Lando Norris (9./McLaren): Reumütig nach Fast-Auffahrunfall
Gegen Lando Norris (McLaren) wurde nach dem Chaos-F1-GP von Bahrain in Malaysia noch ermittelt. Er hätte fast einen Unfall verursacht, konnte noch knapp ins Kiesbett ausweichen. Was war da los?
Beim Neustart nach dem Safety-Car in der Schlussphase des Bahrain-GP in Malaysia war plötzlich zu sehen, wie Lando Norris (McLaren) direkt nach dem Motorschaden-Aus von George Russell (Mercedes) geradeaus ins Kiesbett raste. Wiederholungen zeigten: Der Weltmeister von 2025 wäre fast auf den Rest des Feldes von hinten aufgefahren, wich dann ruckartig in letzter Sekunde aus.
Was war da los? Wieso rauschte Norris plötzlich in die Auslaufzone? Hatte er etwa rechts von ihm auf George Russell geschaut, der mit einem Motorschaden zur Seite gefahren war, und war abgelenkt? Wegen «erratischen Fahrens» ermittelten die Rennkommissare in diesem sowieso schon an Kuriositäten reichen GP nach Ende des Rennens.
Deswegen wurde gegen Norris ermittelt
Es ging dabei um zwei angebliche Überholmanöver unter Safety-Car (Überholverbot!) und den Fast-Auffahrunfall mit den Fahrern vor ihm, den er nur vermeiden konnte, indem er über die Kerbs und dann in den Kies auswich. Norris musste nach dem Rennen bei den Rennkommissaren vorsprechen. Die kamen zum Entschluss: Norris kommt mit einer Verwarnung davon.
Im Urteil heißt es zum Hergang der ungewöhnlichen Situation: «Das Auto mit der Startnummer 63 (George Russell) war vor Kurve 1 aufgrund eines technischen Problems stehen geblieben, was dazu führte, dass die vor Norris fahrenden Fahrzeuge langsamer wurden. Norris erklärte, dass es aufgrund der tief stehenden Sonne und der daraus resultierenden Sichtverhältnisse schwierig war zu erkennen, dass die vorausfahrenden Fahrzeuge früher als normalerweise zu erwarten gewesen wäre, begonnen hatten, langsamer zu werden. Norris schätzte daraufhin seine Annäherungsgeschwindigkeit falsch ein und näherte sich den vorausfahrenden Fahrzeugen zu schnell. Als er dies bemerkte, bremste er stark ab und lenkte bewusst nach links auf die Randsteine und dann in das Kiesbett, um einen Kontakt mit den vorausfahrenden Fahrzeugen zu vermeiden.»
Dabei rauschte er kurzzeitig vor seinen Teamkollegen Oscar Piastri. Doch das wurde nicht geahndet: «Zwar fuhr Norris kurzzeitig an Piastri vorbei, dies geschah jedoch ausschließlich dadurch, dass Norris bei einem Ausweichmanöver die Strecke verließ. Piastri überholte Norris sofort wieder, während sich Norris außerhalb der Strecke befand. Die Rennkommissare kamen daher zu dem Schluss, dass es sich hierbei nicht um ein Überholmanöver handelte, und ergriffen hinsichtlich dieses Aspekts des Vorfalls keine weiteren Maßnahmen.»
Deshalb gab's die Verwarnung
Zu dem Fast-Auffahr-Unfall schrieben die Stewards: «Die Notwendigkeit einer starken Bremsung und eines Ausweichmanövers in den Kiesbereich zeigte, dass Norris unter den gegebenen Umständen keinen angemessenen Sicherheitsabstand eingehalten hatte. Die Rennkommissare stellten daher fest, dass Norris unberechenbar gefahren war und damit gegen Artikel B5.13.2a des FIA-F1-Reglements verstoßen hatte. Eine solche Situation sollte beim Fahren hinter dem Safety-Car nicht auftreten, und Norris war verpflichtet, einen ausreichenden Abstand zu den vorausfahrenden Fahrzeugen einzuhalten. Da Norris jedoch, sobald er die Situation erkannt hatte, umgehend reagierte und eine Kollision erfolgreich vermeiden konnte, halten die Rennkommissare eine Verwarnung für angemessen.»
Außerdem wurde noch überprüft, ob Norris bei seiner Rückkehr auf die Strecke Lance Stroll unter Safety-Car überholt hatte – auch hier der Freispruch wie beim ersten Überhol-Thema.
«Kann wirklich niemandem außer mir selbst die Schuld geben»
Und was sagte Norris selbst zu dem Thema? Der Brite: «Aus meinem Blickwinkel konnte ich einfach nicht erkennen, wie sehr sie auf der Ideallinie verlangsamt hatten. Letztlich ist es zwar meine Aufgabe, solche Situationen zu beurteilen, aber das war einfach eine ganz und gar ungewöhnliche Situation, und natürlich bin ich dadurch aus der Bahn geraten. Ich kann wirklich niemandem außer mir selbst die Schuld geben, aber in dieser Situation konnte ich einfach nichts anderes tun.»
Skurril: Letzte Woche in Baku hatte Norris nach groß getönt, als er von Franco Colapinto rausgecrasht wurde, und eine Rennsperre für den Argentinier gefordert. Colapinto hatte nach dem Neustart blockierende Räder, räumte seinen Alpine-Teamkollegen Pierre Gasly und Lando Norris ab. Jetzt war Norris plötzlich der «erratische» Fahrer.
Aber nicht nur wegen des Kiesbett-Ausflugs war das Rennen für Norris schwierig: Das Rennen ging für Norris unglücklich los, weil er bei nasser Strecke auf Mediums, also Trockenreifen, gestartet war und zurückfiel. Aber auch darüber hinaus hatte McLaren an diesem Wochenende das Tempo gefehlt. Am Ende reichte es nur für Platz 9.
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