Riccardo Patrese: «Ferrari muss das mit Lewis Hamilton jetzt unbedingt tun»
Der langjährige Formel-1-Fahrer Riccardo Patrese (72) sagt, wie Ferrari die Titelchancen gegen das starke Mercedes-Team bewahren kann. Der sechsfache GP-Sieger fordert eine klare Kante.
Kann Ferrari dieses Jahr noch Formel-1-Weltmeister werden? Bei den Piloten wäre es der erste Titel seit Kimi Räikkönen 2008, bei den Konstrukteuren der erste Titel seit 2009.
Im Portal Vision4Sport hat der 256-fache GP-Teilnehmer Riccardo Patrese nun darüber gesprochen, was Ferrari anstellen muss, um das scheinbar Unmöglich endlich möglich zu machen.
Der italienische WM-Zweite von 1992 sagt: «Ferrari schlägt sich in diesem Jahr sehr gut. Doch in Zandvoort haben sie wegen der zögerlichen Entscheidungsfindung bei den Teambefehlen mindestens einen Podestplatz verschenkt. Das war sehr schlecht von Ferrari.»
«Lewis Hamilton näherte sich von hinten an Charles Leclerc, musste aber zwei Runden warten, bis Leclerc ihn vorbeiliess. Lewis verlor dadurch vielleicht zwei oder drei Sekunden, und genau das machte den Unterschied aus, ob Lewis das Podium erreichte oder nicht.»
«Das Auto ist noch nicht auf dem gleichen Niveau wie das von Mercedes. Wahrscheinlich ist der McLaren sogar ein bisschen besser als Ferrari. Aber man weiss ja: Wenn man Mercedes schlagen will, darf man sich solche Fehler nicht leisten und muss jede sich bietende Gelegenheit nutzen.»
«Sie müssen jetzt entscheiden, wer der Nummer-1-Fahrer ist. Sie können nicht mitten im Rennen sagen: „Wir werden eine Weile darüber nachdenken und uns dann wieder bei euch melden.“ Wenn das passiert, verliert man Rennen, Punkte und Chancen. Man muss sofort entscheiden, wer wen vorbeilassen wird.»
«Ferrari muss Lewis Hamilton nun unbedingt als Nummer 1 auswählen, wenn sie im Kampf um die Meisterschaft mithalten wollen. Ich kann Hamiltons Frustration nachvollziehen und verstehe, warum er nach dem Rennen Kritik übte. Normalerweise sind es ohnehin die älteren Fahrer, die keine Angst haben, ihre Meinung zu sagen.»
«Zu meiner Zeit haben sich alle beschwert, geschrien und gestritten. In der heutigen Welt der Formel 1 ist alles ein bisschen fader. Wenn Lewis also sagt, was er gesagt hat, macht das die Sache interessant. Ich stimme ihm zu, wenn er sagt, dass Ferrari wie Mercedes sein muss.»
«Wenn Ferrari eine Chance hat, um die Meisterschaft mitzukämpfen, muss das Team sich für einen Fahrer entscheiden. Es geht nicht so, wie es McLaren letztes Jahr gemacht hat, als ihre Papaya-Regeln sowohl Lando als auch Oscar die Tür offen liessen und Teambefehle abgelehnt wurden.»
«1983 musste mein Brabham-Team zwischen mir und Nelson Piquet entscheiden, der bei Renault gegen Alain Prost um die WM kämpfte. Also wurde ich geopfert, um Piquet maximal zu unterstützen, und wir schafften es, die Meisterschaft zu gewinnen.»
«Was in Zandvoort passiert ist, zeigt, dass Ferrari immer noch keine klaren Vorstellungen hat. Wenn man um die Fahrer-Meisterschaft kämpfen will, muss man sich für einen der beiden Piloten entscheiden. Und Lewis muss die Nummer 1 sein. Er leistet fantastische Arbeit und fährt im Moment konstanter als Charles Leclerc.»
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