Schlupf auf den Geraden: Toprak Razgatlioglu versteht die Welt nicht mehr
Pramac-Yamaha-Rookie Toprak Razgatlioglu kämpfte am ersten MotoGP-Testtag in Buriram mit Reifen, Ergonomie und massivem Schlupf – und sieht Yamaha aktuell klar im Hintertreffen.
Der
Entsprechend groß ist der Lernbedarf, zumal ihn vor allem der starke Schlupf auf den Geraden irritiert – ein Verhalten, das er aus der Superbike-WM so nicht kennt, wo die Motorräder allerdings auch rund 70 bis 80 PS weniger leisten.
Michelin-Hinterreifen bereitet Razgatlioglu große Probleme
«Ich versuche, mich an diese Strecke anzupassen. Das letzte Mal bin ich hier 2019 mit dem Superbike gefahren. Der größte Unterschied ist nicht nur das Motorrad, sondern auch die Reifen», erklärte Razgatlioglu nach dem ersten Testtag in Thailand.
«Ich versuche noch immer, die Michelin-Reifen zu verstehen. Die anderen Fahrer kennen das natürlich. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebe ich, dass das Motorrad auf der Geraden durchdreht», staunte Razgatlioglu. «Das ist sehr seltsam für mich. Aber ich versuche mich einfach anzupassen.»
Der Türke stellte klar, dass am Samstag nicht die Zeiten im Mittelpunkt standen: «Heute haben wir eine Sprintsimulation probiert und auf eine Zeitenjagd verzichtet. Wir konzentrieren uns Kurve für Kurve darauf, uns zu verbessern. Morgen folgt wieder eine Rennsimulation, danach greifen wir die Rundenzeiten an. Jack (Miller) hat heute sehr gute Arbeit geleistet, besonders auf eine Runde. Ich hoffe, dass wir morgen eine ähnliche Rundenzeit schaffen.»
Ergonomie: Lenkerposition fix, Sitzeinheit noch nicht
Auch bei der Ergonomie sind noch Fragen offen. Eine endgültige Sitzposition ist noch nicht gefunden, während sich bei den Lenkerstummeln eine klare Richtung abzeichnet. «Beim Lenker bin ich jetzt wieder zurückgegangen, aber beim Sitz bin ich mir noch nicht sicher. Morgen werde ich eine höhere und eine niedrigere Sitzposition testen.»
Der größte Fortschritt sei bislang nicht beim Fahrstil, sondern beim generellen Verständnis für das MotoGP-Bike zu erkennen – auch wenn vor allem die Reifen weiterhin Kopfzerbrechen bereiten. «Das Motorrad wird jeden Tag besser, aber das größte Problem sind die Reifen. In Sepang war das Reifenmanagement schon schwierig, hier in Buriram wieder. Ich verstehe die Reifen noch nicht. Die Pirelli-Reifen verstand ich perfekt, doch Michelin ist komplett anders. Nach so vielen Jahren Superbike ist das nicht einfach, aber ich versuche mich so schnell wie möglich anzupassen.»
Besonders der Hinterreifen stellt Razgatlioglu vor Herausforderungen. «Der Vorderreifen ist inzwischen okay, ich spüre ihn. Aber der Hinterreifen ist das größte Problem. Beim Bremsen ist alles perfekt, doch ich bringe das Motorrad nicht in so tiefe Schräglagen wie die anderen Fahrer. Und wenn der Hinterreifen einmal durchdreht, hört das nicht mehr auf – das ist sehr seltsam.»
Auf Strecken mit weniger Grip verstärke sich dieser Effekt zusätzlich: «Mit einem neuen Reifen ist es am Anfang noch in Ordnung. Aber nach ein paar Runden lässt die Performance nach und auf der Geraden beginnt das Motorrad durchzudrehen – das ist wirklich ungewöhnlich. Normalerweise passiert so etwas in Schräglage, nicht auf der Geraden.»
Angespannte Stimmung: Yamaha mit großem Rückstand
Auffällig sei zudem, dass Yamaha im Vergleich zu Honda, Ducati und Aprilia aktuell stärker mit Traktionsproblemen kämpft und insgesamt den schwächsten Eindruck der fünf Werke hinterlässt. «Ich sehe, dass die Honda, Ducati und Aprilia nicht so stark durchdrehen wie die Yamaha. Auch dort bewegt sich der Hinterreifen, weil sie Grip suchen. Yamaha geht jetzt einen anderen Weg, sie verbessern sich Schritt für Schritt. Das Projekt ist neu, vor allem beim Motor. Nach Sepang gab es schon kleine Fortschritte, jetzt fühle ich mich etwas besser auf dem Motorrad. Aber wir verlieren noch viel, besonders beim Grip. Ich glaube, wenn nicht hier, dann vielleicht beim nächsten Rennen, werden wir uns deutlich besser fühlen.»
Für zusätzliche Aufmerksamkeit im Yamaha-Lager sorgte zudem Werkspilot
Ergebnisse MotoGP Buriram-Test, Tag 1:
Pos.
Fahrer
Hersteller
Zeiten
1.
Alex Marquez (E)
Ducati
1:29,262 min
2.
Marc Marquez (E)
Ducati
+0,129 sec
3.
Franco Morbidelli (I)
Ducati
+0,189
4.
Marco Bezzecchi (I)
Aprilia
+0,200
5.
Johann Zarco (F)
Honda
+0,205
6.
Raul Fernandez (E)
Aprilia
+0,224
7.
Joan Mir (E)
Honda
+0,232
8.
Maverick Vinales (E)
KTM
+0,278
9.
Fabio Di Giannantonio (I)
Ducati
+0,381
10.
Francesco Bagnaia (I)
Ducati
+0,416
11.
Brad Binder (ZA)
KTM
+0,495
12.
Luca Marini (I)
Honda
+0,512
13.
Jorge Martin (E)
Aprilia
+0,551
14.
Pedro Acosta (E)
KTM
+0,588
15.
Ai Ogura (J)
Aprilia
+0,690
16.
Enea Bastianini (I)
KTM
+0,891
17.
Jack Miller (AUS)
Yamaha
+1,063
18.
Fabio Quartararo (F)
Yamaha
+1,245
19.
Alex Rins (E)
Yamaha
+1,250
20.
Diogo Moreira (BR)
Honda
+1,691
21.
Toprak Razgatlioglu (TR)
Yamaha
+2,312
22.
Michele Pirro (I)
Ducati
+3,348
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