Technik-Genies in der MotoGP: Was sie zum Erfolg der Hersteller beitragen
Einige Technikernamen werden im Rennsport mit größter Ehrfurcht ausgesprochen, ihre lange Liste von Erfolgen reicht teilweise über Jahrzehnte. Aber selbst der klügste Kopf braucht das richtige Team.
Jede Rennsportdekade ist mit Namen verbunden, die aus technischer Sicht prägend waren. Adrian Newey gilt als hellster Kopf der modernen Formel 1 in Sachen Aerodynamik, in der MotoGP hat in den vergangenen Jahren Ducati mit technischen Innovationen für Schlagzeilen gesorgt, sich zur Nummer 1 aufgeschwungen und mit Pecco Bagnaia, Jorge Martin und Marc Marquez vier WM-Titel in Folge gewonnen.
General Manager von Ducati Corse ist Gigi Dall’Igna. Der Italiener mit dem markanten Ziegenbart hat Aprilia in der Zweitaktära zu zahlreichen Siegen in der 125er- und 250er-Klasse geführt. Anschließend brachte er den Hersteller aus Noale in die Superbike-WM, in der Max Biaggi mit der revolutionären RSV4 mit jeder Menge MotoGP-DNA 2010 und 2012 den Titel eroberte.
Seit 2013 macht Dall’Igna bei Ducati Epoche. Der MotoGP-Motor aus Borgo Panigale galt jahrelang als der stärkste, bezüglich Aerodynamik oder mit der Einführung des höhenverstellbaren Fahrwerks war Ducati der Konkurrenz mehrere Schritte voraus.
Wir brauchen in unserer Welt Geschichten von Genies.mister unbekannt
Doch wie groß ist der Anteil am Erfolg von einem Großhirn wie Dall’Igna? Was kann ein Einzelner heute im Rennsport noch bewirken? «Er behält den Überblick», lautet die simple Antwort eines anderen Spitzentechnikers, dessen Name mir soeben entfallen ist. «Es sind die Leute bei einem Hersteller, die den Unterschied ausmachen. Es ist nicht so, dass sich einer einen neuen V4-Motor überlegt, das ist Bullshit. Um beispielsweise einen neuen Motor zu konstruieren, brauchst du 150 Leute. Es geht also darum, die Ideen von anderen zu managen. Einer wie Newey hat wahrscheinlich 500 Leute, die ihm zuarbeiten.»
Es braucht Experten für jedes Detail
«Es gibt Menschen, die können ein Konzept entwerfen», fuhr der SPEEDWEEK.com-Informant fort. «Beim heutigen Level der MotoGP brauchst du aber das Wissen und die Erfahrung für jeden Aspekt. Du brauchst jemanden, der sich auf das ihn betreffende Detail fokussiert. So etwas macht nicht der Boss. Das wahre Können des Chefs besteht darin, dass er wahrnimmt, worin die Leute wirklich gut sind. Und darin ist Gigi hervorragend. Wir brauchen in unserer Welt Geschichten von Genies. Deshalb hatten wir in der Formel 1 Leute wie Ross Brawn oder Rory Byrne, auch sie umgab diese Aura. Ross Brawn hatte schlaue Ideen, Rory Byrne gab die Linie vor. Aber beide hatten 1000 Menschen hinter sich. Wenn sie sagten, das Auto müsse leichter werden, dann haben 300 Leute daran gearbeitet. Jeder von ihnen fand 50 Gramm, am Schluss war das Auto 15 Kilogramm leichter. So funktioniert Rennsport schon lange. Im Rennsport ist es sogar so, dass du die Stärken deiner Mitarbeiter noch viel besser nutzen musst als im normalen Geschäftsleben, weil du keine Zeit hast. Sonst gelingt dir nichts Herausragendes.»
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