Kult-Rennstrecke Monaco vor dem Umbau? Was ACM-Chef Michel Boeri dazu sagt
Die Quali ist auf der Kult-Rennstrecke Monaco oft spannender als der Grand Prix. Wiederholt werden Pistenänderungen erwogen. So reagiert Michel Boeri vom monegassischen Automobilklub.
Keine Formel-1-Qualifikation ist spannender als das Abschlusstraining zum Grossen Preis von Monaco. Beim prestigeträchtigsten aller Grands Prix auf dem besten Startplatz zu sein, das gilt als halbe Miete für den Sieg im Fürstentum. Es ist atemberaubend, den Piloten beim Millimeter-genauen Seiltanz zwischen den Leitschienen zuzusehen.
Oft jedoch haben die Fans WM-Läufe am Mittelmeer erlebt, die eher in die Kategorie Formel Gähn als Formel 1 gehören. Daher wird auch immer wieder darüber gefachsimpelt, ob man auf der Kult-Rennstrecke nicht die Pistenführung verändern sollte, um bessere Rennen zu begünstigen.
Fakt ist: Wer heute eine Streckenführung wie durch Monte Carlo vorschlagen würde, erhielte vom Autosport-Weltverband FIA eine Abfuhr. Die Bahn viel zu eng, die Autos viel zu breit, Überholen fast nicht möglich.
Seit 1950 ist die Pistenführung der traditionsreichen Strecke am Mittelmeer kaum geändert worden, die grössten Modifikationen wurden umgesetzt bei der Hafenschikane, am Schwimmbad und bei der Passage von Rascasse zur letzten Kurve vor Start und Ziel, Antony Noghès.
Schwer vorstellbar, dass es eines Tages keinen Formel-1-Lauf mehr geben wird in Monte Carlo, dieser Grand Prix gilt als der prestigeträchtigste von allen. Wenn das Wetter stimmt, die Yachten träge im Hafen dümpeln und Stars aus Unterhaltung und Sport Glamour verströmen, ist der Charme von Monaco unerreicht.
Bei grauem Himmel und Regen entstehen einige der verrücktesten Grands Prix. Aber wir haben eben auch Rennen erlebt, in welchen der WM-Lauf halt eher einem überaus flotten Auto-Korso glich, beinahe ohne Überholmanöver.
Liess sich das nicht verändern? Ferrari-Star Charles Leclerc, in Monaco geboren und aufgewachsen: «Wenn wir von Mirabeau durch Loews zur Portier-Kurve kommen, wieso dann nicht nach links abbiegen und dort eine lange Gerade machen? Wir könnten eine Schleife fahren, bevor es dann zurück zum Tunnel geht. Ich weiss einfach nicht, wie wir das im Detail umsetzen sollen.»
Dazu gibt es gemäss Michel Boeri, dem Chef des monegassischen Automobilklubs (ACM), auch keine Notwendigkeit. Denn Boeri sagt nun gegenüber der Zeitung Nice-Matin: «Die Strecke wird nicht verändert, im Gegensatz zu dem, was ich von vielen Leuten gehört habe. Das Abreissen hiervon oder das Versetzen davon würde automatisch eine neue Überprüfung der Strecke auslösen und eine neue FIA-Homologation erfordern.»
Der aktuelle Vertrag der Monegassen läuft bis einschliesslich Ausgabe 2025. Boeri weiter: «Formel-1-Promoter Liberty Media ist nicht aus Nächstenliebe hier. Sie sind hier, um Geld zu verdienen. Und wir sind hier, um ihnen so wenig wie möglich zu geben und selbst so viel wie möglich zu machen. Es ist ein einfacher, fairer Wettbewerb auf einem offenen Markt.»
«Unsere amerikanischen Freunde haben erkannt, wie reaktionsschnell wir sein können. Im Gegensatz zu denen, die Monaco immer noch in die Kritik nehmen und gut daran täten, ihre Denkweise zu aktualisieren, haben wir uns darauf geeinigt, dass der Grand Prix eine grosse Anziehungskraft für die Formel 1 hat. Wir wollten nicht ständig darüber gequält werden, ob nun ein Bordstein zwei oder drei Ecken zu viel hatte.»
Um das Überholproblem zu lindern, wurden in Monaco Zwangs-Boxenstopps eingeführt – was dazu führte, dass einige Fahrer extra langsam fuhren, um ihrem Stallgefährten unmittelbar davor Raum für diesen Reifenwechsel zu geben, ohne einen Platz zu verlieren. Ein Schlag ins Wasser.
2027 findet das GP-Wochenende von Monaco erstmals im Sprintformat statt. Die Denke von Formel-1-CEO Stefano Domenicali: Wenn die Monaco-Quali schon so spannend ist, warum dann nicht gleich zwei Mal.
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