MotoGP-Feld gespalten nach Neustarts: «Bald interessiert das keinen mehr!»
Beim MotoGP-Sonntagsrennen kam es in Barcelona zu zwei Neustarts nach Horror-Unfällen mit zwei verletzten Piloten. Eine mentale Ausnahmesituation, mit der die Motorrad-Profis unterschiedlich umging.
Das MotoGP-Fahrerfeld hatte beim Grand Prix in Katalonien gerade 12 von 25 angesetzten Runden absolviert, als eine brutale Kollision zwischen Alex Marquez und Pedro Acosta den Atem stocken ließ und den ersten von zwei Rennabbrüchen am Sonntag verursachte. Was schon den TV-Zuschauern und Beobachtern vor Ort das Blut in den Adern gefrieren ließ, schockierte auch das restliche Fahrerfeld.
Eine Ausnahmesituation, die verschärft wurde, durch den von
Luca Marini, der mit dem Franzosen und Francesco Bagnaia im Kiesbett landete, erklärt: «Es kann immer etwas passieren. Man fährt mit hohem Tempo auf die Kurve zu, der Vorderreifen hat noch nicht die richtige Temperatur und durch die Luftverwirbelungen der Motorräder vor dir kannst du selbst nicht richtig verzögern, sondern wirst regelrecht an die vor dir fahrenden herangesaugt. Johann hatte einfach Pech.»
Was folgte, war eine weitere psychisch herausfordernde Situation für das Fahrerfeld: Wie beim ersten dauerte es auch beim zweiten Zwischenfall mehrere Minuten, bis die Rennleitung zumindest vermelden konnte, dass der Unfallpilot bei Bewusstsein sei. Mancher der Athleten wurde von seinem Team unterdessen weitestgehend abgeschirmt. Aprilia-Speerspitze Bezzecchi: «Mein Team hat es geschafft, in diesem Chaos einen Rückzugsraum für mich zu schaffen. Ich habe alle Unterstützung bekommen, die möglich war und dafür kann ich nicht dankbar genug sein.»
Dass das Rennen noch ein drittes Mal fortgesetzt werden sollte, war nicht für alle Fahrer nachzuvollziehen. Pedro Acosta und Jorge Martin glichen sich in ihrer Bewertung der Situation. Der KTM-Pilot: «Nach zwei roten Flaggen und zwei Piloten im Krankenhaus war der dritte Neustart unnötig!» Der Racer aus Murcia befand jedoch, wortgleich mit dem Weltmeister von 2024: «Das gehört zum Rennsport dazu. The show must go on!», schränkte dabei aber ein: «Die Jungs, die die Show machen, sollten einen höheren Stellenwert bekommen!» Das Wohlergehen der Piloten müsse also ernster genommen werden.
Durch die schnelle Neustartprozedur fanden keine ausreichenden medizinischen Checks statt.
Der Italiener fuhr als Resultat mit Symptomen einer Gehirnerschütterung: «Nach drei Runden wurde mir bei jedem Anbremsen schwindelig und sobald ich in der Box ankam, wurde mir schlecht.» Der Turiner berichtete zudem von verlangsamter Wahrnehmung, nur Minuten nachdem er mit über 350 km/h auf der Strecke unterwegs war. Ärztliche Untersuchungen fanden erst im Anschluss an das Rennen statt und konzentrierten sich auf die Knochen der Piloten. Bei den MotoGP-Testfahrten am folgenden Montag an gleicher Stelle war der Fahrer mit der Nummer 63 wieder mittendrin.
Die Fahrer der Königsklasse sind von Kindesbeinen an darauf trainiert zu funktionieren. Stürze verschiedenster Schweregrade gehören zum Berufsrisiko. Ai Ogura beschrieb im Anschluss an den Grand Prix: «Wenn wir drei Mal an den Start gehen müssen, dann gehen wir drei Mal an den Start. Solche Unfälle mit anzusehen ist nicht angenehm, aber was sollen wir machen?» WM-Leader Marco Bezzecchi denkt ähnlich: «Es ist nicht meine Aufgabe, darüber nachzudenken, ob wir Rennen fahren sollten oder nicht. Meine Aufgabe ist, die Rennen zu fahren!» Pramac-Routinier Jack Miller antwortete im Rahmen der anschließenden Testfahrten in Barcelona in Bezug auf gemeinsame Maßnahmen des Fahrerfeldes für künftige solcher Situationen: «Man weiß doch, wie das nach solchen Vorfällen läuft: Bald interessiert das keinen mehr.»
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