Training Österreich: Antonelli 1., Verstappen vor Hamilton, Audi legt nach
Erstes freies Training zum Grossen Preis von Österreich auf dem Red Bull Ring: Kimi Antonelli erzielt Bestzeit, Lando Norris mit Problemen, gewaltige Updates bei Red Bull Racing, Audi und Cadillac.
Zwei Schwerpunkte in diesem ersten freien Training zum Traditions-GP von Österreich auf dem herrlich in die Steiermark gebetteten Red Bull Ring: viel Neues bei den Rennställen und jede Menge junger Fahrer an der Arbeit.
Sechs Teams nutzten die Gelegenheit, um das Projekt «Jugend forsch» voranzutreiben. Zur Erinnerung: Jeder der 22 Stammfahrer muss zwei Mal pro Saison ein Freitagtraining aussitzen, damit Nachwuchspiloten ans Lenkrad dürfen.
Auf dem Red Bull Ring im Einsatz: Ferrari mit Dino Beganovic statt Charles Leclerc, Aston Martin mit Jak Crawford statt Lance Stroll, die Racing Bulls mit Ayumu Iwasa statt Liam Lawson, Haas mit Ryo Hirakawa statt Esteban Ocon, Audi mit Paul Aron statt Gabriel Bortoleto und Williams mit Luke Browning für Carlos Sainz.
Der Entwicklungswettlauf zwischen den Rennställen ist in vollem Schwung, die Liste an neuen Teilen für das GP-Wochenende in der Steiermark ellenlang.
McLaren mit neuem Dreh-Heckflügel (am Wagen von Weltmeister Lando Norris), der jedoch nur im freien Training zum Einsatz kommen soll (der Flügel, nicht Lando), dazu mit optimierter Bremsbelüftung hinten.
Mercedes mit aerodynamisch optimierter Verkleidung der Vorderradaufhängung, dazu mit schmalerem Luftauslass der Motorverkleidung.
Red Bull Racing mit üppigem Update: Anders geformte Einlässe der Seitenkästen, daher auch geänderte Motorverkleidung, neuer Unterboden, windschlüpfigere Verkleidung der Hinterradaufhängung, andere Heckflügelstütze, neuer Auspuff.
Ferrari mit frisch geformten Endplatten am Frontflügel, dazu – nur im freien Training als Experiment – Windleiter am vorderen Ende des Unterbodens und andere Rückspiegelstütze.
Die Racing Bulls mit anderem Diffuser (dem letzten Teil des Unterbodens) sowie mit geändertem Auspuff.
Haas mit anderen Lufteinlässen der vorderen Bremse, dazu mit optimierten Kiemen in der Motorverkleidung.
Auch Audi mit zahlreichen Verbesserungen: Frontflügel-Endplatten, Luftleit-Elemente im aerodynamisch heiklen Bereich der Vorderräder, Unterboden, Luftleit-Elemente bei den Hinterrädern, Aufhängungs-Geometrie hinten, Heckflügel, Zusatzflügel über dem Getriebe.
Alpine mit komplett neuem Frontflügel, daher anders geformter Fahrzeugnase und geänderter Geometrie der Vorderrad-Aufhängung, dazu mit neuem Diffuser.
Enormes Update bei Cadillac: Seitenkästen, Motorverkleidung, Luftauslässe, Rückspiegelstütze, Diffusor, Flügel – das ist schon fast ein B-Modell.
Ohne Verbesserungen in Österreich: Williams und Aston Martin.
Das Training begann bei 29 Grad, die Piste 49 Grad warm.
Problem bei Weltmeister Norris: Die Mercedes-Ingenieure erkannten beim Warmlaufenlassen des Motors ein Hydraulik-Problem, mit unklarem Ausgang, ob der Champion überhaupt ins erste Training gehen kann. Sein Papaya-Renner jedenfalls zerlegt in der Box, die fleissigen Mechaniker am Schuften.
Auch Probleme bei Isack Hadjar und Red Bull Racing: Auch das Auto des Parisers an die Box gebunden, nach einem Motorwechsel.
Gleichzeitig wurde der Wagen von Max Verstappen nach Stotterfahrt durch die Boxengasse zurückgeschoben. Der Niederländer am Funk: «Jedes Mal, wenn ich die Kupplung kommen lasse, schaltet sich das Anti-Stall ein.» Das Anti-Stall ist ein Notfallprogramm, das verhindern soll, dass der Motor bei niedrigen Drehzahlen abstirbt.
Die beiden Mercedes von WM-Leader Kimi Antonelli und George Russell (Österreich-Sieger 2024) übernahmen das Kommando.
Haas-Testfahrer Hirakawas Wagen berührte bei der Anfahrt zu seiner Box einen Mechaniker links vorne, zum Glück ging das glimpflich aus, nur Schürfungen.
Alpine-Fahrer Franco Colapinto monierte einen gebrochenen Rückspiegel links. Nach 15 Minuten Verstappen endlich auf der Bahn.
Der australische McLaren-Fahrer Oscar Piastri verglich zunächst zwei verschiedene Frontflügel, wurde aber eingebremst: «Die Bremse funktioniert ungleichmässig, der Pedalweg ist zudem zu lang.»
Nach knapp einer halben Stunde Schwierigkeiten bei Cadillac mit Sergio Pérez. Der Mexikaner am Funk: «Die Verkleidung rechts am Seitenkasten löst sich.» Natürlich wurde der WM-Zweite von 2023 unverzüglich an die Box geholt. Möglicherweise war da «Checo» kurz neben der Bahn gewesen.
Stand nach 30 Minuten: Antonelli, Russell, Verstappen, Piastri, Hülkenberg und Hamilton.
Sein früherer Red Bull Racing-Stallgefährte Verstappen derweil: «Seltsames Gefühl, die Reifen überhitzen und bieten keine Haftung.»
Barcelona-Sieger Lewis Hamilton (Ferrari) stöhnte: «Das ist eine echte Plackerei hier.» Auch der siebenfache Champion mit seinem Rennwagen noch nicht happy.
Mit weichen Reifen unterbot Antonelli seine eigene Bestzeit um sieben Zehntelsekunden. Fast gleichzeitig Altmeister Alonso rechts im Kies, nochmals gut gegangen!
Piastri noch immer mit Bremsproblemen: «Eine echte Lotterie, was ich da als Bremsverzögerung bekomme.»
Nochmals Verstappen am Funk: «Beim Bremsen schüttelt es den ganzen Wagen durch.»
Nach knapp 40 Minuten Isack Hadjar erstmals auf der Bahn, und auch Lando Norris setzte sich nun den Helm auf.
Barcelona-Sieger Hamilton rückte hoch auf P3 hinter die zwei Mercedes, Verstappen Fünfter hinter dem verblüffenden Arvid Lindblad im Auto der Racing Bulls.
McLaren konnte die Bremsprobleme im Auto von Oscar Piastri beheben – Platz 3.
14 Minuten vor Schluss endlich Champion Norris auf der Bahn, Verstappen verbesserte sich auf P4, knapp hinter Piastri. Norris versammelte ein Versuch für eine schnelle Runde mit neuen weichen Pirelli-Reifen.
Die zwei Mercedes also vorne, dann Piastri, Verstappen und Hamilton, Lindblad sehr guter Sechster vor Champion Norris. Bester Neuling: Ferrari-Zögling Beganovic auf Platz 9.
Zum Schluss noch eine rote Flagge: der Cadillac von Sergio Perez erneut stehengeblieben.
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