Lewis Hamilton (Ferrari) ist zurück: Vier Gründe, wieso er 2026 stark fährt
Ferrari-Superstar Lewis Hamilton geigt 2026 im Startfeld lauter mit als in seinem ersten Jahr mit Ferrari, siehe Freitag-Bestzeit in Monaco vor Heimheld Charles Leclerc. Dafür gibt es vier Gründe.
Fans und Fachleute waren sich vor dem GP-Wochenende einig: Wer das Traditionsrennen von Monaco gewinnen will, muss an Charles Leclerc vorbei, der mit jedem Randstein per du ist. Charles ist in dieser Stadt gross geworden und gilt zudem als ausgesprochener Strassenkurs-Spezialist.
Prompt fuhr der WM-Zweite von 2022 im ersten Monaco-Training Bestzeit, nach den zweiten 60 Minuten hatte jedoch Lewis Hamilton die Nase vorn. Es ist von freiem Auge ersichtlich: Der 41-jährige Engländer fühlt sich im 2026er Ferrari pudelwohl und das zeigt sich auch bei den Ergebnissen – Vierter in Australien, Dritter in China, dann zwei Mal Sechster (was Gründe hat, dazu kommen wir gleich noch) und hervorragender Zweiter in Montreal.
Wieso tritt der siebenfache Formel-1-Champion in dieser Saison markant stärker auf als in seinem ersten Jahr mit Ferrari? Das hat vier Gründe.
Erstens – die Umstellung. Hamilton tat sich 2025 unter anderem deshalb so schwer, weil ihm die Fahrzeug-Charakteristik des Mercedes über Jahre in Fleisch und Blut übergegangen war. Sich auf eine komplett andere Rennwagen-Philosophie mit entsprechendem Fahrverhalten umzustellen, das ist selbst für einen 105-fachen GP-Sieger nicht einfach.
Hamilton tat sich vor allem mit dem Bremsen schwer, mit der Lenkung, mit dem Verhalten der Antriebseinheit, er spürte den Wagen nicht richtig, und er machte aus all seinen Schwierigkeiten kein Geheimnis.
Ganz anders 2026: Hamilton hatte ein Jahr Zeit, um sich als Fahrer bei der Konstruktion des neuen Ferrari einzubringen. Er konnte den italienischen Ingenieuren vermitteln, was er braucht, um schnell zu fahren.
Zweitens – die Generation 2026. Die Rennwagen 2026 sind total anders als die Boliden des vergangenen Jahres. Der höhere elektrische Anteil erfordert kluges Energie-Management, die Autos sind leichter und erzeugen weniger Abtrieb, sie weisen zahlreiche aerodynamische Möglichkeiten auf, sich auf einen Gegner zu werfen oder sich zu verteidigen.
Hamilton liebt es, mit solchen Mitteln zu spielen. Er besitzt genügend mentale Kapazität, um die vielfältigen Werkzeuge klug einzusetzen. Und das Handling des 2026er Ferrari mundet ihm viel besser.
Drittens – der eigene Weg. 2025 versuchte Hamilton zu sehr, sich den Gegebenheiten anzupassen, er hörte zu stark auf die Ingenieure bei der Arbeit mit der Abstimmung. Hamilton hat ein ausgeprägtes Bauchgefühl, einen sicheren Instinkt dafür, was er vom Rennwagen braucht, um schnell zu sein.
Für 2026 ist nicht nur das Auto neu, sondern auch die Vorgehensweise von Hamilton. Hm, eigentlich ist sie nicht neu, sondern das, was sich jahrelang bei ihm bewährt hatte. Er unterwirft sich weniger Vorgaben durch Daten und Simulation, sondern folgt seinem siebten Sinn.
Bestes Beispiel, von Lewis selber erzählt: «Vor dem Miami-GP war ich im Simulator, um an der Abstimmung für das Rennen in Florida zu arbeiten. Dort stellt sich dann heraus – das hat überhaupt nicht funktioniert. Also habe ich gesagt: So, für Kanada machen wir das anders, ich vertraue wieder mehr auf meinem Gefühl. Und das hat sich bezahlt gemacht. Ich werde für die GP-Vorbereitung folgerichtig nur noch selten im Simulator sitzen. Das ist für mich einfach besser.»
Viertens – der richtige Mann im Ohr. Lewis Hamilton war anständig genug, seinen 2025er Renningenieur Riccardo Adami öffentlich nicht anzuprangern. Aber es war bald klar: Die Chemie stimmte nicht zwischen Hamilton und dem früheren Vettel-Techniker. Anfang 2026 wurde Adami bei Ferrari versetzt.
Bei den Wintertests kümmerte sich Leclerc-Ingenieur Bryan Bozzi um Hamilton. Als Notlösung. Dann manövrierte Ferrari Carlo Santi an die Seite von Lewis. Der 52-Jährige aus Verona arbeitete früher als Renningenieur von Kimi Räikkönen, 2019 wechselte Santi ins Rennwagenwerk, um die so genannte «remote garage» zu leiten, also jene Technikertruppe, welche Ferrari von Maranello aus unterstützt.
Santi wurde zunächst als Übergangslösung erachtet, bevor Hamilton dann den festen Ingenieur erhalten sollte, die Rede war vom früheren McLaren-Mitarbeiter Cedric Grosjean.
Doch dann passierte etwas Unerwartetes: Die Chemie zwischen Santi und Hamilton stimmte auf Anhieb. Lewis in Monaco: «Die Verbindung zwischen Rennfahrer und Renningenieur ist elementar für den Erfolg. Manchmal passt es, manchmal nicht. Damals bei Mercedes kam ich mit Bono (Pete Bonnington) auf Anhieb zurecht, und nun habe ich mit Carlo quasi meinen italienischen Bono gefunden.»
«Carlos gehört zu den etwas älteren Mitarbeitern, er bringt sehr viel Erfahrung mit. Er ist überaus ruhig, das hört man am Funkverkehr. Wir sind auf einer Wellenlänge.»
«Ich habe im vergangenen Jahr immer wieder betont, dass es eine Weile dauern wird, bis ich alle Puzzle-Teilchen an den richtigen Platz gelegt habe. Bevor ich zu Ferrari wechselte, war mir klar, dass sehr viel Arbeit auf mich zukommt. Aber ich muss zugeben – vor allem die erste Saisonhälfte war sehr, sehr hart.»
«Wir sind nun auf Ingenieursseite viel besser aufgestellt als 2025, und langsam beginnt die ganze Arbeit vom vergangenen Jahr Früchte zu tragen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber es ist schön zu sehen, wie sich alle reinhängen. Ich habe nun das Umfeld, das ich brauche, um mich optimal einzubringen. Und ich bin dankbar für die ganze Unterstützung, die ich bei Ferrari erhalte, angefangen bei Teamchef Fred Vasseur.»
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