Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top-6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
Dass die japanische Regierung und die zuständigen Behörden der Bevölkerung nie reinen Wein über die Strahlenbelastung durch das Reaktorunglück in Fukushima eingeschenkt haben, ist längst Tatsache.
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Ständig werden die jahrelang gültigen Belastungsgrenzwerte nach oben manipuliert. Zehn Sievert pro Stunde wurden kürzlich in der Atomruine Fukushima gemessen – ein schockierender Rekordwert. Doch die Strahlung dürfte viel höher liegen. Die Skala des Messgeräts reichte nämlich nur bis zehn Sievert. Kraftwerkbetreiber Tepco muss die Messung mit moderneren Geräten wiederholen. In Gebieten in Japan mit Strahlungswerten bis 21 Mikrosievert wurden Sonnenblumen ausgesät, weil sie sehr viel Radioaktivität absorbieren.
So darf man es keinem Rennfahrer, Mechaniker, Reifentechniker oder Journalisten verübeln, wenn er wenig Lust auf die Reise zum Japan-GP (2. Oktober) hat, zumal der Twin Ring Motegi nur 150 km von Fukushima entfernt liegt; der Suzuka-Circuit ist immerhin von Fukushima 500 km weg. Aber diese Piste ist für MotoGP nicht homologiert.
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Klar, der Reis stammt aus der Vorjahresernte; Mineralwasser kann man aus Flaschen aus Italien oder Frankreich trinken. Aber selbst das Badewasser rund um Motegi könnte verseucht sein. Verständlich, wenn junge Athleten wie Marco Simoncelli Bedenken wegen gesundheitlicher Spätfolgen und ihrer Zeugungsfähigkeit haben. "Wenn ich 70 Jahre alt wäre, würde ich mir weniger Sorgen machen", erklärte Simoncelli. "Ich will eines Tages gesunde Kinder haben."
Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top-6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
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Trotzdem wird der Japan-GP von Dorna, IRTA und FIM durchgezogen. Einzelne Rennfahrer wie Jasper Iwema und Claudio Corti sowie das Mahindra-125-Team (Schrötter, Webb) und Mechaniker werden daheim bleiben, vielleicht auch Valentino Rossi, aber der Grossteil der Teams und Piloten wird am Japan-GP mitwirken. Yamaha hat die Teilnahme von Jorge Lorenzo und Ben Spies bereits offiziell bestätigt.
"Es hat zwar keiner von uns Lust auf Japan, aber wir können nicht als einziges Moto2-Team daheim bleiben", erklärte Stefan Bradls Teamchef Stefan Kiefer. Der finnische Teamchef Aki Ajo, der in der 125er-Klasse sechs Fahrer (Zarco, Vázquez, Khairuddin, Folger, Kent und seinen 16-jährigen Sohn Niklas) einsetzt, nimmt nur Freiwillige mit. "Unsere Truppe umfasst mit den Fahrern 28 Personen", rechnet Ajo vor. "Ich zwinge niemanden zum Mitkommen und will wegen des Gesundheitsrisikos keinen Druck ausüben. Aber ich versuche die Mannschaft zu überzeugen. 23 oder 24 Teammitglieder werden dabei sein. Wir werden einen Tag später anreisen als sonst."
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"Als Mediziner würde ich von der Japan-Reise abraten", sagt Dr. Uwe Fischer, Rennarzt beim Sachsenring-GP und Racing-Team-Germany-Teilhaber (Sandro Cortese). "Ich will nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass eventuell in fünf Jahren jemand an Lungenkrebs erkrankt, weil er zu hoher Strahlenbelastung ausgesetzt war. Unser Team hat sich ohne jeden Druck zur Teilnahme in Motegi entschlossen."
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