Analyse: MotoGP-Experte erklärt Jorge Martins kontroversen Wheelie-Crash
Jorge Martins Jubel endete bei der MotoGP in Austin im Sturz. Ex-Superbike-Weltmeister Neil Hodgson liefert die einfache Erklärung für den folgenschweren Wheelie auf der Gegengeraden.
Nach seinem ersten MotoGP-Sieg mit Aprilia sorgte Jorge Martin am Samstag in Austin für eine der kuriosesten Szenen des Wochenendes. In der Auslaufrunde verlor der Spanier nach einem Wheelie auf der Gegengeraden die Kontrolle über sein Motorrad und stürzte – ein Moment, der für verdutzte Gesichter sorgte. Ex-Superbike-Weltmeister Neil Hodgson beschrieb die Szene bei TNT Sports Schritt für Schritt und veranschaulichte die Verkettung unglücklicher Ereignisse.
Hodgson analysierte zunächst die Ausgangssituation des missglückten Jubel-Manövers: «Er warf seine Flagge weg und entschied sich dann, einen Wheelie zu machen. Doch das war kein guter Wheelie. Das Vorderrad war ziemlich niedrig.»
Entscheidend sei dabei die Fahrtechnik gewesen: «Einen Wheelie, bei dem das Vorderrad niedrig ist, kann man nur aufrechterhalten, indem man durch die Gänge beschleunigt. Und dadurch wird man sehr schnell.»
Aus einem schlechten Wheelie wurde ein 190-km/h-Sturz
Genau das wurde Martin zum Verhängnis. Hodgson schildert den Ablauf detailliert: «Er schaltete vom zweiten bis in den vierten Gang, beschleunigte also von etwa 50 km/h auf 190 km/h. Da er den Wheelie aus so niedriger Geschwindigkeit startete, drehte sich sein Vorderrad sehr langsam.» Damit war die Grundlage für den späteren Sturz bereits gelegt, wie Martin später gestand. Er war sich bewusst, dass es kritisch wird, wenn das Vorderrad wieder aufsetzt.
Während des Wheelies stoppte das Vorderrad praktisch komplett, gleichzeitig befand sich das Motorrad in einer ungünstigen Position. «Das Motorrad hatte einen seltsamen Winkel, sein Vorderrad war zudem eingeschlagen. Wenn ein eingeschlagenes Vorderrad, das sich nicht dreht, auf den Boden aufsetzt, dann resultiert das in einem Sturz – und er sagte bereits, dass ihm das bewusst war. Er wusste, was passiert.»
Als das Vorderrad schließlich wieder den Asphalt berührte, gab es keine Chance mehr, die Situation zu retten. «Beim Aufsetzen des Vorderrads sah man sofort Rauch. Das Motorrad bog bereits ab», beschrieb Hodgson die entscheidenden Sekunden und zeigte Mitgefühl: «Armer Jorge Martin, er gewann das Rennen und einen Augenblick später lag er auf dem Asphalt.»
So wurde aus einem Triumph innerhalb weniger Sekunden ein bitteres Missgeschick – glücklicherweise blieb Martin trotz der hohen Geschwindigkeit unverletzt und konnte einen Tag später die vollen 20 Runden ohne Einschränkungen bestreiten. Er verließ Austin als WM-Zweiter, nur vier Punkte hinter Teamkollege Marco Bezzecchi.
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