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Exklusiv: Leon Camier spricht über Red Bull Honda
Am 12. Oktober unterschrieb Leon Camier für die Superbike-WM 2018 einen Vertrag mit Red Bull Honda. Bis gestern arbeitete er für MV Agusta, SPEEDWEEK.com bekam das erste Interview zum neuen Arbeitgeber.
Superbike WM
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2009 wurde Leon Camier mit Airwaves Yamaha Britischer Superbike-Meister und wechselte für das Jahr darauf in die Weltmeisterschaft. Im Aprilia-Werksteam hatte er zwar eines der besten Motorräder, aber damals war das ganze Team auf Max Biaggi ausgerichtet. Der Engländer war im rein italienischen Team 2010/2011 nicht viel mehr als die Notwendigkeit des zweiten Fahrers, holte aber immerhin sieben Podestplätze.
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2012/2013 konnte er mit der altersschwachen Suzuki aus dem Crescent-Team zweimal auf Rang 3 brausen, nach den WM-Rängen 12 und 7 bei Aprilia wurde er auf der GSX-R1000 WM-14. und -11. 2014 hielt sich Camier als Wanderarbeiter in SBK, MotoGP und IDM über Wasser, nachdem er von IodaRacing für die MotoGP- und von Crescent für die Superbike-WM trotz vorheriger mündlicher Zusage eine sehr späte Absage erhielt – und alle anderen Teams dann bereits besetzt waren. Richtig aufblühen konnte Camier erst, als er 2015 zu MV Agusta kam. Das Team ist zwar seit Jahren unterfinanziert und dem Mutterhaus drohte schon mehr als einmal die Insolvenz. Aber als Andrea Quadranti 2016 die Fäden in die Hand nahm, ging es mit der inzwischen vom Know-how sehr gut aufgestellten Truppe aufwärts. Camier fuhr in drei Jahren sechs Mal auf Platz 4 und 22 Mal in die Top-7. Als David gegen gleich mehrere Goliaths.
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Dieses Jahr beendete er die WM als zweitbester Privatier auf Gesamtrang 8.
Nach dem Tod von Nicky Hayden vergangenen Mai, stand Camier von Anfang an auf der Wunschliste von Honda ganz oben, seiner Verpflichtung wurden alle anderen Fahrerverhandlungen untergeordnet. Das hat zur Folge, dass das Team noch immer keinen zweiten Piloten für 2018 hat.
Nach der katastrophalen Saison 2017, Stefan Bradl sorgte mit Rang 6 in Assen für das beste Resultat, stehen die Spitzenfahrer bei Honda nicht Schlange. Als Angestellter von MV Agusta durfte Camier nach seiner Vertragsunterzeichnung am 12. Oktober nicht über den Honda-Vertrag reden. Seit heute ist ihm das erlaubt, das erste Interview gab der 31-Jährige SPEEDWEEK.com.
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Leon, du hattest einige Angebote: Weshalb hast du dich für Red Bull Honda entschieden? Das war keine einfache Entscheidung, momentan ist die Honda nicht konkurrenzfähig. Für MV Agusta gibt es einige Strecken, auf denen das Motorrad wirklich gut ist. Und das wird nächstes Jahr noch besser. Ich weiß auch, welches Potenzial in diesem Motorrad steckt. Wenn alles hielt, konnte ich ein gutes Wochenende haben. Wir hatten dieses Jahr aber einige Probleme. Um aber wirklich in der Meisterschaft vorwärts zu kommen, sehe ich bei Honda größeres Potenzial.
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Wieso bist du dir sicher, dass Honda nächstes Jahr deutlich besser sein wird? Honda hat viele große Änderungen auf den Weg gebracht, das Team wird umstrukturiert, sie wechseln auf die Elektronik von Magneti Marelli. Das machen sie nicht ohne Grund, sie wollen nicht da weitermachen, wo sie jetzt sind. Hätten sie alles wie dieses Jahr belassen, hätte ich nicht mal die Idee dorthin zu wechseln in Betracht gezogen. Schau dir an, wo sie vor zwei Jahren standen. Okay, damals hatten sie ein anderes Motorrad. Mit diesem waren sie in der Lage, mehr oder weniger regelmäßig aufs Podium zu fahren. Wenn alles gut lief, gewannen sie sogar.
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Das neue Motorrad in der WM ist nicht gut. Aber es funktioniert in der Japanischen Meisterschaft und beim Suzuka Eight Hours. Du denkst also auch, Elektronikpartner Cosworth ist das Problem? Ich weiß es nicht, schwer zu sagen. Ich habe mit Davide Giugliano gesprochen, er meinte, die Elektronik sei nicht so schlecht.
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Was ich auf der Strecke gesehen habe – sie kann nicht so schlecht sein. Noch vor zwei Jahren gewannen sie Rennen und standen auf dem Podium. Honda hat jetzt einen Elektroniker verpflichtet, mit dem ich dieses Jahr bei MV Agusta gearbeitet habe, der ist sehr gut. Alles, was Honda auf den Weg gebracht hat, geht in die richtige Richtung. Jetzt müssen wir daran arbeiten. Ich kann aber noch nicht sagen, wie schnell wir Fortschritte erzielen werden. Das war eine meiner ersten Fragen, die ich ihnen gestellt habe. Haben Nicky Hayden und Stefan Bradl in dieser Saison das Maximum aus dem Motorrad geholt?
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Zu Beginn des Jahres war Nicky im Speziellen unfassbar stark. Dafür, dass sie das Motorrad erst kurz vor Australien erhielten. Ich hatte in Thailand ein wirklich starkes Rennen und fuhr vor meinem Ausfall auf Platz 6. Unser Chassis funktionierte gut, unser Motorrad zeigte alles, was es kann – und Nicky hing mir am Hintern. Da wurde mir klar, dass Potenzial in diesem Motorrad steckt. Sie hatten auf einigen Strecken Probleme, ich sah aber einen Funken Hoffnung. Viele glauben, dass die Saison für Honda anders verlaufen wäre, hätte Nicky uns nicht verlassen. Er war ein guter Entwicklungsfahrer, der genau wusste, was das Team am Motorrad verbessern muss.
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Nicky ist nicht umsonst eine Legende. Ich habe ihn nicht wirklich gekannt, bevor er in die Superbike-WM kam. Was mich dann am meisten überrascht hat, war seine Motivation. Er war extrem motiviert und drängte vom ersten Test an auf mehr Runden, mehr Tests, er schaute, dass Dinge umgesetzt wurden. Er übte immer erst Kritik an sich, falls ihm ein Fehler unterlief oder die Abstimmung nicht richtig war. Ich bin mir sicher, dass es mit ihm große Verbesserungen gegeben hätte.
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Honda spricht sehr löblich über deine Motivation: Du gibst nie auf, auch nach zahlreichen Ausfällen mit MV Agusta bist du nie ausfällig geworden oder hast für unschöne Bilder im Fernsehen gesorgt. Man gewöhnt sich an Probleme, auch wenn es dumm klingt. Man muss motiviert sein. Wo bringt es dich hin, wenn du dich wie eine Primadonna aufführst? Egal in was, man muss immer maximal kämpfen, wenn man es zu etwas bringen will. Ich arbeite gerne so hart ich kann – so lange ich sehe, dass es Fortschritte gibt. Und das Team genauso hart arbeitet wie ich. Dann ist Motivation nie eine Frage.
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Das hat es mir bei MV Agusta leichter gemacht. Wir hatten Probleme, das Team hat aber extrem hart gearbeitet – mit null Geld. Mit diesen Leuten gearbeitet zu haben, ist mir eine Ehre. Wegen ihnen wurde vieles besser. Wie lange läuft dein Vertrag mit Honda? Ein Jahr, mit einer Option auf Teamseite für ein zweites Jahr. Warum gehst du das Risiko eines Ein-Jahres-Vertrags ein?
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Ich hätte gerne einen längeren Vertrag gemacht. Honda Japan wollte aber nur ein Jahr, weil sie mich nicht kennen. Sie haben die Befürchtung, dass ich eine schlechte Saison habe, oder es Vorfälle gibt, oder ich mich in den Medien negativ äußere. Sie fühlten sich nicht wohl dabei, mir gleich einen Zwei-Jahres-Vertrag zu geben.
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