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Willkommen am Madring: Erste Eindrücke der gewaltigen Rennanlage in Madrid

Heiss, heisser, Madrid: Wer in Monza übel schwitzte, wird das auch in der spanischen Hauptstadt tun – am Montag 38 Grad, am Dienstag 36 Grad. Erste Eindrücke vom Weg zur Rennstrecke beim Messegelände.

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Die Formel 1 ist zurück in Madrid, erstmals seit 1981, als der Grosse Preis von Spanien in Jarama stattfand, 30 km nördlich der coolen Hauptstadt.

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Nach fünf Ausgaben den spanischen WM-Laufs in Jerez de la Frontera (Andalusien) wurde der Circuit de Catalunya bei Barcelona von 1991 bis 2024 Austragungsort des Traditions-GP. Nun ist er zurück in Madrid.

Dabei stellt sich für den Berichterstatter die simple Frage: Wie komme ich hier eigentlich zur Rennstrecke?

Mein Hotel liegt im Grossraum Flughafen. Ich trete bei 36 Grad aus der klimatisieren Lobby ins Freie, es ist, als ob ich zuhause die Tür des üppig aufgeheizten Backofens öffnen würde. Ich vermute, ich könnte am Boden glatt ein Spiegelei braten, verzichte aber auf den Versuch.

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Ein Uber-Fahrer bringt mich zu Terminal 4. Er möchte gerne wissen, was er in seiner Stadt so treibe. Ich antworte, ich sei für das Formel-1-Rennen angereist. Nun ist der Chauffeur hellwach. Er strahlt: «Den Katalanen haben wir mal kurz gezeigt, was eine Harke ist. Jetzt haben WIR den Grossen Preis.»

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Die Rivalität zwischen Barcelona und Madrid ist legendär, immer schön, wenn man dem Anderen eins auswischen kann.

Dann will der Fahrer wissen (Vorsicht, Fangfrage!): «Finden sie Real Madrid besser oder den FC Barcelona?» Ich versuche einen Scherz: «Betis Sevilla.» Er schaut mich mit mildem Mitleid an.

Am Terminal 4 des Flughafens Madrid suche ich einen Automaten, der mir eine Mehrfahrtenkarte für die U-Bahn spendiert, denn gleich an der Rennstrecke befindet sich eine Station der pinkfarbenen Linie. Ich habe am Blechkasten eben den ersten Schritt absolviert (von Spanisch umstellen auf Englisch), als mich ein Amerikaner anquatscht: «Können Sie mir helfen, ich weiss nicht, wie man die Dinger bedient.»

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«Nun, das weiss ich auch nicht, aber klar helfe ich ihnen. Wo müssen Sie denn hin?» – «Zum Bahnhof.» – «Ja, schon», sage ich, «aber zu welchem? Madrid hat einen Süd- und einen Nordbahnhof.» – «Ich weiss es nicht.»

Wir irren gemeinsam im Menü des Automaten herum, was nur unwesentlich schwieriger ist als einen Schach-Grossmeister in sieben Zügen zu schlagen.

Der Amerikaner krächzt: «Ach was, ich spring einfach in die Metro, steige dann irgendwo aus und hoffe aufs Beste.»

Bevor ich darauf hinweisen kann, dass das Metro-Netz aus 302 Stationen besteht und dass dies wohl keine sinnvolle Vorgehensweise sei, ist er in der Menge verschwunden.

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Zurück zum Automaten also: Ich schaffe es tatsächlich, eine Mehrfahrtenkarte zu lösen, dann gucke ich Profi-Fahrgästen zu, wie sie die Sperre entriegeln, um zu den Gleisen zu gelangen.

Vier Minuten später sitze ich im Wagen, der blitzsauber ist. Und diese Ruhe! Kein Vergleich zur Metro in Mexiko-Stadt mit den unvermeidlichen Marktschreiern. Sie kennen die nicht? Was für ein Glück Sie doch haben!

Die Künste der fliegenden Händler in Mexico-City erzeugen eine wilde Mischung aus Bewunderung und Fremdschämen. Wie sie mit ihren Plastiksäcken voller Ware in die Wagen drängen und dann mit diesem unvergleichlichen Anpreisungs-Singsang loslegen: «Loooose, Kugelschreibeeeeeeer, Süüüüüüüüsszeug. Eiiiiiiiner für zeeeeeeeehn Peso! Zweeeeeeeei für fünfzeeeeeeeeehn Peso! Greifen Sie zuhuuuuuuuuu!»

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Eines Tages im Sonderangebot: Damenbinden (kein Scherz). Da fällt mir ein – ich sass am Morgen im Flieger nach Madrid, Notausgang-Reihe, als Einziger. Der Flugbegleiter meinte, er müsse ein paar Routinefragen stellen. «Nur zu», antwortete ich.

Er leierte herunter: «Trauen Sie sich zu, im Falle einer Evakuierung die Notfalltür zu öffnen? Sind sie bereit, dem Personal Hilfe zu leisten? Sind Sie schwanger?»

Die letzte Frage kam ein wenig überraschend für einen 64-jährigen Mann, aber ich antwortete wahrheitsgetreu: «Nicht, dass ich wüsste.»

Zurück nach Mexiko, Damenbinden also. Das Alter der Verkäuferin war nicht leicht einzuschätzen. Aber ihren Runzeln zufolge war sie schon am 16. September 1810 dabei, als der Priester Miguel Hidalgo zum bewaffneten Widerstand gegen die spanische Kolonialherrschaft aufrief, was letztlich zur Unabhängigkeit von Mexiko führte.

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Kaum einer kauft in der Regel was in der mexikanischen U-Bahn. Die meisten Leute lernen das Display ihres Handys auswendig, um den Verkaufsattacken zu entgehen. Und ja keinen Blickkontakt! Sonst steht ein Händler sofort vor einem, weil er glaubt, man habe Interesse. Dann gibt es kein Entrinnen. Unter zwei Kugelschreibern und drei Pack Kaugummi ist dann nichts zu machen.

Zurück nach Madrid. Bei der dritten Station der pinkfarbenen Linie schon wieder raus, keine zehn Minuten Fahrzeit, ich bin bei der Feria de Madrid, beim Messegelände, angekommen. Hier befindet sich also der neue, 5,474 km lange GP-Kurs.

Das riesige Eingangsgitter (könnte glatt aus einem Herr der Ringe-Film stammen) ist verschlossen. Fast erwarte ich, dass Gandalf hervortritt und mich ankeift: «Du – kommst – hier – NICHT – vorbei!» Dabei bin ich noch nicht mal ein Balrog.

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Ein Ordnungshüter steht am Tor. Ich entschuldige mich, dass ich nicht so gut Spanisch spreche. Er entschuldigt sich, dass er nicht so gut Englisch spreche. Ich verkneife mir den Scherz, ob er vielleicht katalanisch könne.

Ich frage also, ob er den besten Weg zum Fahrerlager und/oder zum Mediensaal kenne.

Wenn Sie je mal wissen wollten, wie ein Fragezeichen in Gesichtform aussieht, da haben Sie nun die Antwort. Er fragt zurück: «Paddock what is?» Ich radebreche auf Spanisch, das sei der Ort, wo die Formel-1-Fachkräfte ihrer Arbeit nachgehen. Er schüttelt den Kopf. So wird das nichts.

Neuer Versuch: Ich zeige ihm auf meiner Madring-Karte eine Fussgängerbrücke, über die ich wohl gehen muss, um Richtung Fahrerlager zu gelangen. Sein Gesicht hellt sich auf und er zeigt nach rechts. Ich weiss allerdings: Der richtige Weg führt ins andere Rechts. Ich bedanke mich artig und mache mich aus dem Staub, während eine Touristin aus China den Mann in ein weiteres Gespräch verwickelt.

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Also zum anderen Rechts: Ich stoffle eine Strasse entlang, die Sonne knallt herunter, links von mir türmen sich die gewaltigen Hallen des Messegeländes IFEMA auf (Institución Ferial de Madrid), das 1991 eröffnet wurde – also ironischerweise in jenem Jahr, als die Formel 1 ausserhalb von Barcelona debütierte.

Viele verschlossene Tore weiter endlich eine Lücke. Eine andere Fachkraft sitzt unter einen Sonnenschirm, offenbar in sein Handy verliebt. Nach dem Mediensaal frage ich nicht mehr, sondern lediglich nach der Brücke über die Rennstrecke. Er zeigt die knochige Rechte gen Nordosten und winkt mich mit der Linken weiter – denn eben fährt ein Lieferwagen mit Partystühlen heran.

Gesucht, gefunden, über die Brücke zur Halle 12. Die IFEMA-Hallen erinnern mich an Filmstudio-Gelände in Hollywood, ungefähr so enorm ist jede dieser Hallen. Hier bei der IFEMA finden sich 13 dieser Hallen, drei davon ohne auch nur eine Innenstütze, in der grössten davon hätten drei Fussballfelder Platz.

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Auf dem Gelände ein wahnwitziges Gewusel aus spanischen IFEMA-Angestellten und Formel-1-Personal, dazwischen einigen VIP-Tour-Gruppen, denen es gleich geht wir mir – wir sind Suchende.

Zwischendurch ein kurzer Blick in die Boxengasse, am Ende reckt sich die spanische Landesflagge in einen Wind, der direkt aus Nordafrika zu stammen scheint.

Ich weiss, der Mediensaal ist in Halle 5, die muss doch zu finden sein! Also vorbei an der 4, auf einmal ein hübscher Weg mit Palmen und den Porträts der Fahrer, es kann nicht mehr weit sein.

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Und da ist sie, die Halle 5, und sie ist – verschlossen. So schnell gebe ich nicht auf. Ich finde einen Seiteneingang und betrete die Halle. Wieder dieses merkwürdige Gefühl, im Hangar eines Filmstudios zu sein. In der Ferne leuchtet eine Eierschalen-weisse Wand und dahinter ein knallroter Teppich, über mir das Spinnennetz des Hallendachs, alles klingt seltsam hohl. Irgendwo zetert ein Spanier, so als hätte er sich eben mit einem Hammer tüchtig auf den Daumen gehauen.

Ich habe ja schon manches Medienzentrum erlebt, das kurios gewesen ist: Einen Ballsaal in Las Vegas, ein fensterloses Verlies in Phoenix, ein Raum mit Blick auf eine Sumpflandschaft in Südkorea, die Bauruine von Indien, die Wellblechhütte von Zandvoort aus den 80er Jahren, die unklimatisierte Frechheit von Estoril, wo der Platz zur Rennstrecke hin bedeutete, dass am Start die Fotografen auf meinen Tisch standen, noch ein Ballsaal (in Baku), der alte Pressesaal von Suzuka, steil gestaffelt und mit Schulbänken, als würde gleich der Professor vortreten und eine Vorlesung halten.

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Aber so etwas wie hier, in Madrid, das habe ich noch nie gesehen: Der Medienraum, so gross er unzweifelhaft ist, verliert sich fast in Halle 5, von hier aus werden in wenigen Tagen die Formel-1-Berichterstatter erzählen, was die Madrilenen für eine Rennstrecke hingepflanzt haben.

Mit den Feinheiten der Rennstrecke befassen wir uns dann in einer anderen Story.

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