Der «Privatfahrer» Jon Ekerold feierte seinen 80. Geburtstag
Im Trubel des Tagesgeschäfts ist uns ein wichtiger runder Geburtstag durchgegangen – der 80. von Jon Ekerold. Wir bitten dies zu entschuldigen und möchten dem Jubilar nachträglich gratulieren.
Jon Ekerold war ein stets extrem risikobereiter, allerdings auch oft verletzter Rennfahrer, doch 1980 passte beim am 8. Oktober 1946 in Südafrika geborenen und seit vielen Jahren in Deutschland lebenden Norweger alles zusammen. Im Kampf um die Krone in der 350-ccm-Weltmeisterschaft bezwang der Draufgänger Toni Mang.
Jonathan «Jon» Ekerold wurde in Johannesburg als Sohn eines norwegischen Einwanderers geboren. Zeit seines Lebens und bis heute ist er norwegischer Staatsbürger, wurde aber auf Grund seines Wohnorts und seiner Rennfahrerlizenz in offiziellen Ergebnislisten und Statistiken stets als Südafrikaner geführt.
Mit 16 Jahren verließ er während des Geschichtsunterrichts die Schule für immer, um zu arbeiten und sein eigenes Geld zu verdienen. Das hatte nur einen Grund: Sich seinen Traum zu erfüllen und Rennfahrer zu werden. 1968 war es so weit, dass er das verdiente Geld in seine erste 50-ccm-Rennmaschine investierte und so seine ersten Rennen bestreiten konnte. Bald musste jedoch eine leistungsstärkere Yamaha 250 YDS her.
1975 kam Ekerold als bereits 28-Jähriger nach Europa. Nach zwei kleineren Rennen – beim zweiten im französischen Magny-Cours zog er sich eine schwere Handverletzung zu – bestritt er auf dem Salzburgring als Nachrücker ohne Vorab-Nennbestätigung seinen ersten Grand Prix. Im Rennen der 350-ccm-Klasse konnte er auf Anhieb Zweiter werden und erledigte somit bei seinem Debüt seine ersten WM-Punkte sowie sein erstes GP-Podest in einem Abwasch. Im niederländischen Assen holte er in jenem Jahr als Zehnter einen weiteren WM-Punkt, sodass er mit deren 13 auf WM-Endrang 16 geführt wird.
Auch im darauffolgenden Jahr blieb es für den Privatfahrer bei einzelnen Grand-Prix-Rennen. Wenn er am Start war, ließ er es aber erneut krachen, wie zum Beispiel auf dem Nürburgring (damals noch inklusive der Nordschleife), wo er bei den 250ern als Dritter erneut aufs Podest fuhr und mit diesen zehn ergatterten WM-Punkten auf dem 15. Platz der Abschlusstabelle landete.
In der 350-ccm-Klasse schaffte er es nur im finnischen Imatra als Siebenter in die Punkte. Ebenso beim letzten zur Motorrad-Weltmeisterschaft zählenden Rennen auf der britischen Isle of Man. Dort wurde er im Rennen gegen die Uhr der Halbliterklasse Sechster.
1977 brachte Jon Ekerold mehr Konstanz in seine Bestrebungen und Ergebnisse. Im französischen Le Castellet feierte er bei den 250ern seinen ersten GP-Sieg und wurde mit einem weiteren Podestplatz (Dritter im schwedischen Anderstorp) sowie vier weiteren Fahrten in die Punkteränge unmittelbar hinter seinen Landsleuten Kork Ballington und Alan North WM-Achter. Sogar WM-Dritter wurde er in der 350er-Klasse, wenngleich ohne Sieg, dafür aber mit drei Podestplätzen.
Auch 1978 war für ihn ein recht gutes Jahr. In der Klasse bis 250 ccm wurde er ohne Podestplatz dafür sieben Mal in den Top-10 WM-Achter und bei den 350ern schaffte er es hinter den übermächtigen Kawasaki-Werksfahrern mit Kork Ballington und Gregg Hansford aus Australien im französischen Nogaro als Dritter aufs Podest. Ebenso in Assen hinter Kork Ballington und seinem italienischen Yamaha-Privatfahrer-Kollegen Gianfranco Bonera. Zudem fuhr er sechs Mal in die Punkte, verpasste das Jahrespodest aber dennoch als WM-Vierter.
1979 gelang ihm bei den 250ern nicht viel. Lediglich in Hockenheim gab es für ihn nach Platz 4 etwas Zählbares. Anders in der 350-ccm-Klasse, in der ihm nach Platz 2 auf dem Salzburgring hinter Kork Ballington im badischen Motodrom sein zweiter GP-Triumph (vor Toni Mang) gelang. Vor allem dank dieser zwei Platzierungen wurde er wieder WM-Achter.
1980 konzentrierte er sich mit dem deutschen Solitude-Team auf die 350-ccm-Klasse und wurde zum ärgsten Widersacher von Toni Mang. Nur sechs WM-Läufe standen für diese auf dem Programm, von denen Johnny Cecotto den ersten und danach Jon Ekerold und Toni Mang je zwei gewannen. Beim Rennsport-Südafrikaner war das in Le Castellet in Frankreich sowie in Assen, Toni Mang hatte im britischen Silverstone und im tschechoslowakischen Brno die Nase vorn. Damit ging es zwischen den beiden beim Finallauf für die Saison sowie dem finalen Motorrad-WM-Lauf auf der nicht ganz ungefährlichen und umstrittenen Nürburgring-Nordschleife um den Titel. Nach einem beinharten Duell der zwei Kontrahenten über nur sechs Runden (137,100 Kilometer) gewann diesen Jon Ekerold mit einem knappen Sieg auf einer privaten Bimota-Yamaha.
Da Kork Ballington als 350er-Weltmeister von 1979 zum Start ins nächste Jahrzehnt neben der 250er- die neue 500er-Werks-Kawasaki pilotierte, war die Startnummer 1 1980 im Prinzip frei. Jon Ekerold probierte diese vorsorglich schon mal aus, doch 1981 gehörte ihm diese nun regulär.
Wieder konzentrierte er sich auf die 350-ccm-Klasse und erneut lief alles auf ein Duell Jon Ekerold gegen Toni Mang hinaus. Wenngleich Jon Ekerold in der ersten Saisonhälfte in Buenos Aires und im italienischen Monza zwei weitere Grand-Prix-Siege einfahren konnte, war vor allem in der zweiten Jahreshälfte gegen den von Kawasaki unterstützen Toni Mang kein Kraut mehr gewachsen. Immerhin wurde er hinter dem Bayern Vize-Weltmeister und wechselte dann in die 500-ccm-Klasse zu Cagiva, wo er allerdings kaum Erfolge hatte. Lediglich beim Saison-Halali in Hockenheim schaffte er es als Zehnter einmal in die Punkte.
Nicht einmal ansatzweise gelang ihm 1983 Ähnliches, woraufhin Jon Ekerold den Helm an den Nagel hängte und dauerhaft nach Südafrika zurückkehrte. Erst 1996 wurde er in Deutschland sesshaft. Von seinen 56 Grands Prix beendete er 19 auf einem Podestrang, davon wiederum sieben als Sieger.
Untätig war er damals wie auch später nicht. Mit seinen zwei Frauen, einer Südafrikanerin und einer Deutschen, zeugte Jon Ekerold sechs Söhne, mit jeder deren drei, die teilweise ebenfalls im Motorsport landeten. Sein ältester Sohn Gary ist Renndirektor beim Formel-E-Team Jaguar TCS Racing. Jonny landete wie er beim Straßenrennsport und Anthony wurde Springreiter. Seine deutschen Söhne Stefan, Bernhard und Roland fuhren bzw. fahren noch allesamt Motocross.
Nachdem er viele Jahre nach seiner aktiven Laufbahn seine Erlebnisse und sein aufregendes Leben in einem Buch «Jon Ekerold – The Privateer» niedergeschrieben hatte, folgte 2023 die deutsche Version mit dem leicht zu erahnenden Titel «Jon Ekerold – der Privatfahrer». Von diesem sind inzwischen allerdings nur noch wenige Exemplare verfügbar.
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