Traditions-Grand Prix von Italien: Monza-Kurven – die Rätsel sind gelüftet
Das Autodromo Nazionale di Monza ist stattliche 103 Jahre alt, die Fans freuen sich auf viel Action in Italien. Kurven wie Lesmo oder Parabolica sind legendär. Wir sagen, warum sie so heissen.
Die Formel 1 kehrt in den königlichen Park von Monza zurück, die Fans freuen sich auf ein rauschendes Motorsportfest. 2022 ist diese fabelhafte Rennstrecke 100 Jahre alt geworden, die weltberühmte Bahn gehört zu 90 Prozent dem Automobilklub von Italien (ACI) und zu 10 Prozent dem Automobilklub von Mailand
Aber selbst nach dieser Zeit wissen viele Racing-Freunde nicht, wie die ganzen Kurvenbezeichnungen im Highspeed-Tempel entstanden sind. Zeit für einen kleinen Nachhilfekurs.
Fangen wir von vorne an: Monza. Die drittgrösste Stadt der Region Lombardei (125.000 Einwohner), nach Mailand und Brescia, heisst angeblich Monza wegen der lombardischen Königin Teodolinda.
Einer Legende zufolge soll ihr, beim Ausruhen am Fluss Lambro, im Traum eine Taube erschienen sein, die sagte: «modo» («hier» in mittelalterlichem Latein). Und die Königin habe im Traum geantwortet: «etiam» («gewiss»). Aus den zwei Worten sei das Wort «modoetia» entstanden und daraus der Name Monza.
Einer anderen Geschichte zufolge siedelten sich Auswanderer der deutschen Stadt Mainz hier an, daraus entstand «Magonza» und dann «Monza». Wie oft in solchen Fällen sind sich die Experten uneinig.
Kein Zweifel hingegen besteht daran, wie die Kurvennamen entstanden sind, also begleiten Sie uns von Start und Ziel auf eine Runde auf der Traditionsrennstrecke.
Rettilineo Box – Nicht sehr spektakulär: Wörtlich übersetzt heisst das die «Gerade bei den Boxen».
Prima Variante – Die erste Schikane wurde 1972 gebaut, um die Autos einzubremsen für den folgenden Rechtsknick Biassono. 1976 wurde die Schikane enger gestaltet, 2000 erneut anders geformt.
Biassono – Früher hiess sie «Curva Grande», die grosse oder fabelhafte Kurve, angemessen für diesen Vollgas-Rechtsknick. Biassono heisst ein Dorf in der Nähe und das wiederum heisst so wegen einer Festung der Familie Blasoni, die früher hier errichtet wurde (Blasonium Vicus).
Seconda Variante – Die zweite Schikane hiess früher «Curva della Roggia» für einen kleinen Fluss in der Nähe.
Lesmo 1 und 2 – Einst führte die Bahn hier durch einen dichten Wald, daher hiess die Kurve zu Beginn «Curva delle Querce» (Kurve der Eichen). Ab 1927 wurde die Kurve Lesmo genannt, auch dies wegen eines nahen Dorfes. Lesmo soll auf die Familie Laetissimus zurückgehen. Andere Sprachforscher glauben an Wurzeln zur Insel Lesbos. Auch hier sind sich die Fachleute nicht einig. Lesmo 2 hiess zu Beginn «Curva dei 100 Metri», für die Distanz zwischen den beiden Kurven. Dann wurde sie zur «Curva del bosco dei Cervi» (Kurve des Hirschwalds).
Serraglio – In diesem Linksknick stand die Jagdhütte des Königs. Der Name geht zurück auf Serail, ein anderes Wort für Palast, das später als Bezeichnung für Tiergehege verwendet wurde.
Variante Ascari – Früher «Curva del Platano» (Platanen-Kurve) oder «Curva del Vialone» (Allee-Kurve). Nach dem tödlichen Unfall von Alberto Ascari in Monza 1955 wurde die Kurve nach dem zweifachen Formel-1-Champion und Le Mans-Sieger benannt.
Parabolica – Offiziell heisst die Kurve seit September 2021 «Curva Alboreto», nach dem im April 2001 tödlich verunglückten GP-Sieger Michele Alboreto. Ohne respektlos sein zu wollen: Alle sagen noch immer Parabolica, der Name geht natürlich zurück auf die Form dieser 180-Grad-Kurve, die zurück zu Start und Ziel führt. Davor hiess die Kurve «Curva de Porfido», weil dort vor allem Porphyr-Steine verbaut wurden (magmatisches Gestein).
Der Vollständigkeit halber: Noch immer stehen in Monza die gewaltigen Steilwände, genannt «sopraelevate» (überhöht).
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