MotoGP macht Sorgen: Was Intact-GP trotz Riesenerfolg Probleme macht
Das deutsche Intact-GP-Team ist mit den Moto2-Assen Manuel Gonzalez und Senna Agius überragend in die Sommerpause gefahren. Für 2027 steckt Teamchef Jürgen Lingg aber in einer verzwickten Lage.
Es ist die bislang erfolgreichste Saison seit dem Start des Moto2-Projekts: Liqui Moly Dynavolt Intact GP hat über 100 Punkte Vorsprung in der Teamwertung der mittleren WM-Klasse auf die nächstbeste Mannschaft von Jorge «Aspar» Martinez. Dank den Leistungen von Tabellenführer Manuel Gonzalez und des WM-Dritten Senna Agius hat sich die Mannschaft aus dem Allgäu ins Rampenlicht gefahren. Ein Teil des Erfolgs ist die eingespielte Teamleistung – denn mit beiden Piloten und nahezu allen Crew-Mitgliedern arbeitete man schon im letzten Jahr harmonische zusammen.
Nebeneffekt der Erfolgsserie mit beiden Piloten: Gonzalez und Agius stehen auch auf der Rekrutierungsliste der MotoGP. Diese hat sich zur Sommerpause zwar auf das Team von Tech3 reduziert, doch stand heute führen beide Intact-Piloten Gespräche mit Inhaber Günther Steiner und Teammanager Nicolas Goyon. Als sicher gilt, dass einer der beiden Moto2-Piloten den Zuschlag für einen Ritt auf der KTM RC 16 erhält. Scheitern jedoch die Gespräche mit dem dritten Kandidaten, dem etablierten MotoGP-Athleten Luca Marini, könnten auch beide Youngster aufsteigen.
Zufriedendenheit – aber mit Blick auf 2027 große Anspannung
Für Intact-GP-Teamchef Jürgen Lingg ergibt sich daraus mit Blick auf 2027 eine kuriose und auch problematische Situation mit etlichen Konstellationen. Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com schilderte der erfolgreiche Teammanager die besondere Lage: «Bei aller Zufriedenheit über die sportliche Situation in der Gegenwart, ist auch eine Anspannung da. Wir hängen alle in der Luft. Manu und Senna wollen beide unbedingt den Aufstieg. Sie geben alles für gute Leistungen, zugleich wissen sie, dass sie keine Fehler machen dürfen. Das hat auch Positives, sie treiben sich an, keine Frage.»
«Aber mit Blick nach vorne ist es aktuell schwer. Sicher ist, sollte Manu einen MotoGP-Vertrag bekommen und Senna nicht, dann wird Senna auch im nächsten Jahr bei uns fahren. In dem Fall könnten wir einen Platz mit einem Rookie nachbesetzen«, so Lingg weiter. Doch die Lage ist vielschichtiger, wie der Allgäuer betont: «Sollte Manu aber keinen Vertrag in der MotoGP bekommen, dann wissen wir aktuell nicht, ob wir wieder mit ihm planen können. Für ihn gilt es parallel auch darum, andere Optionen in der Superbike-WM zu prüfen.»
Und weiter: «Sollten aber beide Fahrer das Team verlassen, müssen wir entsprechend doppelt neu besetzen. Idealerweise mit einem etablierten Piloten und einem Rookie. Aber: Uns sind aktuell die Hände gebunden. Es wäre nicht in Ordnung, jetzt mit anderen Moto2-Spitzenfahrern zu reden. Solange es keine Entscheidung zur Zukunft unserer jetzigen Fahrer gibt, werden die Plätze auch für sie freigehalten.»
Lingg verrät: «Wenig überraschend haben schon mehrere sehr gute Namen an die Türe des Intact-LKWs geklopft – aber ich muss sie alle warten lassen. Ewig kann das auch nicht gehen, denn irgendwann werden auch sie sich entscheiden müssen.»
Späte Entscheidung in der MotoGP wirkt bis in die Moto3
Nicht zu vergessen: Zwar hat Intact-GP mit der Moto3-Einheit um Peter Öttl weitere Spitzenfahrer als potenzielle Moto2-Aufsteiger in der Box, doch hier gilt das Gleiche. Steigt etwa ein David Munoz auf, muss auch hier ein vielversprechender Ersatz gefunden werden, und das zeitnah. Würden als weitere Option zudem Manuel Gonzalez und Senna Agius zusammen aus der 2027er-Mannschaft wegfallen, könnte Lingg als mutige Strategie zwar auf die beide Moto3-Piloten setzen – hätte dann aber im Unterbau kompletten Leerstand.
Lust und Frust liegen in dem Fall eng beisammen. Erst wenn die Weichen bei Tech3 für die Königsklasse gestellt sind, können auch die Planungshebel auf der Moto2-Ebene wieder in Bewegung gesetzt werden.
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