Senna Agius über MotoGP-Chance: «Tech3-KTM hält alle Karten in der Hand»
Senna Agius überzeugt in der Moto2 und kommt als WM-Dritter zum IntactGP-Heimspiel. Vor dem Sachsenring-GP sprach der Australier exklusiv über seine Entwicklung und die MotoGP-Chancen.
Als WM-Dritter der Moto2 reist Senna Agius selbstbewusst zum Heimrennen seines IntactGP-Teams auf den Sachsenring. Der 21-jährige Australier zählt zu den größten Überraschungen der laufenden Saison und gilt als aussichtsreicher Kandidat für den MotoGP-Aufstieg zu Tech3-KTM im Jahr 2027.
Im exklusiven Vieraugengespräch mit SPEEDWEEK.com äußerte sich Agius im Fahrerlager des Sachsenrings über seine sportliche Entwicklung, den Stand der Verhandlungen und weshalb ihm seine Nationalität im Kampf um den Aufstieg aus seiner Sicht keinen Vorteil verschafft.
Agius behauptet sich gegen zukünftige MotoGP-Piloten
In seiner dritten kompletten Moto2-WM-Saison hat Agius den Schritt vom schnellen Talent zum konstanten Spitzenfahrer geschafft. Er duelliert sich gegen Supertalente wie David Alonso und MotoGP-Aufsteiger Daniel Holgado.
«Ja, ich bin wirklich glücklich mit meiner Entwicklung und meiner Reife in diesem Jahr. Gemeinsam haben wir einen großen Schritt gemacht – auch was die Professionalität in der Box und unsere Arbeitsweise angeht. Wir haben uns definitiv auf ein neues Niveau gehoben, und das zeigt sich in der Konstanz unserer Ergebnisse», erklärte der IntactGP-Pilot.
Den Schlüssel sieht Agius vor allem in seiner veränderten Herangehensweise. «Mein Motto in der Box lautet dieses Jahr ganz einfach: Einfaches Racing ist schnelles Racing. Wir machen einfach unsere Arbeit, konzentrieren uns auf uns selbst und bleiben ruhig. Das ist der Schlüssel.»
Vor allem mental fühlt sich der Australier deutlich gereifter als noch in den vergangenen Jahren. «Dieses Jahr bin ich im Kopf deutlich stabiler geworden – in Drucksituationen und in schwierigen Momenten. Alles, was ein Profisportler braucht, um konstant an der Spitze zu sein. Ich habe in diesem Bereich einen großen Schritt gemacht und bin deshalb sehr zufrieden. Das ist der Unterschied in dieser Saison. Ausserdem bin ich erst 21 Jahre alt. Es ist mein drittes Jahr, ich sammle immer mehr Erfahrung – und das zeigt sich.»
Die MotoGP braucht einen Australier, aber...
Die starken Leistungen haben Agius in den Fokus mehrerer MotoGP-Verantwortlicher gerückt. Ein Wechsel zu Tech3-KTM gilt als realistische Option für 2027. Teamchef Günther Steiner beobachtet den Australier ebenso wie WM-Leader Manuel Gonzalez, während auch Luca Marini als Kandidat gehandelt wird.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Umstand, dass Australien mit Blick auf den geplanten MotoGP-Grand-Prix in Adelaide 2027 dringend einen Fahrer in der Königsklasse benötigt. Es deutet alles darauf hin, dass Jack Miller nach dieser Saison aus der MotoGP ausscheidet. Bei Pramac verliert er seinen Platz an Izan Guevara. Agius wäre dann der große Hoffnungsträger seines Landes. Einen Bonus erwartet er dadurch jedoch nicht.
«Nein, das hilft mir nicht. Natürlich wäre es gut für Australien und für alle Beteiligten, wenn das passieren würde. Aber das wird nicht der entscheidende Faktor dafür sein, ob ich die Chance bekomme oder nicht. Das hängt ausschließlich von meinen Leistungen auf der Strecke ab. Mehr zählt nicht. Es spielt keine Rolle, aus welchem Land ich komme», stellte Agius klar.
Gerade deshalb würde ihm ein möglicher MotoGP-Aufstieg besonders viel bedeuten. «Wenn ich nächstes Jahr in die MotoGP aufsteige, dann werde ich besonders stolz sein, weil ich weiß, dass ich mir diese Chance verdient habe. Weil ich die Arbeit dafür geleistet habe. Für Australien wäre es wichtig, wieder einen Fahrer im Starterfeld zu haben. Aber im Moment bringt mir das persönlich keinerlei zusätzliche Pluspunkte.»
Tech3 als einzige Chance: Günther Steiner hält die Trümpfe in der Hand
Am grundsätzlichen Stand der Verhandlungen hat sich nach Aussage des Australiers zuletzt wenig verändert. Auf die Frage, ob sich in den zurückliegenden Wochen getan habe, antwortete Agius knapp: «Ich glaube nicht.» Auch eine konkrete Entscheidung erwartet er derzeit nicht. «Nein», sagte er auf die Frage nach einer Deadline.
«Ich glaube, KTM und Günther wissen, dass sie praktisch die letzte verbliebene Option sind. Es gibt für uns keine andere Richtung mehr. Günther hat einmal gesagt: Wenn man der Letzte ist, hält man alle Karten in der Hand. Genau so ist es auch. Sie bestimmen den Zeitpunkt, und das ist völlig in Ordnung.»
Den dadurch entstehenden Druck blendet Agius bewusst aus. «Natürlich setzt uns das unter Druck und bringt viele Gedanken mit sich. Aber ich konzentriere mich komplett auf die Rennstrecke. Ich bin gerade in einer wirklich guten Phase. Ich verstehe, dass sie in ihrer Situation abwarten müssen. Das respektiere ich und versuche einfach, mir mit meinen Leistungen die Chance zu verdienen, falls sie kommt.»
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