Berger: Fan steht hinter dem klassischen Motorsport

Von Andreas Reiners
DTM
Gerhard Berger

Gerhard Berger

Ist der klassische Motorsport in ein paar Jahren Geschichte? DTM-Chef Gerhard Berger hat zum Elektrohype eine sehr klare Meinung.

Die Hersteller strömen derzeit in Massen in die Formel E. Die DTM hat ihre erfolgreichste Marke an die Elektroserie verloren, 2019 wird Mercedes (wie Audi und BMW auch) in die Formel E einsteigen, im Gegensatz zur Konkurrenz aus München und Ingolstadt die Tourenwagenserie aber nach der Saison 2018 verlassen.

DTM-Chef Gerhard Berger kämpft derzeit an allen Fronten um die Zukunft seiner Serie. Er kann die Gründe für den Einstieg zahlreicher Hersteller nachvollziehen, die Formel E habe aber mit der DNA des Rennsports nicht viel zu tun, so der Österreicher: «Die Hersteller gehen aus Image-Gründen in die Formel E – das ist verständlich. Nur die Zuschauer nicht. An einem Wochenende sehen sich allein in Deutschland um die zwei Millionen Menschen die DTM im Fernsehen an, zudem sind die Rennstrecken sehr gut besucht. Bei der Formel E ist das Interesse vergleichsweise gering, sowohl an den TV-Bildschirmen als auch an der Strecke», sagte Berger t-online.

Eine reine Image-Angelegenheit sei der Wechsel zur Formel E aber nicht, so Berger. «Die Formel E ist auch eine Plattform, auf der die Hersteller ihre Lösungen zur E-Mobilität präsentieren können, die sie im Angebot haben. Außerdem könnte sich der technische Wettbewerb in der Formel E auch positiv auf die Entwicklung im PKW-Bereich auswirken», meinte Berger. Das müsse sich allerdings erst zeigen.

Was eine Elektrisierung der DTM betrifft, ist der 57-Jährige vorsichtig. «Da muss man mit Maß vorgehen. Um die E-Mobilität kommt man auf Dauer sicher nicht herum, für die DTM wäre aber eher eine Hybrid-Version von Relevanz», sagte er.

Aber da kommt die Kostenfrage ins Spiel, die Entwicklung ist noch sehr kostenintensiv, außerdem brächte die Technologie viel Gewicht ins Auto, so Berger. «Das hätte wiederum nach derzeitigem Stand negative Auswirkungen auf das Leistungsgewicht und damit den Speed der Autos. Wir wollen eigentlich den Rennsport durch leistungsstärkere Autos noch attraktiver machen.»

Mehr PS wünschen sich die Fahrer seit Jahren, in dieser Saison sind es rund 500 PS, 200 PS mehr und die Piloten wären glücklich. Ein neuer Zweiliter-Turbomotor könnte 2019 mit dem neuen Reglement kommen. Wenn es die DTM dann noch gibt.

Bei dem ganzen Hype um E-Mobilität stellen sich viele sowieso die Frage, ob es den gesamten Motorsport in seiner heutigen Form in zehn Jahren überhaupt noch gibt. Röhrende Motoren, Benzingeruch, die typische Rennatmosphäre eben. Löst der Elektro- den Verbrennermotor komplett ab?

Berger hat eine klare Meinung: «Nein. Motorsport besteht aus Sport, hartem Wettkampf und Emotionen. Wenn man dieser Linie treu bleibt und seiner Rennserie diese DNA mitgibt, bindet man die Zuschauer langfristig. Die hohe Popularität von Rennserien mit Autos aus den 60er- und 70er Jahren ist dafür der beste Beweis. Der Fan steht hinter dem klassischen Motorsport.»

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