den schnellen Abschnitten der Sektoren 1 und 3 etwas herschenken zu müssen.»
Bei 23 Grad (die Piste bei 33 Grad) war McLaren-Fahrer und Vorjahressieger Oscar Piastri zunächst Zuschauer: Die Mechaniker forschten nach einem Problem mit der Hydraulik.
Red Bull Racing-Pilot Isack Hadjar nur kurz auf der Bahn, dann funkte er an die Box: «Ich habe das falsche Helmvisier.»
Lewis Hamilton versemmelte die letzte Kurve vor Start und Ziel, daher beim ersten Lauf mit mittelharten Reifen nur auf P9, Reihenfolge – WM-Leader Antonelli vor Hadjar, Verstappen, Leclerc, Norris, Russell, dann Lindblad, Bortoleto und Hamilton.
Es fiel auf: Die Autos setzten viel mehr auf als im ersten Training, die Teams hatten offensichtlich die Bodenfreiheit der Rennwagen verringert.
Nach zehn Minuten nahm Max Verstappen neuen Anlauf, Schnellster im ersten Sektor, besser im zweiten, aber dann ein kleiner Fehler, damit die Chance auf die Bestzeit zunächst mal dahin. Max schimpfte am Funk über unsaubere Schaltmanöver. «Die sind so verdammt schlecht, das ist inakzeptabel.»
Nach elf Minuten rote Flagge: Ein Fahrer hatte bei Stavelot eine hübsche Ladung Kies auf die Bahn bugsiert (der Bösewicht wurde nie im TV-Bild gezeigt), die fleissigen Streckenposten rückten mit ihren Besen aus. Die Zwangspause dauerte sechs Minuten, die Uhr lief gnadenlos weiter.
Stand nach 20 Minuten: Antonelli, Hadjar, Verstappen, Lindblad, Hamilton, Leclerc, Norris, Russell, Bortoleto und Colapinto in den Top-Ten, Hülkenberg noch ohne gezeitete Runde. Oscar Piastri nun auf der Bahn.
RBR-Pilot Hadjar rückte als erster Pilot mit weicher Reifen aus, die meisten Piloten folgten – Verstappen kurz vorne, dann aber Antonelli fast eine halbe Sekunde schneller!
Wo war Ferrari? Barcelona-Sieger Hamilton hoch auf P3, Silverstone-Sieger Leclerc auf P5 hinter Hadjar.
Nach 30 Minuten erhielt auch George Russell weiche Walzen: nur Siebter, satte 1,285 sec hinter Leader Antonelli! Russell am Funk: «Die hinteren Reifen sind zu kalt, aber das erklärt nicht den ganzen Rückstand.»
Ein Lebenszeichen von Weltmeister Lando Norris: hoch auf P2 hinter Antonelli. Neue Reihenfolge daher – Antonelli, Norris, Verstappen, Hamilton, Hadjar, Colapinto, Russell, Lindblad, Leclerc und Piastri (die letzten beiden noch nicht auf weichen Reifen).
Belgien 2025-Sieger Piastri kam nicht so richtig in Schwung: Sechster, fast acht Zehntel hinter Norris und – seltsam – auf den weichen Pirelli im kurvigen Mittelteil langsamer als mit den mittelharten.
In den letzten 20 Minuten stellten die meisten Fahrer um auf Dauerläufe, um für den Grand Prix zu üben.
Erneut rote Flagge eine Viertelstunde vor Schluss: Crash von Alpine-Fahrer Pierre Gasly, Heckflügel weggefetzt, rechtes Hinterrad schräg geschlagen. Der französische GP-Sieger schnaufte am Funk: «Ich habe das Auto ohne Vorwarnung aus der Kontrolle verloren.»
Viele Trümmerteile auf der Bahn, viel Arbeit für die Streckenposten, zudem musste die Pistenbegrenzung wieder instand gestellt und die Bahn von Ölbinder gereinigt werden.
Zwei Minuten vor Schluss ging es nochmals los, natürlich konnte da niemand mehr eine schnelle Runde drehen. Aber immerhin erhielten die Fahrer die Gelegenheit, noch einen Startversuch zu fahren.
Fazit: Noch haben nicht alle Teams in Belgien die Karten auf den Tisch geknallt, noch haben nicht alle Fahrer das Beste aus ihren Rennwagen geholt. Am Samstag werden wir noch einige Verschiebungen erleben. Es bleibt spannend.
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