Lewis Hamilton (Ferrari/4.) schäumt: «Bin ich Versuchskaninchen oder was?»
Ferrari hat (nicht zum ersten Mal) die Chance auf ein Spitzenergebnis versemmelt. Entsprechend äusserte sich Superstar Lewis Hamilton auch am Funk in einem überaus unterhaltsamen Niederlande-GP.
Ferrari ist in Zandvoort am Siegerpodest vorbeigeschrammt, und das müssen die Italiener auf die eigene Kappe nehmen, dieses Mal, weil sie es an klarer Strategie für ihre Piloten Lewis Hamilton und Charles Leclerc mangeln liessen. Und das kam so.
Stande in Runde 36 daher: Antonelli knapp vor Norris, Russell vor dem aufrückenden Leclerc, Hamilton, Piastri, Lawson und Hülkenberg auf P8.
Am Ende der 39. Runde: neue Reifen für Leader Antonelli, daher der 2024er Zandvoort-Sieger Norris vorne. Weiter hinten holte sich auch Russell neue Reifen ab.
Hamilton forderte am Funk: «Ich bin schneller als Leclerc, meine Reifen sind besser.» Übersetzung: Lasst mich vorbei an Charles.
Ferrari wollte Leclerc reinholen, aber dazu hatte Charles keine Lust, er blieb zwei Runden länger draussen als geplant. Hamilton am Funk, feurig: «Wir verlieren hier nur Zeit!»
Dann nochmals: «Wirklich eine fabelhafte Weise, Zeit zu verschleudern, tolle Arbeit, Jungs!»
Leader Norris am Ende von Runde 46 an der Box, daher Hamilton in Führung, vor Antonelli, Norris, Russell und Leclerc, dann Piastri, Lawson und Hülkenberg noch immer auf P8.
In Runde 52 schon sich vorne alles zusammen: Hamilton nur noch knapp vor Antonelli, der hatte Norris im Nacken. Lando fackelte nicht lange – er überholte Kimi aussen in der Tarzan-Kurve, dann warf er sich auf Hamilton, der sich einen Rutscher erlaubte, Norris damit wieder in Führung. Kurz darauf Antonelli ebenfalls vorbei an Hamilton.
Dann virtuelle Safety Car-Phase, weil der Haas-Renner von Esteban Ocon neben der Bahn stehengeblieben war.
Hamilton war nicht amüsiert: «Benutzt ihr mich hier als Versuchskaninchen oder was? Wie lange soll ich noch auf er Bahn bleiben.»
Klar nutzte Ferrari die VSC-Phase, um Lewis weiche Pirelli zu geben. Dahinter auch Leclerc an der Box für frische Reifen. McLaren tat das Gleiche mit Piastri. Eine Runde später tat Mercedes das Gleiche mit Antonelli.
Neuer Stand nach 57 Runden: Norris vor Russell, dann Antonelli, Hamilton, Leclerc, Piastri, Lawson und Hülkenberg.
Norris erkundigte sich, ob man nicht auch die VSC-Phase für einen Stopp nutzen sollte, aber da war es schon zu spät – grün. McLaren hatte auf einen Stopp verzichtet so wie Mercedes mit Russell.
Antonelli arbeitete sich an Russell heran, Mercedes bat um einen Platztausch. Russell am Funk: «Kann er gewinnen?» Russell liess Kimi vorbei, happy war er damit nicht. «Wir haben hier ein Doppel-Podest verloren.»
Dann auch Hamilton an Russell dran, Attacke in Kurve 1, aber noch blieb Russell vorne. Von hinten nahte zudem Leclerc. Dann aber wieder virtuelle Safety Car-Phase, wegen Trümmerteilen auf der Bahn (nach Kollison der beiden Williams). Der Angriff von Hamilton daher verpufft, das war genau, was Russell brauchte, der P3 ins Ziel rettete.
Lewis Hamilton stöhnte nach dem Grand Prix: «Ich habe heute absolut alles gegeben. Die Abstände zwischen den schnellsten Rennwagen sind so gering, da ist es ein echt hartes Stück Arbeit, sich durchzutanken.»
«Was unser Ergebnis angeht, so hätte das heute vielleicht ganz anders ausgesehen, wenn wir in der Quali einen besseren Startplatz hätten herausholen können. Die Mercedes sind auf den Geraden so verflixt schnell, alleine dort verlieren wir hier pro Runde vier Zehntelsekunden.»
«Wenn wir dann aber im Grand Prix ungefähr gleich schnell fahren können, so zeigt das – wir haben ein wirklich gutes Rennauto. Wir müssen es nur schaffen, mehr aus dem Motor zu holen.»
Auf die Frage nach seinen Meldungen am Funk sagt Lewis: «Ich bin hier um zu gewinnen, das ist mein einziger Gedanke. Es ist nicht leicht, bei einer Situation im Rennen zuzusehen, wie Mercedes sofort reagiert und das Richtige tut. Mercedes hat Kimi an George vorbei gebeten, damit der keine Zeit verliert.»
«Ich hingegen war auf einer anderen Strategie, und hier ist das (in Sachen Strategie, M.B.) einfach nicht das Gleiche. Darüber werde ich mich mit dem Team unterhalten müssen.»
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