Hunter Lawrence und HRC: Respekt für Ken Roczen und seinen Titelgewinn
Neben dem emotionalen Champion Ken Roczen gab es in Salt Lake City auch einen bitter enttäuschten Verlierer. Hunter Lawrence ist in dieser Saison über sich hinausgewachsen, aber zu oft gestürzt.
Schon vor dem
Erstes Red Plate für Hunter Lawrence
Als Hunter nach der 5. Meisterschaftsrunde in Glendale die Tabellenführung übernahm, hatte er noch kein einziges Finale gewonnen. Erst nach seinem ersten Sieg in Arlington schien der Knoten geplatzt zu sein. Hunter verstand, dass er in der Lage war, aus eigener Kraft einen Sieg einzufahren und aus dem Schatten von Jett herauszutreten. Es folgten weitere Siege in Indianapolis und Birmingham, Meisterschaftsrunden 9 und 10, gefolgt vom Desaster von Detroit, wo er am Ende der Whoops stürzte und dabei seine Vorderradbremse komplett demolierte.
Detroit: Rückschlag im unpassendsten Moment
Roczen gewann die 11. Meisterschaftsrunde in Detroit, während Hunter nach seinem Crash auf Platz 18 nur 4 Punkte einfahren konnte. Ken Roczen verkürzte seinen Rückstand mit einem Schlag von 31 auf 10 Punkte gegenüber Lawrence, der seinerseits in der Tabelle wieder auf Platz 2 zurückfiel und Eli Tomac (KTM) den Vortritt lassen musste.
Ken Roczen in St. Louis unschlagbar
Roczen wittere in dieser Phase seine Chance. In St. Louis, Meisterschaftsrunde 12, war der Deutsche unschlagbar. Er gewann souverän und verkürzte seinen Rückstand zu Lawrence und Tomac auf 5 Punkte. Doch schon beim nächsten Rennen in Nashville, Meisterschaftsrunde 13, schlug Hunter zurück, während Ken Roczen auf Platz 2 liegend stürzte und sein Motorrad nicht schnell genug wieder per Kickstarter in Gang setzen konnte. Dennoch war Platz 3 von Roczen mehr als nur Schadensbegrenzung, denn Eli Tomac erwischte es mit seinem heftigen Abflug noch heftiger.
Ken Roczen gewinnt Triple Crown
Mit seinem Sieg beim Triple Crown Event in Cleveland, Meisterschaftsrunde 14, rückte Ken Roczen bis auf einen Punkt an Spitzenreiter Hunter Lawrence heran. Lawrence gewann den ersten Lauf auf im Regen, stürzte aber im dritten Finale in den Whoops und fiel damit auf Platz 15 zurück.
Philadelphia: Red Plate geht an Roczen
Ken Roczen gewann im Schlamm von Philadelphia (Meisterschaftsrunde 15) und übernahm damit erstmals in der Saison die Tabellenführung. Hunter gewann das vorletzte Rennen in Denver und kam damit wieder bis auf einen Punkt an Leader Roczen heran. Die Titelentscheidung musste im allerletzten Rennen der Saison fallen.
Salt Lake City: Mentaler Vorteil für Hunter Lawrence
In Salt Lake City lief es für Hunter Lawrence bis zum Vorlauf nach Plan. Er gewann das Heatrace, während Roczen auf Platz 2 liegend stürzte. Im Finale kam es schließlich zum großen Showdown der Giganten. Roczen attackierte Lawrence in der ersten Runde und ging in Führung, doch der Australier ließ sich nicht abschütteln. Nach der Hälfte des Rennens beging er seinen ersten Fehler und kam kurz von der Strecke ab. Wenig später stürzte er in einer Rechtskehre und fiel von Platz 2 auf Rang 7 zurück. «Ich habe etwas zu viel von meinem Vorderrad verlangt», erklärte der bitter enttäuschte Australier nach dem Rennen. «Glückwunsch an Kenny. Er war heute Abend im Großen und Ganzen der Bessere. Herzlichen Glückwunsch an ihn und das Team. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu kämpfen.»
Glückwunsch an Kenny. Er war heute Abend im Großen und Ganzen der Bessere.Hunter Lawrence
Auch für Lawrence war Salt Lake City die Chance seines Lebens
Das Dramatische an der Situation in Salt Lake City war die Tatsache, dass es sowohl für Roczen als als auch für Lawrence um die einmalige Chance ihres Lebens ging. Im kommenden Jahr werden die Piloten wieder mit einer völlig neuen Ausgangssituation konfrontiert: Jett Lawrence kehrt zurück und mit Haiden Deegan rückt ein weiterer Heißsporn in die 450er Klasse nach. Junge Piloten wie Jorge Prado gewinnen an Selbstvertrauen und werden immer stärker.
Rückblick auf eine spannende Saison
«Rückblickend auf die Saison war es für uns eine ziemliche Achterbahnfahrt», erklärte HRC-Teamchef Lars Lindstrom. «Es gab so viele positive Aspekte, die es einfacher machen, diese bittere Pille zu schlucken, nachdem wir so nah dran waren. Positiv ist, dass sich Hunter in der Königsklasse des Supercross auf ein neues Level gebracht hat und zeigen konnte, dass er die Meisterschaften gewinnen kann. Seine Professionalität und mentale Stärke motivieren uns, jetzt noch härter zu arbeiten und alles Mögliche zu tun, um ihn beim Erreichen seiner Ziele zu unterstützen.»
Respekt für Ken Roczen - auch von HRC
«Ich möchte auch dem Progressive Suzuki-Team und Ken Roczen zu ihrer Meisterschaft gratulieren», erklärte Lars Lindstrom. «Wir kennen Kenny sehr gut und wissen um seine Verletzungen und Probleme. Es wäre unmöglich, sich nach diesem Ausgang nicht für ihn zu freuen. Wenn wir als HRC schon die Meisterschaft verloren haben, so bin ich froh, dass es für ihn war. Ich denke, das rundet seine Karriere wirklich ab.»
Es wäre unmöglich gewesen, sich nach diesem Ausgang nicht für Kenny zu freuen.Lars Lindstrom
Wo hat Hunter Lawrence die Meisterschaft verloren?
Der Crash im Finale von Salt Lake City war nicht die alleinige Ursache seines Scheiterns. Hunter ist in dieser Saison zu oft und zu folgenreich gestürzt: Detroit, Cleveland und Salt Lake City. Das war am Ende ein Crash und ein Rückschlag zu viel. Ken Roczen musste in Anaheim eine Aufholjagd vom Ende des Feldes machen und fuhr bis auf den 8. Platz nach vorne. In Seattle (Meisterschaftsrunde 6) kollidierte Hunter mit Ken im Sand und holte ihn damit vom Motorrad. Hunter nutzte seinen E-Starter und konnte sofort weiterfahren, während Ken eine gefühlte Ewigkeit brauchte, seine Suzuki per Kickstarter in Gang zu setzen. Platz 10 von Seattle war in der Endabrechnung der Saison sein schlechtestes Ergebnis. Ken Roczen stürzte in Indianapolis nach einem verpatzten Sprung. Der hinter ihm fahrende Aaron Plessinger konnte nicht ausweichen und sprang ihm ins Heck. Es folgte Kens Sturz im Nashville-Finale, der ihm aber nur einen Platz und zwei Punkte kostete. Über die gesamte Saison war Ken Roczen der konstanteste Fahrer.
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