Priorität: Öhlins-Rennsportchef Torstensson kündigt Moto2-Offensive an
Nicht erst seit dem Wechsel von Boscoscuro zur Konkurrenz von WP läuten bei Fahrwerks-Spezialist Öhlins die Alarmglocken, wie Rennsportchef Jonas Torstensson gegenüber SPEEDWEEK.com bestätigte.
Schon seit geraumer Zeit herrscht im GP-Fahrerlager ein intensiver Zweikampf um die Vormachtstellung der besten Fahrwerksausrüster. Im Rennen sind Schwedens Vorzeigemarke Öhlins und die einst niederländische, jetzt österreichische Struktur von WP Suspension. Beide Unternehmen sind in den drei Grand-Prix-Klassen vertreten, allerdings mit unterschiedlicher Kräfteverteilung.
Mit Ausnahme von KTM – WP gehört zum Konzern der Oberösterreicher – vertrauen alle MotoGP-Projekte auf Öhlins. 18 der 22 Prototypen sind mit Stoßdämpfern, Gabeln und Lenkungsdämpfern aus Schweden bestückt. Entsprechend gefestigt ist Öhlins, wenn es um Präsenz und Erfolg in der Königsklasse geht. Zur Sommerpause stört lediglich KTM-RC16-Pilot Pedro Acosta die Öhlins-Dominanz in den Top 10.
Gänzlich anders schaut es im Unterbau der MotoGP aus. Zwar setzt auch hier der größere Teil auf Produkte der seit 2025 zu Brembo gehörenden Öhlins-Struktur, doch sportlich haben die Österreicher das Blatt in der Hand. Mit dem deutschen Liqui Moly-Intact-GP-Team, CFMOTO-Aspar und Red Bull KTM Ajo vertrauen gleich drei Spitzenmannschaften in ihren KTM- und Kalex-Rennern auf Fahrerwerk von WP. 2025 holte die Ajo-Mannschaft mit Jose-Antonio Rueda und WP den Titel in der kleinsten Klasse – 2006 lagen in der WM-Tabelle fünf Piloten mit WP-Fahrwerken an der Spitze.
Nicht so dominant, aber vergleichbar ist das Bild in der Moto3. WM-Leader Manuel Gonzalez fährt WP-Ausrüstung ebenso wie Agius (3.), Alonso (4.) und Holgado (5.) plus mit Vietti und Veijer weitere Piloten in den Top 10. Besonders schmerzhaft aus Sicht von Öhlins: Völlig untypisch entschied sich Konstrukteur und SpeedUP-Teamchef Luca Boscosuro während der Saison für einen Wechsel der Ausrüstung. Seit dem Frankreich-GP stecken in den Maschinen von Celestino Vietti und Luca Lunetta Fahrerwerksteile aus Munderfing.
In Schweden ist man sich des Ernst der Lage durchaus bewusst. Jonas Torstensson, verantwortlich für den Rennsport bei Öhlins, stellte sich der ungemütlichen Frage durchaus selbstkritisch: «Ja, das schmerzt. Die Situation ist aktuell alles andere als komfortabel. Es ist etwas das nicht über Nacht gekommen ist. Der Wettbewerb speziell in der Moto2 ist extrem hart und es stimmt, dass wir hier etwas spät reagiert haben.»
Der oberste Öhlins-Rennsportmanager weiter: «Aktuell arbeiten hier die besten Teams und damit auch zum Teil die besten Fahrer nicht mit uns. Für uns ist das aber jetzt umso mehr eine Motivation und Herausforderung, der wir uns stellen. Wir haben die Situation analysiert, die Prioritäten verändert und entsprechende Entscheidungen getroffen. Es stehen jetzt mehr Ressourcen zur Verfügung.»
Nicht zu vergessen: Neben dem Geschäft im GP-Fahrerlager beliefern die Schweden flächendeckend die internationalen und nationalen Superbike-Fahrerlager. In Upplands Väsby in der Nähe von Stockholm ist man sich bewusst, dass es derzeit mehr Energie erfordert, die offenen Moto2- und Moto3-Türen wieder zu schließen.
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