Reuter: DTM-Fahrer angespannt und desillusioniert

Von Andreas Reiners
DTM
Manuel Reuter

Manuel Reuter

Beim ersten Event nach dem angekündigten Mercedes-Ausstieg krachte es an einigen Stellen gewaltig. Die Dauerdiskussionen um die Gewichte kommen als Sahnehäubchen oben drauf.

Spannende und actionreiche Rennen, das Dauerthema Gewichte, der Mercedes-Ausstieg und ein dramatischer Titelkampf: Die DTM sorgt in dieser Saison für beste Unterhaltung. Und das in jeglicher Hinsicht. Das geht auch an den Fahrern nicht spurlos vorbei.

Fahrersprecher Manuel Reuter kennt das Seelenleben der Piloten. Und dem Ex-Meister sind gewisse Veränderungen oder Schwingungen in den vergangenen Wochen nicht entgangen. «Die Nerven der Fahrer sind angespannt, sie sind hochgradig sensibel. Da reicht ein kleines Fünkchen oder ein kleines Missverständnis, und sie explodieren», sagte er SPEEDWEEK.com.

Er warb dann auch um Verständnis für Timo Glock, der sich nach seinem Ausraster nach dem Qualifying in Zandvoort bekanntlich entschuldigt hatte. «Dann gehen mal die Gemüter hoch. Das muss man ein bisschen verstehen und nachempfinden», so Reuter.

Doch was sind die Gründe für die Stimmung? «Mit Sicherheit spielt die Gesamtsituation eine Rolle, dass das leidliche Thema Performance-Gewichte immer noch nicht vom Tisch ist», so Reuter. Das betrifft im Moment vor allem die Audi- und Mercedes-Fahrer, die sich mit dem schwersten Auto abwechseln und mit ansehen dürfen, dass vor allem BMW profitiert.

Der M4 hat zwar ohne Frage deutliche Vorteile, die andauernden Fragen nach dem verkorksten System und den Auswirkungen dürften aber auch den Fahrern der Münchner auf den Geist gehen. Auch weil die Diskussionen seit Monaten nichts bringen, nur negative Schlagzeilen und eine negative Grundstimmung.

«Auch perspektivisch war es schon mal viel besser», sagte Reuter mit Blick auf den angekündigten Mercedes-Ausstieg nach der Saison 2018. Klar: Die Zukunft der DTM ist aktuell komplett offen, keiner der Fahrer weiß, ob es 2019 für ihn in der Tourenwagenserie weitergeht. Geht es mit der DTM weiter, dann ist weiterhin die Zukunft der Mercedes-Piloten unsicher, die sich sowieso nach Cockpits in anderen Serien umschauen müssen. Und bei Mercedes durchaus auch darum fahren.

Hinzu kommt der Titelkampf, der nicht mehr jeden Fahrer betrifft. «Es gibt den einen oder anderen Fahrer, der schon ein wenig desillusioniert ist, weil er nicht mehr so fahren darf, wie er will. Es wird alles der Strategie der Hersteller untergeordnet, es ist nicht mehr das "Volle Pulle"-Fahren. Vor allem, wenn man nicht in den Titelkampf involviert ist», sagte er.

Acht Fahrer sind drei Events vor dem Saisonende zwar noch involviert, zehn Piloten aber eben auch nicht mehr. Mattias Ekström (Audi) führt die Gesamtwertung mit 128 Punkten an, der Achte Marco Wittmann (BMW) hat 35 Punkte Rückstand auf den Schweden.

Aber auch bei den Fahrern, die um die Meisterschaft kämpfen, schleichen sich Flüchtigkeitsfehler ein. Wie zum Beispiel beim Gesamtzweiten René Rast. Der Rookie blieb bislang praktisch fehlerlos, leistete sich nur auf dem Norisring einen Patzer, als er die gelbe Linie nach seinem Boxenstopp überfuhr.

In Zandvoort wollte er sich im zweiten Rennen nach seinem Boxenstopp auf kalten Reifen gegen Tom Blomqvist und Maro Engel verteidigen. «Ich habe Tom Blomqvist gesehen und wusste nicht, dass Maro Engel dahinter war. Er hat sich scheinbar bedroht gefühlt und ist öfter in mein Auto gefahren, wodurch die Aufhängung gebrochen ist», beschrieb Rast die Situation, die für ihn zum vorzeitigen Aus führte.

Reuter: «René wollte seinen Platz mit Biegen und Brechen verteidigen und das mit den kalten Reifen. Das klappt aber nicht, dann muss er die zwei fahren lassen.  Das sind Situationen, wo sie, er es mit der Brechstange versuchen und dann geht es daneben. Und das macht die Gesamtsituation nicht einfacher.»

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