Johann Zarco (LCR Honda) vor Comeback in Aragon: «Ich bin süchtig!»
Gut drei Monate nach dem schweren Startunfall von Barcelona sitzt Johann Zarco im MotorLand Aragon wieder auf der Honda. Der MotoGP-Pilot sprach über seine Zwangspause und seine Zukunftspläne.
Die Erleichterung bei LCR Honda ist groß: Johann Zarco ist zurück. Am 17. Mai hatte sich der Franzose beim zweiten Start des Katalonien-GP in Kurve 1 mit dem linken Bein in der Ducati von Francesco Bagnaia verhakt und wurde wie eine Puppe durchs Kiesbett geschleudert. Die Bilanz: Schäden an beiden Kreuzbändern, eine Innenmeniskus-Verletzung, ein Bruch am Wadenbein. Weil tiefe Verbrennungen eine Operation verhinderten, setzte man auf konservative Therapie. «Schön, zurück zu sein», teilte der überglückliche Franzose am Donnerstag seine Freude mit. «Es war schön, die schnelle Verbesserung zu sehen. Sie war schneller, als ich es erwarten konnte.»
Zarcos Knie nach dem Barcelona-Crash: Reha schneller als erwartet
Der entscheidende Test war die Rückkehr auf das Motorrad – zunächst auf einer Supermoto, später auf einer Superbike-Honda. «Das wurde Schritt für Schritt zu einer guten Bestätigung, dass ich in Aragon zurückkommen kann – ohne jeden Druck», so der 36-Jährige. Das Gefühl im linken Bein sei gut, der Weg zu 100 Prozent brauche aber Zeit. Er setzt dabei einen besonderen Maßstab an: «Ich bin kein Fußballer und kein Skifahrer. Als Motorrad-Rennfahrer ist der Zustand, den ich habe, mehr als genug, um wieder zu fahren.»
Dass Zarco nur drei Monate benötigte, um wieder auf einem MotoGP-Bike zu sitzen, hätte man angesichts der Schwere der Verletzungen kaum gedacht. «Zum Glück war die Pause nur drei Monate lang – lang, aber nicht lange genug, um all die Fähigkeiten zu verlieren, die ich habe. Es wird nicht schwierig sein, es wird ein Vergnügen. Ich bin süchtig nach Geschwindigkeit!»
Familie, Kopf und Honda: Was die Zwangspause veränderte
Mental sei die Auszeit leichter gewesen als befürchtet. «Seit 17 Jahren fahre ich Rennen, und seit 2008 hatte ich nie einen Monat zu Hause bei der Familie», erzählte Zarco über seine Zeit, die sich rund um Training und Reha drehte. «Mein Kopf war so beschäftigt, dass ich nie Zeit hatte, zu sagen, dass ich mich schlecht fühle oder die Welt vermissen würde.»
Eine wichtige Erkenntnis nimmt er mit, ausgelöst durch die Not der HRC-Kollegen. «Als ich die Honda-Jungs kämpfen sah, habe ich diesen Moment nicht vermisst. Ich träume noch und will Rennen fahren, um großartige Ergebnisse zu holen.» In der WM-Wertung liegt er trotz der Verletzungspause auf Rang 17 mit 34 Punkten – vor Joan Mir, Maverick Vinales und drei Yamaha-Stammfahrern. Ein Wermutstropfen bleibt: Zarco galt als Verursacher des Startunfalls in Barcelona, weshalb er im ersten Grand Prix nach seiner Rückkehr eine doppelte Long-lap absolvieren muss.
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