Emotionales DTM-Podium: In Gedanken beim toten Kumpel

Von Andreas Reiners
DTM

Nein, erfolgreich war Daniel Juncadella in der DTM eher nicht. Ein Mitläufer, wenn man es auf den Punkt bringen will. Nach seinem Debüt 2013 fuhr er auf die Plätze 16, 18, 20 und 24.

Keine Pole Position, keinen Podestplatz. Es war keine große Überraschung, als er seinen Platz bei Mercedes 2017 verlor.

Doch es kam noch dicker, die sportliche Karriere war plötzlich nicht mal mehr zweitrangig, als im November vergangenen Jahres sein bester Freund Alex Libre bei einem Motorrad-Unfall ums Leben kam. Ein einschneidendes Erlebnis, das bei Juncadella viel verändert hat. Beide kannten sich, seit Juncadella zehn Jahre alt war.

Wann immer es möglich ist, erinnert er an seinen Freund. Beim Saisonauftakt in Hockenheim, am Rennsamstag, hätte Libre seinen 27. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren seines Kumpels wurde in Barcelona ein Triathlon veranstaltet, den Juncadella aber wegen der DTM verpasste. Stattdessen fuhr der Merecdes-Pilot mit einem besonderen Schriftzug («All.1 Remembering Alex Libre»).

Und klar: Bei seinem ersten DTM-Podestplatz auf dem Norisring zueltzt durfte Alex Libre nicht fehlen. Ihm zu Ehren streifte er sich direkt nach der Siegerehrung noch auf dem Podium das T-Shirt mit dem Namenszug und der Startnummer 33 über.

Das T-Shirt hatte Juncadella bereits die Nacht zuvor getragen. «Damit ist er Motocross gefahren. Sein Zwillingsbruder hatte es mir gegeben und gesagt, wenn du auf dem Podium bist, kannst du es anziehen. Ursprünglich wollte ich das Shirt bereits bei der offiziellen Siegerehrung tragen, aber das ging leider nicht. Ich denke viel an ihn. Ihm widme ich dieses Rennen», sagte Juncadella.

Aber in Nürnberg ging es nicht nur um seinen Freund, sondern auch um ihn. 2018 kehrte er in die DTM zurück, nachdem Robert Wickens zu den IndyCars ging und Maro Engel sich auf andere Serien konzentrieren sollte. Um die Kehrtwende zu schaffen, suchte Juncadella sogar einen Psychologen auf.

«Ich hatte in den letzten Jahren immer Probleme im Qualifying. Ich habe mir immer viele Gedanken gemacht. Warum und wieso klappt das nicht? Es war bei mir auch eine Sache des Kopfes. Ich habe viel mit dem Psychologen zusammengearbeitet. Ich fühle mich jetzt sehr gut. Ich war im Qualifying jedes Wochenende einen Tick besser. Die Pole-Position am Norisring war mega. Das habe ich selbst in der Formel 3 hier nie erreicht. Das fühlt sich toll an», sagte er.

Als Letzter der DTM-Fahrerwertung war Juncadella nach Mittelfranken angereist. Nach den 18 Punkten, die er einsammelte, ist er nun schon Elfter mit insgesamt 27 Zählern. «Es ist alles sehr eng in dieser Serie. Es gibt 18 sehr gute Fahrer. Meine Teamkollegen waren alle in den Top acht und ich war Letzter. Wenn die Resultate nicht kommen, wirst du unsicher. 2016 hatte ich irgendwann nicht mehr an mich geglaubt. Und jetzt habe ich gesehen, es funktioniert doch. Das gibt mir sehr viel Kraft.»

Selbst ein Schlüsselbeinbruch kurz vor Start der Saison nach einem Sturz beim Training mit dem Mountainbike warf Juncadella in diesem Jahr nicht mehr aus der Bahn. «Ich habe immer weitergekämpft. Jetzt kommen auch Strecken, die mir sehr gut liegen. Ich freue mich auf Zandvoort.»

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