Vasseur: «Nico Hülkenberg ist ein echter Leader»

Von Agnes Carlier
Frédéric Vasseur

Frédéric Vasseur

Der frühere Renault-Teamchef im exklusiven Interview über Druck in der Formel 1, die neuen Regeln, Nico Hülkenberg und junge Fahrer in der Motorsport-Königsklasse

Frédéric Vasseur hat sich im Januar wegen Differenzen mit der restlichen Renault-Teamspitze vom GP-Zirkus verabschiedet. SPEEDWEEK.com hat den Franzosen bei den Testfahrten in Barcelona zum Interview getroffen.

Frédéric Vasseur, bedeuten Formel-1-Rennen eine Menge Druck?

Das Rennen bedeutet eine Menge Druck. Aber in der Formel 1 herrscht nicht mehr Druck als anderswo auch. Im Motorsport allgemein gibt es zwangsläufig Ergebnisdruck. In der Motorsport-Welt geht es nicht ohne Druck, und der Druck hängt am Motor, der alle Teams und alles um sie herum zum Laufen bringt.

Ist das eine Erfahrung, die sie noch einmal machen wollen?

Natürlich würde ich das. Das ist eine Erfahrung, durch die du eine Menge lernst. Ich hatte eine großartige Zeit. Wenn ich ins Fahrerlager zurückkomme, bin ich froh, alle zu sehen, und ich bin sicher, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.

Ist der Motorsport wie eine Familie?

Natürlich, wir haben 21 Rennen plus die Testfahrten. Im vergangenen Jahr habe ich mehr Zeit mit den Mechanikern als mit der Familie verbracht. Das schafft zwangsläufig Verbindungen. Jetzt habe ich nach 27 Saisons mein Leben verändert. Die Kinder sind neun, 15, 18 und 21 Jahre alt. Es ist das erste Mal nach 27 Saisons, dass ich sie regelmäßig sehe.

Sind Ihre Kinder an Motorsport interessiert?

Eines ist interessiert. Aber nicht fasziniert. Ich wollte die Kinder nie intensiv in den Motorsport involvieren. Es ist eine aufregende Welt, aber auch ein wenig von der realen Welt entfernt.

Sie haben Nico Hülkenberg noch zu Renault geholt...

Ich kannte ihn schon vorher, von der Formel 3 und der GP2. Er ist mehrere Saisons für mich gefahren. Er hat die enorme Qualität, dass er immer in der Lage ist, von morgens bis in die Nacht einhundert Prozent zu geben und ein echter Leader zu sein. Das ist eine riesige Qualität. Deshalb habe ich ihn geholt. Ich kenne seine Qualitäten und wir sind immer in Verbindung geblieben.

Die Fahrer werden heute immer jünger, wenn sie in die Formel 1 kommen. Glauben Sie, dass man in jedem Alter in die Formel 1 kommen kann?

Ich denke, dass sie sehr jung sind. Doch das Problem ist nicht ihr Alter. Das Problem ist, dass Zuschauer, Medien und die Verantwortlichen nicht vergessen dürfen, das Alter zu betonen, wenn sie Fehler machen. Wir können auf der einen Seite nicht junge Fahrer wollen und ihnen auf der anderen Seite keine Fehler zugestehen. Immerhin beginnen sie gerade erst ihre Formel-1-Karriere und stehen unter Druck.

Steht Max Verstappen unter Druck?

In diesem Jahr steht er nicht mehr so unter Druck wie im vergangenen Jahr. Er hat aber gezeigt, dass er mit Druck umgehen kann. Die Erwartungen an ihn sind hoch, er ist 2016 aber sehr gut damit umgegangen.

Was sagen Sie zur neuen Formel 1?

Ich denke, dass jeder innerhalb von zwei Rennen vergessen haben wird, wie die Formel 1 «vorher» war. Es hat nichts damit zu tun, ob die Autos eine oder zwei Sekunden schneller sind, darum geht es den Leuten, den Fans, nicht. Sie wollen einen Kampf auf der Strecke und grundsätzlich ein engeres Feld sehen. Es wird darauf ankommen, ob wir in diesem Jahr mehr Ausgeglichenheit im Starterfeld haben werden.

Und was sagt Ihre Kristallkugel zur neuen Saison?

Nach den Testfahrten ist das immer so eine Sache. Aber man braucht keine Kristallkugel um zu sehen, dass sich Ferrari ganz offensichtlich sehr wohlfühlt.

Und Honda?

Sie müssen ein ernsthaftes technisches Problem lösen.

Was sind Ihre Pläne?

(lacht): Keine Pläne. Ich befinde mich in Formel-1-Ferien.

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