Im März 2024 machte BMW-Geschäftsführer Markus Flasch den möglichen MotoGP-Einstieg von BMW zum Thema, Ende Oktober 2025 ruderte er zurück und hielt fest, dass dieser mit den derzeitigen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht machbar ist. 2019 kehrte BMW werksseitig in die Superbike-WM zurück und spannte dafür mit dem Team Shaun Muir Racing (SMR) zusammen, der aktuelle Vertrag gilt noch dieses Jahr. Toprak Razgatlioglu hat mit seinen 39 Siegen und zwei Titeln in den vergangenen zwei Saisons maßgeblich dazu beigetragen, dass der Motorsport bei BMW inzwischen auch innerbetrieblich wohlwollender wahrgenommen wird. Doch ein Bekenntnis für die Weltmeisterschaft 2027 und darüber hinaus fehlt immer noch. «An diesem Thema sind wir sehr stark dran, das ist für uns entscheidend», betonte BMW Motorsport Direktor Sven Blusch im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com. «Wir haben extrem gepusht, um allen zu zeigen, was wir können. Der nächste Schritt muss sein, dass wir unsere Themen langfristig umsetzen können. Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, den Motorsport so zu etablieren, dass er in keiner Weise in Frage gestellt wird. Das war auch wichtig bei uns intern, dass jeder gemerkt hat, dass das unser Team ist. Die meisten bei uns sind sportbegeistert und haben ihr Fußball- oder Handballteam. Und wenn du bei BMW arbeitest, dann haben wir auch ein Team: Das gibt es auf der Auto- und der Motorradseite.» «In den vergangenen zwei Jahren haben wir gemerkt, dass dieses Teamgefühl auch auf der Motorradseite richtig hochgekommen ist», freute sich der Norddeutsche. «Natürlich ist Erfolg ein Thema, das dabei hilft. Aber wir sind ja auch in vielen anderen Serien unterwegs. Mir ist wichtig, dass immer mehr aufgegriffen wird, dass wir nicht nur auf der Technikseite gesehen werden, sondern dass auch wahrgenommen wird, wie wichtig wir für die Marke auf der Kommunikationsseite sind.» BMW: Motorsport ist wichtig für die Identifikation mit der Marke «Motorsport hat sich für die Hersteller wieder als Thema herauskristallisiert, das die Identifikation der Marke widerspiegeln kann», unterstrich Blusch. «Das ist etwas, das all die neuen Hersteller, die jetzt auf den Markt schwemmen, nicht haben. Deshalb ist der Motorsport für uns auch in der Zukunft so wichtig. Wir haben das Erbe und die Titel jetzt auch auf der Motorradseite. Wir haben auch dort Großes geleistet. Wenn jemand eine M RR kauft, dann weiß er, dass er das Weltmeistermotorrad kauft. Das können neue Hersteller noch nicht behaupten. Man muss noch sagen, weil auch sie sehen, dass man die Marke über den Motorsport pushen kann.» In der Vergangenheit war das sportliche Engagement bei BMW Motorrad davon abhängig, wie wohlwollend die Geschäftsleitung diesem gegenüberstand. Bluschs erklärtes Ziel: Den Motorsport in der DNA der Marke verankern. «Wenn sich Positionen verändern, ist immer die Gefahr da, dass sich etwas verändert», ist dem Rennchef bewusst. «Deshalb: Tue Gutes und sprich darüber. Wenn wir etwas erreichen, dann ist es entscheidend, dass unsere Marketing-, Kommunikations- und Presseabteilung das mitkriegt und auch einzuschätzen weiß, was beispielsweise die beiden Titel in der Superbike-WM für uns bedeuten. Toprak hatte bei seiner Verabschiedung auch einen Besuch im BMW-Hochhaus und den Handschlag mit Herrn Zipse (Vorstandsvorsitzender der BMW AG – der Autor). Dort hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam das Gespräch zu führen, wie wichtig Motorsport für uns in der Zukunft ist. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir zu ihm eingeladen wurden, und das zeigt uns auch, dass die Erfolge gesehen werden. Das hilft uns im Gesamtkontext im gesamten Unternehmen: Wenn wir eine langfristige Strategie angehen, dann gibt es immer mehr Unterstützer im Haus, auch auf hoher Ebene, die sehen, was wir tun. Und die sehen, wie wichtig das für die Marke ist.» Wenn wir eine langfristige Strategie angehen, dann gibt es immer mehr Unterstützer im Haus, auch auf hoher Ebene.BMW Motorsport Direktor Sven Blusch
Blusch abschließend: «Wir arbeiten Hand in Hand mit der Autoseite zusammen. Da haben wir etwas, das andere Hersteller nicht haben, dass wir diese zwei Bereiche abdecken können. Hoffentlich können wir in Zukunft da auch noch mehr gemeinsam machen. Der Rückhalt für Motorsport ist in den vergangenen drei oder vier Jahren wieder massiv gestiegen. Auf der M-Seite sieht man, dass die Zahlen extrem gut sind. Der Motorsport hat Auswirkungen auf die Verkaufszahlen, das sehen wir bei der M RR weltweit. Das ist der wichtigste Punkt. Du machst so etwas ja nicht nur, weil es dir Spaß macht, sondern es muss eins sein: Wo du Budget ausgibst, investierst du in etwas, das du hoffentlich für die Marke nutzen kannst.»