Lewis Hamilton nach P4 im Belgien-Training: Steht Ferrari vor einer Strafe?
In den Ardennen hat das Verschleiern begonnen: Keiner hat am Freitag die Karten aufgedeckt, Lewis Hamilton war im zweiten Training Viertschnellster. Aber gegen Ferrari wird ermittelt!
Vor ein paar Jahren hat RTL-GP-Experte Christian Danner sehr schön festgehalten: «Die Ergebnisse von Freitag-Trainings zu deuten, das ist zu einem beträchtlichen Teil Kaffeesatz-Leserei.»
Im ersten Training auf dem Circuit de Spa-Francorchamps fuhr Max Verstappen Bestzeit, vor den zwei Ferrari-Piloten Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Mercedes nur auf P6 (Kimi Antonelli) und P8 (George Russell).
Im zweiten Training dann ein ganz anderes Bild: WM-Leader Kimi Antonelli vorne, dahinter Weltmeister Lando Norris, danach Max Verstappen. Und Ferrari: Nur noch auf P4 (Hamilton) und P11 (Leclerc).
Hamilton über den ersten Tag in Belgien: «Im ersten Training lief es ein wenig besser als wir erwartet hatten, aber im zweiten Training legten einige Gegner zu, und dann haben wir ein etwas realistischeres Bild erhalten.»
«Unser Ferrari liegt noch nicht optimal, wir verlieren zu viel Zeit im mittleren Pistenteil, dem müssen wir auf den Grund gehen.»
«Spa ist noch immer Spa, und die Kurven sind einfach der Hammer. Aber am Ende der Geraden geht dir einfach der elektrische Saft aus, dagegen ist nichts zu machen. Ich bin nicht sicher, ob wir da von der Feineinstellung her noch arg viel herausholen können.»
«Aber in diesem mittleren Pistenteil müssen wir unbedingt zulegen. Die Fahrzeugbalance ist nicht übel, es mangelt einfach an Abtrieb. Vielleicht müssen wir da einen anderen Kompromiss finden aus Luftwiderstand und Abtrieb.»
«Was das Kräfteverhältnis angeht, so bleibt Mercedes für mich der Massstab. McLaren scheint in schnellen Kurven sehr gut zu sein, und davon haben wir hier in Belgien reichlich.»
Das wahre Kräfteverhältnis auf der belgischen Traditionsstrecke wird von verschiedenen Faktoren verschleiert: Die Fahrer haben ihre Motoren nicht auf Höchstleistung eingesetzt, sie fahren mit unterschiedlichen Kraftstoffmengen an Bord, dazu kämpfen verschiedene Fahrer mit Problemen, siehe Aussagen von Hamilton in Sachen Set-up. Silverstone-Sieger Charles Leclerc war mit weichen Reifen langsamer als mit mittelharten Walzen, weil er sich Fehler erlaubte.
Apropos Walzen: Die Regelhüter des Autosport-Weltverbands FIA ermitteln. Das Kommissaren-Quartett Gerd Ennser (Deutschland), Matthew Selley (Australien), Pedro Lamy (Portugal) und Loic Bacquelaine (Belgien) hat Vertreter des italienischen Rennstalls zum Gespräch gebeten.
Der Technische Delegierte der Formel 1, der Deutsche Jo Bauer, hat den Kommissaren nach dem ersten Training gemeldet, dass sich Ferrari in Sachen Umgang mit den Reifen nicht reglementkonform verhalten hat.
Und darum geht es gemäss Rapport von Jo Bauer: «Nach FP1 gab das Scuderia Ferrari HP Team für Fahrzeug 16 (LEC) und für Fahrzeug 44 (HAM) gemäss den Artikeln B6.4.1 und B6.3.8 a) iii) je zwei Sätze Trockenreifen elektronisch zurück. Die entsprechenden Reifen wurden jedoch vor Beginn des FP2 nicht physisch an den ernannten Reifenlieferanten zurückgegeben. Dies ist nicht konform mit Artikel B6.4.2.»
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur hat zugegeben, dass seine Mannschaft die Reifen zu spät zurückgegeben hat, «aber ich gehe nur von einer Geldstrafe aus». Gründe für den Fehler nannte Vasseur nicht.
Der Franzose sollte freilich wissen: Solche Vergehen sind selten, aber die Rennpolizei kann da ziemlich stinkig werden.
In Deutschland 2016 gab Force India (heute Aston Martin) einen anderen Satz zurück als elektronisch angegeben. In der Quali wurde daher ein Reifensatz auf die Bahn gebracht, der an sich hätte zurückgegeben werden müssen.
Die Rennkommissare sprachen daraufhin gegen Nico Hülkenberg eine Strafe von einem Platz zurück in der Startaufstellung aus.
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