Warum haben BMW und Mercedes keine Chance gegen Audi?

Von Andreas Reiners
DTM
Audi dominiert die DTM

Audi dominiert die DTM

Audi dominiert die DTM und stellt BMW und Mercedes derzeit vor ein Rätsel. Was sind die Gründe für den derzeitigen Erfolg?

Timo Glock hat es kommen sehen. «Es war ab Mitte letzten Jahres zu sehen, dass Audi auf einem Weg ist, der erschreckend war. Wer jetzt nicht ganz blind ist, hat das deutlich kommen sehen», sagte der BMW-Pilot. In der Tat hatten die Ingolstädter vor allem das Saisonfinale deutlich dominiert, Mattias Ekström hatte die beiden letzten Rennen des Jahres für sich entschieden und Audi so noch den Herstellertitel beschert.

Nun sind die Boliden in der DTM homologiert, was bedeutet, dass die Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung begrenzt sind. Trotzdem hat Audi offenbar auch im Winter an einigen Stellen noch etwas gefunden. Das deutete sich bereits bei den Testfahrten an. «Estoril war erschreckend. Da war das Bild so wie auf dem Lausitzring», so Glock.

In Estoril hatte Audi in vier der insgesamt sechs Sessions die Bestzeit hingelegt, in der Lausitz in den beiden Rennen nun einen Vier- und Fünffachtriumph gefeiert, dazu alle vier Saisonrennen bislang gewonnen. Beim letzten DTM-Test in Oschersleben habe Audi hingegen nichts mehr gezeigt. Wohl auch, um die Konkurrenz ein wenig in Sicherheit zu wiegen.

Die ist nun aufgeschreckt, ratlos und konsterniert. Sowohl Mercedes als auch BMW fuhren deutlich hinterher. Dazu auf einer Strecke, die Audi in der Vergangenheit eigentlich nicht so lag. «Ich weiß nicht, was die an dem Auto gefunden haben. Irgendetwas, was wir noch nicht gefunden haben. Das hätten wir so nicht erwartet», sagte Mercedes‘ DTM-Leiter Ulrich Fritz. Im Gegensatz zu BMW fahren bei den Stuttgartern zumindest noch ein paar Autos in die Punkte.

Audi ist allerdings so dominant, dass sich selbst alte Hasen wie Mattias Ekström («Noch nie so eine Dominanz erlebt») als auch Timo Scheider verwundert die Augen reiben. «Ich muss schon sagen, das ist beeindruckend. Vielleicht ist es sogar für uns selbst nicht so ganz verständlich», sagte Scheider. Denn immerhin hatte Audi in der Lausitz das meiste Gewicht aller Autos an Bord. Doch das hielt im Lager der Ingolstädter kaum jemanden auf.

Was ist denn nun das Geheimnis hinter der Performance? Audis DTM-Leiter Dieter Gass gibt sich bedeckt. «Ich freue mich erst einmal darüber. Aber ich lasse mich davon auch nicht ablenken. Dafür ist die DTM ganz einfach viel zu stark. Ich konzentriere mich lieber darauf, wie ich weiterhin das Maximum aus meinem Paket rausholen kann, anstatt mich auf die anderen zu konzentrieren», sagte Gass. Auch Ekström hatte nur erklärt, dass man im Winter die eine oder andere Stellschraube gefunden habe.

Das Mitleid mit der ahnungslosen Konkurrenz hält sich natürlich in Grenzen. «Die machen das ja auch alle nicht erst seit einem Jahr. Die werden schon darauf kommen. Ich wüsste nicht, wie ich das jetzt erklären soll. Mal abgesehen davon, dass ich es ja auch gar nicht wissen kann. Dafür müsste ich mehr erfahren, was den anderen los ist», so Gass.

Ein Grund, den Mercedes und BMW über das Wochenende immer angeführt haben, sind die Reifen, die Audi offenbar besser versteht. Während es bei der Konkurrenz länger dauert, bis die Pneus ihre Leistung abrufen, ist Audi auf Anhieb beim Maximum und kann sogar noch zulegen, wenn die Reifen bei den anderen abbauen. Ein Beispiel: Timo Glock schaffte im Warm up mit gebrauchten Pneus die gleiche Zeit wie im Qualifying mit neuen. Unerklärlich.

«Vielleicht haben wir da einen Vorteil, das mag sein. Aber ich glaube nicht, dass wir den aktuellen Performancestand nur über die Reifen erreicht haben», sagte Gass. Für BMW und Mercedes sind die Probleme mit dem Standardreifen von Hankook aber so exorbitant, dass die eigentlich für diese Woche geplanten Testfahrten auf dem Lausitzring verschoben wurden.

Nach dem Samstagrennen gab es zudem eine Untersuchung des DMSB. Alle acht Audis mussten im Parc fermé nachsitzen. Grund war die Abrisskante unterhalb des Heckflügels, die bei den Audis offenbar 0,6 mm breiter war. Lag das nun noch im Toleranzbereich oder nicht?

Audi nutzte dabei wohl eine nicht eindeutige Definition im Regelwerk. «Das ist ganz normal und auch richtig, dass der DMSB sich die Autos genau anschaut und Messungen macht. Und erst Recht, wenn so ein Ergebnis vorliegt. Da schaut man vielleicht ein bisschen genauer hin», sagte Gass.

Doch der DMSB konnte keinen Regelverstoß feststellen. Und was bringen die paar Millimeter nun? «Da ist garantiert nicht so viel reinzuholen», sagte Gass. Und auch ARD-Experte Norbert Haug meinte: «Alleine diese Abrisskante kann nicht der Grund für den Erfolg von Audi sein.» Die Fragezeichen bleiben also. Mindestens vier Wochen noch. Dann gibt es auf dem Norisring erste Antworten.

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