Senior-TT2010: Fürchterliche Unfälle und ein Rekord für die Ewigkeit
Nur noch zwei Tage bis zum Trainingsbeginn der Tourist Trophy. Speedweek.com verkürzt die Wartezeit und erinnert an einigen der kuriosesten Geschichten rund um das wichtigste Straßenrennen der Welt.
Allein wegen der ungewöhnlich Streckenlänge des Snaefell Mountain Courses von 60,725 Kilometern, einem Höhenunterschied von über 400 Metern, den über 250 Kurven, der Renndistanz der Senior-TT von über 360 Kilometern, dem Einzelstart und einer Durchschnittgeschwindigkeit von beinahe 220 km/h unterscheidet sich die Tourist Trophy auf der Isle of Man von jedem anderen Motorradrennen. Die TT-Rennen lieferten in der Vergangenheit Geschichten, die sich heutzutage anhören, als seien sie der Fantasie eines von Hollywood-Drehbuchschreibern entsprungen.
Vor der Senior-TT, die alljährlich den Höhepunkt der Tourist Trophy darstellt, hatte Ian Hutchinson 2010 bis auf die Zero TT, dem Rennen über eine Runde mit einem elektrisch angetriebenen Motorrad, sämtliche Solo-Rennen für sich entschieden und damit den Rekord von Phillip McCallen aus dem Jahr 1996 eingestellt. Die Frage vor dem Start lautete also, kann der Brite seinen Erfolgslauf prolongieren oder schaffen es seine beiden schärfsten Konkurrenten Guy Martin und Conor Cummins, endlich den herbeigesehnten Premierensieg zu feiern.
Die erste Runde brachte die erhoffte Spannung. Martin schaffte mit stehendem Start seine bis dahin schnellste Runde auf dem berühmt berüchtigten Kurs, trotzdem lag er nach der ersten Runde «nur» an der zweiten Stelle, weil Cummins 0,58 Sekunden weniger lang benötigte. Hutchinson lag als Dritter nicht einmal eine Sekunde zurück. Als vierter im Bunde, der sich ebenfalls Hoffnungen auf den Sieg im prestigeträchtigen Rennen machen durfte und dementsprechend mit vollem Risiko unterwegs war, hatte John McGuinness einen Rückstand von gerade einmal eineinhalb Sekunden. Niemand konnte sich erinnern, dass es schon einmal so knapp zur Sache ging.
Als er zum ersten Boxenstopp ansetzte, hatte Martin den Abstand zum führenden Cummins auf 0,1 Sekunden reduziert. Beiden wurden von ihren Mannschaften rasch abgefertigt und die wilde Jagd konnte weitergehen. Nur wenige Augenblicke nachdem sie wieder auf die Strecke gegangen waren, wurde das Rennen mit der roten Flagge gestoppt. Martin, der am absoluten Limit unterwegs war, verpasste bei Ballagarey den Einlenkpunkt und krachte in die steinerne Begrenzungsmauer. Während Martin angesichts der extremen Geschwindigkeit mit vergleichsweise leichten Verletzungen davonkam, gingen die Bilder seiner zu einem Feuerball verwandelten Maschine um die Welt.
Wie so oft nach einem schweren Unfall musste die Show weitergehen. Nach dem Neustart – die Senior-TT wurde auf vier Runden verkürzt – übernahm Hutchinson das Kommando. 0,61 Sekunden dahinter beendete McGuinness seinen ersten Umlauf. Cummins lag mit etwas mehr als 2,8 Sekunden Rückstand in Schlagdistanz zu seinen Vorderleuten, doch der Lokalmatador musste seine Angriffslust mit einem fürchterlichen Unfall. Im Streckenabschnitt Verandah kam er von der Strecke ab. Mehrfach überschlagend landete in einem Feld. Weil McGuinness zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschieden war, waren Hutchinson seine Gegner abhandengekommen.
Nachdem er bei seinem Boxenstopp davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass sein erster Verfolger Keith Amor mehr als 26 Sekunden auf ihn eingebüßt hatte, konnte er sich darauf konzentrieren, seinen Vorsprung zu verwalten. Weil auch Amor in der letzten Runde sein Motorrad abstellen musste, fuhr Hutchinson ungefährdet Sieg Nummer 5 entgegen. Waren es 2010 lediglich sechs Solo-Rennen, haben die Fahrer mittlerweile zehn Mal die Chance, bei der Tourist Trophy ein Rennen als Sieger zu beenden, trotzdem hat der Rekord von Hutchinson bis jetzt allen Angriffen getrotzt. Dunlop und Peter Hickman kamen ihm in den letzten vier Jahren mit je vier Erfolgen schon recht nahe.
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