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SportwagenKolumne
Ford-Rennleiter Jochen Neerpasch: Als Porsche-Fahrer die Ford-WM verhindern
1968 ergab sich eine heute fast undenkbare Situation: Aus dem Porsche-Werksfahrer Jochen Neerpasch wurde der Ford-Rennchef Jochen Neerpasch. Das führte in der Marken-WM zu einer pikanten Situation.
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Porsche 1968 in Le MansPorsche 1968 in Le MansFoto: Porsche
Porsche 1968 in Le Mans© Porsche
Jochen Neerpasch gehörte 1968 zum erlauchten Kreis der Porsche-Werksmannschaft. Gemeinsam mit Vic Elford, Rolf Stommelen, Jo Siffert und Hans Herrmann gewann er am 4. Februar das 24-Stunden-Rennen in Daytona auf einem Porsche 907. Es war eine Triumph-Fahrt ohne gleichen – zum ersten Weltmeisterschafts-Laufsieg für einen Porsche!
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Wie zur Bestätigung gab es wenige Wochen später Platz 2 für Neerpasch (gemeinsam mit Vic Elford) beim 12-Stunden-Rennen in Sebring - die Saison ließ sich für Porsche verheißungsvoll an. Verheißungsvoll waren daher auch Neerpasch´s weitere Aussichten als Weltklasse-Rennfahrer. Aber die Geschicke des Rennsports wollten es anders. Vom Rennfahrer zum Rennleiter Kaum kehrte die Porsche-Werksmannschaft von dem erfolgreichen USA-Trip zurück, meldete sich Ford bei Neerpasch. Nicht zuletzt aufgrund der früheren Zusammenarbeit und Werkseinsätze war man an Neerpasch mit der Bitte um Tipps und Namen herangetreten, als man entschieden hatte, in Köln eine schlagkräftige Rennabteilung aufzubauen.
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Im Zuge derartiger Gespräche, und als der Konstrukt Konturen annahm, begann Neerpasch mehr und mehr, sich selbst für den Job zu interessieren. Schließlich bot man ihm die Aufgabe an mit der Zielsetzung, diese völlig neue Funktionseinheit zu formen und zu leiten.
Neerpasch schreibt in seiner Biografie „Denker und Lenker des Motorsports“: "Auf dem Höhepunkt meiner Rennfahrerkarriere war eine Entscheidung, den Rennsport als Fahrer aufzugeben, äußerst schwierig. Allerdings: Ford machte mir nicht zur Auflage, sofort mit der Rennfahrerei aufzuhören. Und Porsche bestand darauf, dass ich die Weltmeisterschafts-Saison 1968 noch zu Ende fahren solle.»
«Die Möglichkeit, eine Rennsport-Organisation für einen der größten Automobilhersteller der Welt aufzubauen, bekommt man nicht so oft! Auch die Aussicht, die technischen Erkenntnisse aus meiner Rennfahrer-Laufbahn mit in eine solch komplexe Aufgabenstellung einzubringen, hat mich sehr gereizt." Neerpasch hatte ein paar schlaflose Nächte. Seine analytische Art, Entscheidungen zu treffen, brachte eine klare Richtung hervor. Er sagte zu.
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Die Ausgangslage in der Markenweltmeisterschaft hatte sich inzwischen dergestalt zugespitzt, dass die Entscheidung, ob Porsche oder Ford gewinnt, beim letzten Rennen, den 24 Stunden in Le Mans fallen musste. Hieraus resultierte die delikate Situation, als sich Neerpasch in Le Mans hinters Lenkrad klemmte, um sein fahrerisches Können, seine Routine und Zuverlässigkeit dafür einzusetzen, dass Porsche – gegen Ford, seinen neuen Arbeitgeber – seinen ersten WM-Titel gewinnen könnte. Studenten-Unruhen in Frankreich Zu diesem dramatischen Showdown kam es so: Im Mai brachen in Paris die 68iger Studentenunruhen aus. Der normale Austragungstermin für die 24 Stunden von Le Mans Anfang Juni konnte daher nicht gehalten werden. Das Rennen wurde also im Herbst am 28./29. September ausgetragen und war somit das letzte und entscheidende Rennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft. Mit der Konsequenz, dass die Nächte länger werden und das Wetter schlechter. So war es denn auch. Übles Wetter, technische Probleme Für Neerpasch und seinen Co-Piloten Rolf Stommelen sollte es ein sehr schwieriges Rennen werden. In der Nacht herrschte starker Dauerregen, der das Vollgasfahren auf der langen Hunaudieres-Geraden wegen Aquaplaning fast unmöglich machte.
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Alle 908/8-Porsche hatten starke Motorvibrationen, welche die Lichtmaschine und deren Halterungen beschädigten. Die Keilriemen zum Antrieb der Lichtmaschinen sprangen ab. Um Mitternacht und am frühen Morgen Lichtmaschinenwechsel an die Box, Rückfall zeitweise bis auf den 25. Platz. Die ganze Nacht über ohne Scheibenwischer und mit Standlicht im starken Regen. Wenn das Auto ordentlich lief, waren die beiden voll dabei. Rolf Stommelen hat die schnellste Runde des Rennens gefahren. So war der dritte Platz im Gesamtklassement unter diesen Umständen ein wirklich gutes Ergebnis – während Pedro Rodríguez und Lucien Bianci im Ford GT 40 gewannen, somit Ford Weltmeister war. So hat Neerpasch als Porsche-Werksfahrer nicht verhindern können, dass sein neuer Arbeitgeber Ford die Weltmeisterschaft gewann – und seine Rennfahrer- Karriere mit dem wohl anspruchsvollsten Rennen seines Lebens beendet.
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