Lella Lombardi zum Gedenken: Auf eine solche Frau wartet die Formel 1
An diesem 26. März 2026 wäre Lella Lombardi 85 Jahre alt geworden. Die Italienerin verkörperte in den 70er Jahren, was die Formel 1 heute verzweifelt sucht: Eine Frau, die es mit den Männern aufnimmt.
2026 geht die F1 Academy in die vierte Saison: In diesem Jahr treten 17 Stammfahrerinnen zu dieser Einsitzer-Nachwuchsserie an, aus welcher im Idealfall ein weiblicher Grand Prix-Pilot hervorgehen soll.
Wäre auch Zeit! Die letzte Frau an einem GP-Wochenende: Die Engländerin Susie Wolff 2014 im Williams, als Freitags-Pilotin.
Die letzte Frau in einem GP-Qualifying: Die Italienerin Giovanna Amati 1992 in Brasilien, nicht qualifiziert im Brabham.
Die letzte Frau am GP-Start: Die Südafrikanerin Desiré Wilson in Kyalami 1980, aber das Rennen zählte nicht zur WM, wegen des Streits zwischen dem Autosport-Weltverband FIA und der Team-Vereinigung FOCA.
Die letzte Frau in einem Formel-1-WM-Lauf daher: Die Italienerin Lella Lombardi, auf dem Österreichring 1976, wo sie Zwölfte wurde.
Wegbereiterin Maria Teresa de Filippis
Die erste Frau, die an einem zur Weltmeisterschaft gehörenden Formel-1-Grand Prix teilgenommen hatte, war Maria Teresa de Filippis. Die Italienerin bestritt 1958 für das Maserati-Team drei Grands Prix und erzielte als Bestleistung den zehnten Platz in Spa-Francorchamps.
Die einzige GP-Pilotin, die neben Maria Teresa de Filippis in der Formel-1-WM gestartet ist, ist Lella Lombardi. Die Italienerin nahm zwischen 1974 und 1976 an zwölf Grands Prix teil. Sie ist als erste (und bisher einzige) Frau in die Geschichte eingegangen, die es in einem WM-Rennen unter die ersten Sechs und damit in die Punkte schaffte.
Chaos in Spanien
Das war beim chaotischen Grand Prix von Spanien 1975, wo es schon im Training viel Ärger gab, weil die Leitplanken nicht richtig befestigt worden waren. Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi nahm aus Protest gar nicht erst am Rennen teil, sein Bruder Wilson Fittipaldi sowie Arturo Merzario gaben nach nur einer Runde bewusst auf, um ihren Unmut gegenüber den Veranstaltern zu demonstrieren.
Im Rennen folgte eine Reihe von Unfällen, die darin gipfelte, dass Rolf Stommelens Hill-Rennwagen über die Absperrungen flog und einige Zuschauer tötete, der deutsche Fahrer wurde schwer verletzt. Das Rennen wurde abgebrochen und es gab gemäss Reglement halbe Punkte. Als Sechste erhielt Lombardi einen halben WM-Punkt.
Maria Grazia "Lella" Lombardi wurde am 26. März 1941 als Tochter eines Metzgers und Salami-Produzenten geboren, ihr Spitzname "Tigerin von Turin" war eine Erfindung fauler Journalisten, denn bella Lella wurde in Frugarolo (Piemont) geboren. Die ersten Erfahrungen von Lella am Lenkrad: mit dem Lieferwagen des Familiengeschäfts.
Nach kurzer Zeit im Kart wechselte Lombardi in die Einsteigerformel Monza. Ab 1968 sass sie im Formel-3-Auto, die Meisterschaft schloss sie auf Rang 2 ab, hinter dem längst vergessenen Franco Bernabei. 1970 eroberte Lella den Meistertitel in der Formel 850. Dann fand sie: Sie muss raus aus Italien, wenn sie weiterkommen will.
In England arbeitete sich Lella bis in die Formel-5000-Meisterschaft hoch, in welcher sie 1974 mit regelmässigen Spitzenplatzierungen Gesamtfünfte wurde. 1974 auch der Einstieg in die Formel 1 mit einem privat eingesetzten Brabham.
1975 sass sie im March oder in einem Williams, 1976 für einige weitere Versuche ebenfalls im March. Doch als Ronnie Peterson nach dessen Trennung von Lotus frei wurde, musste Lombardi dem Schweden weichen.
Nach Abschluss der Formel-1-Karriere fuhr Lella Lombardi erfolgreich Sportwagenrennen: Sie gewann 1979 die Sechsstunden-Rennen von Enna-Pergusa und Vallelunga.
Die vielseitige Pilotin nahm 1977 auch am "Firecracker 400" in Daytona teil, da war die NASCAR-Serie der Formel 1 meilenweit voraus – mit drei Frauen im Rennen, neben Lella traten an: die US-Amerikanerin Janet Guthrie und die Belgierin Christine Beckers.
Lombardi hängte 1988 den Helm an den Nagel und gründete die Firma "Lombardi Autosport", um sich um die Rennkarriere aufstrebender Piloten zu kümmern.
1992 erlag Lella Lombardi in Mailand dem verdammten Krebs. Sie wurde nur 50 Jahre alt.
Frauen als Formel-1-Fahrer
1958/1959: Maria Teresa de Filippis (I) – 3 GP (10. in Belgien 1958)
1974–1976: Lella Lombardi (I) – 12 GP (Rang 6 in Spanien)
1976/1978: Divina Galica (GB) – 0 GP (drei Mal nicht qualifiziert)
1980: Desiré Wilson (ZA) – 0 GP (einmal nicht qualifiziert)
1992: Giovanna Amati (I) – 0 GP (drei Mal nicht qualifiziert)
2002: Sarah Fisher (USA) – 0 GP (nur Demo-Fahrt in Indianapolis)
2005: Katherine Legge (GB) – 0 GP (Test mit Minardi)
2011/2012: María de Villota (E) – 0 GP (Tests und Demo-Fahrten mit Renault und Marussia)
2012–2015: Susie Wolff (GB) – 0 GP (Tests und Trainings mit Williams)
2014: Simona De Silvestro (CH) – 0 GP (Tests mit Sauber)
2015: Carmen Jordá (E) – 0 GP (Entwicklungspilotin von Lotus, keine Tests)
2018–2021: Tatiana Calderón (COL) – 0 GP (Tests mit Sauber)
2023: Jessica Hawkins (GB) – 0 GP (Test mit Aston Martin)
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