Zandvoort-Sieger Lando Norris: «Sieg dank knallhartem Duell mit Hamilton»
Lando Norris hat mit einer starken Leistung den Traditions-GP der Niederlande in Zandvoort gewonnen: 13. GP-Sieg, der zweite in dieser Saison, der zweite auf dieser Rennstrecke. «Was für ein Rennen!»
Das war weltmeisterlich: Lando Norris gewinnt den vorderhand letzten Grossen Preis der Niederlande, er lässt in den Dünen an der Nordsee die beiden Mercedes von Kimi Antonelli und George Russell hinter sich.
Dies ist der 13. GP-Triumph des Briten, sein zweiter in der GP-Saison 2026 (nach Ungarn) und sein zweiter auf der Zandvoort-Rennstrecke nach 2024. Gleichzeitig ist dies sein 48. Podestplatz in der Königsklasse (gleich viele wie Gerhard Berger).
Norris’ Sieg bedeutet auch: 205. GP-Erfolg für seinen Rennstall McLaren, der sechste für die Papaya-Truppe an der Nordsee und der dritte in Folge (nach Norris 2024 und Piastri 2025).
Norris ist nach seiner makellosen Fahrt sichtlich begeistert und erzählt: «Was für ein Rennen! Ich wusste nach der Quali, dass ich ein hartes Stück Arbeit vor mir habe, um die ganzen Jungs hinter mir zu halten, aber es hat geklappt. Und wir haben dabei den Zandvoort-Besuchern bei der Abschiedsvorstellung eine gute Show gezeigt.»
«Ich habe mir das Leben ein wenig selber schwer gemacht heute, wenn ich an meinen Start denke. Dennoch würde ich sagen, dass dies einer meiner besseren Siege war, weil ich hart dafür kämpfen musste und weil ich schönes Tempo fahren konnte.»
«Ich bin überglücklich und stolz, dass ich dass letzte Zandvoort-Rennen gewonnen habe.»
«Mein Duell mit Hamilton war der Hammer. Mir war klar, dass ich nicht viele Chancen bekomme und so rasch als möglich an ihm vorbei musste. Ich verstellte die Bremsbalance und warf mich auf ihn. Dieser Angriff stellte mir die Weichen zum Sieg.»
«Wir haben jetzt zwei Mal in Folge gewinnen können, und das zeigt – unsere ganzen Verbesserungen haben voll eingeschlagen. Ich weiss, die Leute würden von mir gerne etwas Anderes hören. Aber ich verkopfe das Titelrennen nicht. Ich nehme ein Rennen ums andere, und im Herbst sehen wir dann, wo uns das hingebracht hat.»
«Es gibt noch so Vieles, was wir als Team besser machen können. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit von McLaren und dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass wir das hier gerockt haben.»
So lief der Niederlande-GP
Eine Dreiviertelstunde vor dem Start: Ein Regenguss, typisch Zandvoort, dabei hatte es noch am Morgen geheissen, es würde trocken bleiben – so schnell geht das hier an der Nordseeküste.
Die Regen-erfahrenen Zuschauer stülpten stoisch die Pellerinen über, im Wissen, dass sich Regenzellen hier sehr schnell verziehen.
Vor allem im letzten Pistenteil mit der schnellen Zielkurve war die Bahn ordentlich nass. Die Autos ruderten während der Erkundungsrunden ordentlich herum, Liam Lawson rutschte sogar auf Intermediates neben die Bahn.
WM-Leader Kimi Antonelli: «Der erste Teil der Bahn gingen mit den profillosen Slicks, aber die zweite Hälfte ist ziemlich nass.»
Pirelli-Rennchef Dario Marrafuschi: «Das Problem ist – ja, die Bahn ist nass, aber bei solchen Bedingungen wie gerade eben würden Intermediates nach zwei oder drei Runden rettungslos überhitzen.»
Nur: ‘Gerade eben’ ist in Zandvoort ratz-fatz vorbei. 30 Minuten vor dem Start noch ein Schauer. Sky-F1-Experte Timo Glock: «Bei den Teams wird nun fieberhaft überlegt – Start auf Regenreifen oder es doch mit Slicks riskieren? Noch vor zwei Minuten hätte ich gesagt Slicks, nun tendiere ich zu Intermediates.»
Die Frage nun war: Wie schnell würde die Bahn abtrocknen? Auf welchem Reifen sollte man starten?
Racing Bulls-CEO Peter Bayer: «Für die Fans ist das überaus unterhaltsam, für einen Rennstall ist es ein Albtraum. Denn Regen vermischt sich hier mit Sand, das wird ganz schmierig.» Mercedes-Teamchef Toto Wolff bezeichnete die Verhältnisse als Lotterie.
Und mit diesen Reifen gingen die schnellen Herren in den vorderhand letzten Zandvoort-GP: Die ersten Vier (Norris, Russell, Antonelli und Piastri) auf den mittelharten Reifen, dann Hamilton, Leclerc, Verstappen auf weichen Pirelli.
Die FIA ging auf Nummer sicher: Eine Runde hinter dem Safety-Car, damit sich alle Fahrer an die Verhältnisse gewöhnen konnten, schon wieder mit Sonne, die zwischen den Wolken durchguckte.
Lando Norris kam von Pole-Position gut weg, Antonelli sofort vorbei an Russell, dann Leclerc, Piastri, Hamilton und Verstappen.
Dann zum Schluss von Runde 1 ein Riesen-Crash – Verstappen out! Max hatte den Wagen in der Steilkurve vor Start und Ziel aus der Kontrolle verloren, krachte zunächst links in die Mauer, dann rechts. Rote Flagge.
«Ah, das war’s! Tut mir leid», krächzte der Niederländer am Funk. «Ich bin okay.»
Weiter hinten ein Dreher in der gleichen Kurve von Gabriel Bortoleto, der Audi-Fahrer konnte aber einen Einschlag in die Mauer vermeiden.
21 Fahrer brachten ihre Autos an die Box zurück. Die fleissigen Streckenposten begannen, die Bahn von Trümmerteilen zu reinigen und den Unfallwagen wegzubringen.
Die Wiederholung zeigte, dass Verstappen kurz nach dem Start schon links im Gras war, von Hamilton unabsichtlich abgedrängt (der auf Leclerc gegen Piastri reagieren musste), danach in der stark überhöhten Kurve 3 Kontakt zwischen den Autos von Max und seinem RBR-Stallgefährten Lawson.
Beim Unfall, so sah es aus, war Max einfach ein wenig zu gierig auf dem Gas und zu weit rechts, auch so überragende Fahrer wie Verstappen machen mal einen Fehler.
Um 15.33 Uhr ging es weiter: Leader Norris nun auf weichen Pirelli, Antonelli auf mittelharten, Russell auch, Leclerc auf weich, Piastri auf hart, Hamilton auf weich, Lawson ebenfalls auf weich.
Beim Weg zur Startaufstellung blieb der Haas-Renner von Bearman stehen, aus für den Engländer, gelbe Flagge. Oliver am Funk: «Alles hat hier abgestellt.»
Daher noch eine Aufwärmrunde, dann beim nächsten Versuch: Norris gut, aber Antonelli sofort an seiner Seite und in Führung! Tolles Manöver des WM-Leaders. Weiter hinten büsste Russell einen Rang ein gegen Piastri, weil der Engländer geschlafen hatte.
Stand in Runde 5: Antonelli, Norris, Piastri, Russell, Leclerc, Hamilton und Lawson, Hülkenberg nach Raketenstart auf P9 hinter Gasly.
Russell, unter Druck von Leclerc, monierte am Funk mangelnde Fahrzeugbalance an der Vorderachse.
Antonelli-Verfolger Norris meldete sich ebenfalls: «Ich habe hier nicht mehr Speed, ich gebe alles.»
Am Ende von Runde 17 kam Russell an die Box, freie Fahrt für Leclerc, harte Reifen für den Mercedes-Fahrer. Eine Runde später holte McLaren Piastri an die Box, ebenfalls für harte Reifen, aber kein guter Stopp von McLaren, daher nun auf der Bahn hinter Russell.
Neuer Stand in Runde 19 von 72: Antonelli, Norris, Leclerc, Hamilton, Lawson, Russell und Piastri, Hülkenberg holte sich ebenfalls frischen Gummi ab und fiel zurück auf P13.
Am Ende von Runde 21 Antonelli, Norris und Leclerc alle an der Box, daher Hamilton neuer Leader.
In Runde 24 auch Hamilton an der Box, harte Reifen für den Rekord-Champion, zurück auf der Bahn als Sechster, Antonelli nun wieder Leader.
Hülki profitierte von einem Patzer von Gasly, ging dann dank weicher Reifen in Kurve 1 aussen an Lindblad vorbei, dann machte sich Nico auf die Jagd nach Sainz auf P10.
Stand in Runde 29: Antonelli, Norris, Russell, Piastri, Leclerc, Hamilton, Lawson, Alonso, Hülkenberg, Sainz.
In Runde 34 attackierte Leclerc den McLaren-Fahrer Piastri, aussen in Kurve 1, dann innen in Kurve 2 – und quetschte sich vorbei! Der Monegasse neu Vierter. Hamilton sofort wie eine Klette an Piastri, um ebenfalls vorbeizugehen.
Hamilton krallte sich Piastri in Kurve 1, Piastri also innerhalb von einer Runde mit zwei Rängen Verlust.
Stande in Runde 36 daher: Antonell knapp vor Norris, Russell vor dem aufrückenden Leclerc, Hamilton, Piastri, Lawson und Hülkenberg auf P8.
Am Ende der 39. Runde: neue Reifen für Leader Antonelli, daher der 2024er Zandvoort-Sieger Norris vorne. Weiter hinten holte sich auch Russell neue Reifen ab.
Hamilton forderte am Funk: «Ich bin schneller als Leclerc, meine Reifen sind besser.» Übersetzung: Lasst mich vorbei an Charles.
Ferrari wollte Leclerc reinholen, aber dazu hatte Charles keine Lust, er blieb zwei Runden länger draussen als geplant. Hamilton am Funk, feurig: «Wir verlieren hier nur Zeit!»
Dann nochmals: «Wirklich eine fabelhafte Weise, Zeit zu verschleudern, tolle Arbeit, Jungs!»
Leader Norris am Ende von Runde 46 an der Box, daher Hamilton in Führung, vor Antonelli, Norris, Russell und Leclerc, dann Piastri, Lawson und Hülkenberg noch immer auf P8.
In Runde 52 schon sich vorne alles zusammen: Hamilton nur noch knapp vor Antonelli, der hatte Norris im Nacken. Lando fackelte nicht lange – er überholte Kimi aussen in der Tarzan-Kurve, dann warf er sich auf Hamilton, der sich einen Rutscher erlaubte, Norris damit wieder in Führung. Kurz darauf Antonelli ebenfalls vorbei an Hamilton.
Dann virtuelle Safety Car-Phase, weil der Haas-Renner von Esteban Ocon neben der Bahn stehengeblieben war.
Hamilton war nicht amüsiert: «Benutzt ihr mich hier als Versuchskaninchen oder was? Wie lange soll ich noch auf er Bahn bleiben.»
Klar nutzte Ferrari die VSC-Phase, um Lewis weiche Pirelli zu geben. Dahinter auch Leclerc an der Box für frische Reifen. McLaren tat das Gleiche mit Piastri. Eine Runde später tat Mercedes das Gleiche mit Antonelli.
Neuer Stand nach 57 Runden: Norris vor Russell, dann Antonelli, Hamilton, Leclerc, Piastri, Lawson und Hülkenberg.
Norris erkundigte sich, ob man nicht auch die VSC-Phase für einen Stopp nutzen sollte, aber da war es schon zu spät – grün. McLaren hatte auf einen Stopp verzichtet so wie Mercedes mit Russell.
Antonelli arbeitete sich an Russell heran, Mercedes bat um einen Platztausch. Russell am Funk: «Kann er gewinnen?» Russell liess Kimi vorbei, happy war er damit nicht. «Wir haben hier ein Doppel-Podest verloren.»
Denn nun auch Hamilton an Russell dran, Attacke in Kurve 1, aber noch blieb Russell vorne. Von hinten nahte zudem Leclerc. Dann aber wieder virtuelle Safety Car-Phase, wegen Trümmerteilen auf der Bahn (nach Kollison der beiden Williams). Der Angriff von Hamilton daher verpufft, das war genau, was Russell brauchte.
Sieg für Norris, vor Antonelli, Russell, Hamilton, Leclerc, Piastri, Lawson, Hülkenberg auf P8, Alonso im Aston Martin auf P9 und Gasly auf Platz 10.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach




