Toto Wolff (Mercedes) zu Teamorder: «Untereinander keine Zeit verlieren»
Mercedes führt, aber Ferrari und Red Bull Racing lauern. Kommt jetzt die Teamorder? Teamchef Toto Wolff erklärt, wie’s laufen soll. Er betont: «Wir würden keinem Fahrer jemals einen Sieg wegnehmen.»
Mercedes führt die Konstrukteurs-Wertung nach zehn Rennwochenenden mit 73 Punkten Vorsprung auf Ferrari an. Solide, aber in Anbetracht der vielen noch offenen Rennwochenenden alles andere als sicher. In der Fahrer-Wertung hat sich sogar ein alter Bekannter zwischen die beiden Mercedes-Piloten geschoben: Ex-Silberpfeil Lewis Hamilton (jetzt Ferrari) ist Zweiter hinter Kimi Antonelli und vor George Russell. Hamilton hat fünf Punkte Vorsprung vor Russell. Antonelli liegt deutlich vor beiden (50 bzw. 45 Punkte).
George Russell fiel in Spa mit einem Problem an der Batterie und darauffolgender Kollision mit Lewis Hamilton aus, bekam also gar nicht erst die Chance, sich WM-Platz 2 zurückzuholen und Boden auf seinen Teamkollegen gutzumachen. Entsprechend ist der Abstand groß, Russell tut sich zuletzt schwer, es läuft wie verhext gegen den Briten. Gibt Mercedes nun künftig Antonelli den Vorzug, um die beiden WM-Führungen gegen die auftrumpfenden Ferrari abzusichern?
Toto Wolff: Lehren aus Barcelona
Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte dazu nach dem Rennen in Spa: «Nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben – also in Barcelona, wo wir so viel Zeit verloren haben –, haben wir uns das Ziel gesetzt, dass wir untereinander keine Zeit verlieren. Wir wollen kein Jo-Jo-Racing, bei dem uns dann ein Ferrari oder ein Red Bull im Nacken sitzt und wir den Sieg verlieren, wie es in Barcelona passiert ist.» Jo-Jo-Racing, angelehnt an das Kinderspielzeug, beschreibt das ständige Hin und Her, oder bildlich gesprochen Auf und Ab, in Duellen auf der Strecke, das durch das Energiemanagement des aktuellen Reglements entsteht, wenn die Autos Energie aufladen und freisetzen und die Fahrer entsprechend vorbeiziehen oder zurückfallen. Das kostet Reifen und Zeit und kann im Zweifelsfall auch mit einem teaminternen Unfall mächtig in die Hose gehen. Entsprechend wollen die Teams das zwischen den Stallgefährten natürlich vermeiden.
Wolff behauptet zu Barcelona: «Ohne den Ausfall hätte Kimi das Rennen gewonnen.» Am Ende siegte aber Lewis Hamilton, nachdem Antonelli mit einem Schaden an der Antriebseinheit ausfiel.
Rennsieg hat Vorrang
Wolff zur Stallorder: «Seit Barcelona würden wir also auf jeden Fall immer dem Rennsieg den Vorrang geben. Und wenn das bedeuten würde, dass Kimi oder George vorne liegen, würden wir genau das tun. Es ist ebenso sehr eine Konstrukteurs-WM wie eine Fahrer-WM. Wir würden keinem der beiden Fahrer jemals einen Sieg wegnehmen. Wenn also George vorne liegt, würden wir das nicht tun, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt der Saison in der Meisterschaft zurückliegt.»
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