Marc Surer: Ferrari gegen Mercedes – so geht’s weiter

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Ferrari-Star Sebastian Vettel hat beim F1-Saisonauftakt in Australien gewonnen. Die Mercedes-Piloten kämpften mit Reifenproblemenn, Red Bull Racing ist dritte Kraft. Marc Surer sagt, wie es weitergeht.

Der erste Grand Prix des Jahres hat Fans und Fachleute mit gemischten Gefühlen hinterlassen. Viele haben sich gefreut, dass Ferrari die lange Durststrecke seit Singapur 2015 endlich überwunden hat und mit Sebastian Vettel gewinnen konnte. Viele machen sich aber auch Sorgen – nur fünf Überholmanöver im Australien-GP, vor einem Jahr waren es sieben Mal so viele. Muss uns das nicht zu denken geben?

Marc Surer, der Schweizer TV-Experte der deutschen Sky, warnt vor voreiligen Schlüssen: «Melbourne ist eine besondere Strecke. Und wenn wir uns das Rennen vor einem Jahr genau betrachten, dann kamen die meisten Überholmanöver nur deshalb zustande, weil die Reifen der Gegern am Ende waren und die Piloten dann zur Box mussten, um frische Walzen zu holen.»

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas sagte uns nach dem Rennen: «Ich kam Lewis zum Schluss des Rennens immer näher. Aber wenn du mit dieser Generation Autos auf dieser Strecke mit dem gleichen Rennwagen auf fast identischen Reifen ankommst, dann ist es mindestens schwierig, einen erfolgverheissenden Angriff zu starten. Schon beim Abstand von gut zwei Sekunden verlierst du Anpressdruck und das war’s dann. Eine Chance hast du nur, wenn dein Auto markant schneller wäre.»

Marc Surer (65) weiter: «Natürlich stimmt das in der Theorie alles. Nämlich, dass es schwieriger ist, einem Vordermann zu folgen, wenn wir Autos haben, die mehr Anspressdruck aufbauen. Aber warten wir mal ab, was in China passiert, mit der langen Geraden dort. Gleichzeitig haben wir in Shanghai auch lang gezogene schnelle Bögen, mal sehen, wie sich der Sport dort entwickelt.»

«Ich erkenne keinen Grund für Panikreaktionen. Vielmehr finde ich gut, wie sich Sebastian Vettel offenbar locker hinter Leader Lewis Hamilton halten konnte. Das wäre im vergangenen Jahr unmöglich gewesen. Wäre Vettel so nahe am Engländer gewesen, dann hätten seine Reifen überhitzt. Das ist heute nicht mehr der Fall, weil Pirelli die Charakteristik der Walzen geändert hat. Die Fahrer können damit härter fahren, die Reifen überhitzen weniger. Das ist positiv.»

«Darüber hinaus waren Positionswechsel früher wegen der abbauenden Reifen für mich kein Zeichen besseren Sports: Ich fand das für die Zuschauer immer verwirrend, wenn wir Situationen im Rennen haben, in welchen du weisst – die wahren Besten dieses Rennens befinden sich derzeit auf Rang 7 und Platz 8. Da ist es mir lieber, wenn wir weniger Reifenwechsel haben und dafür echte Überholmanöver sehen.»

Aber was, wenn auch in China eher Magerkost auf uns zukommt? Der Schweizer Formel-2-Champion von 1979 weiter: «Dann kann die FIA reagieren, indem sie die DRS-Zonen auf gewissen Pisten verlängert. Und Ross Brawn, der Sportverantwortliche von Liberty Media, hat ja bereits angekündigt, dass man sehr genau beobachten werde, was in Sachen Überholen passiert. Das Fernziel muss darin bestehen, Autos zu haben, die aerodynamisch weniger empfindlich sind und das dichte Verfolgen erlauben.»

Das gibt uns eine schöne Brücke: Denn Ferrari scheint derzeit vorne zu sein, Mercedes dicht dahinter, Red Bull Racing mit Respektabstand auf Platz 3 der Hackordnung. Marc Surer glaubt: «Australien war eine Momentaufnahme. Sehen wir uns mal an, was auf einer normalen Rennstrecke wie Shanghai passiert. Mercedes hatte in Melbourne mehr Probleme mit den Reifen als Ferrari. Das muss nicht bedeuten, dass in China das Gleiche passiert.»

«In der Form von Australien ist Ferrari vorne, das ist richtig. Aber kleinste Nuancen in der Abstimmung reichen, um den entscheidenden Vorteil zu haben, also kann das von Strecke zu Strecke ändern. Wenn Ferrari und Mercedes wirklich auf Augenhöhe kämpfen, dann ist das für uns Zuschauer doch ideal. Ich erwarte auch, dass Red Bull Racing markant zulegt, und dann hätten wir einen Dreikampf um die Spitze. Dass Ferrari in Australien gewonnen hat, ist ganz wichtig. Stell dir vor, wir hätten jetzt die ganze Formel 1 umgekrempelt, und Mercedes hätte wieder alles in Grund und Boden gefahren. Das hätte viele Fans vergrault.»

«Dahinter erkenne ich ein dichtes Mittelfeld mit dem Williams von Felipe Massa, mit Force India, Renault, Toro Rosso und Haas. Auch da wird es jeweils auf die Tagesform ankommen. Und natürlich darauf, wer im Verlaufe der Saison wie effizient entwickelt.»

«Das grösste Problem heute erkenne ich nach nur einem Rennen nicht beim Sport, sondern beim Sound: Die Autos machen mir einfach zu wenig Krawall, das war auch von vielen Fans im Albert-Park erneut zu verstehen. Und das ist mit nur einem grossen Turbo einfach nicht lösbar. Wir bräuchten zwei Turbos. Aber dann wird es technisch knifflig, Energie aus den Abgasen zu gewinnen, mit der so genannten MGU-H. Hier ist die Formel 1 der Serie weit voraus, das ist wichtig, wenn die Königsklasse bei der Technik Trendsetter sein soll und serienrelevant. Also befindet sich die FIA in einer Zwickmühle – entweder Sound besser und MGU-H opfern oder die Technik opfern und den Fans einen besseren Sound bieten. Ich fürchte, ich weiss, wie sich die FIA da entscheiden würde. Eine Rückkehr zu Saugmotoren erkenne ich nicht, wenn ich die Aussagen von FIA-Chef Jean Todt lese.»

Sendezeiten Formel 1 2017

9. April, 8.00: GP China (Shanghai)
16. April, 17.00: GP Bahrain (Sakhir)
30. April, 14.00: GP Russland (Sotschi)
14. Mai, 14.00: GP Spanien (Barcelona)
28. Mai, 14.00: GP Monaco (Monte Carlo)
11. Juni, 20.00: GP Kanada (Montreal)
25. Juni, 15.00: GP Aserbaidschan (Baku)
9. Juli, 14.00: GP Österreich (Spielberg)
16. Juli, 14.00: GP Grossbritannien (Silverstone)
30. Juli, 14.00: GP Ungarn (Budapest)
27. August, 14.00: GP Belgien (Spa-Francorchamps)
3. September, 14.00: GP Italien (Monza)
17. September, 14.00: GP Singapur
1. Oktober, 9.00: GP Malaysia (Sepang)
8. Oktober, 7.00: GP Japan (Suzuka)
22. Oktober, 21.00: GP USA (Austin)
29. Oktober, 20.00: GP Mexiko (Mexiko-Stadt)
12. November, 17.00: GP Brasilien (São Paulo)
26. November, 14.00: GP Abu Dhabi (Insel Yas)

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