Esteban Ocon: «Da bin ich ganz wie Lewis Hamilton»

Von Rob La Salle
Formel 1
Esteban Ocon und Sergio Pérez

Esteban Ocon und Sergio Pérez

​Was Esteban Ocon über die Rivalität mit seinem Force-India-Stallgefährten Sergio Pérez sagt und warum sich der 20jährige Franzose mit Mercedes-Superstar Lewis Hamilton vergleicht.

Nur drei Fahrer sind bei bislang elf Formel-1-WM-Läufen 2017 immer ins Ziel gekommen: WM-Leader Sebastian Vettel, Verfolger Lewis Hamilton – und Esteban Ocon. Bis auf Rang 12 in Monaco ist der 20jährige Franzose auch jedes Mal in die Top-Ten gefahren. Das ergibt derzeit WM-Rang 8, er hat elf Punkte weniger gesammelt als der direkt vor ihm liegende Force-India-Teamgefährte Sergio Pérez.

Ocon gilt als kommender GP-Sieger. Der Franzose hat in der Formel 3 den vielgepriesenen Max Verstappen geschlagen, das war 2014. 2015 setzte Ocon seinen Erfolg mit dem Titel in der GP3 fort. Im vergangenen Jahr sprang er bei Manor für Rio Haryanto ein, als dem Indonesier das Geld ausging. Mercedes war Steigbügelhalter für eine halbe Saison. Für 2017 nahm Force India den jungen Ocon unter Vertrag, Esteban hatte bei Testfahrten mit Speed und fundierten Aussagen überzeugt.

Ocon darf sich auf seine bislang 45 Punkte und den achten Zwischenrang wirklich etwas einbilden, er bietet seinem erfahrenen Stallgefährten Sergio Pérez auf und abseits der Rennstrecke die Stirn. Aber gegenüber der offiziellen Formel-1-Seite sagt Ocon ganz nüchtern: «Erfolg kannst du nicht planen. Ich folge nur der Vorgabe, welche das Team für diese Saison hatte, und die besteht darin, in jedem Rennen zu punkten. Dafür arbeite ich sehr hart. Ich habe weniger Erfahrung als Sergio, also muss ich mir viele Details erarbeiten, die Pérez längt in Fleisch und Blut übergegangen sind. Vor und nach einem Rennen verbringe ich deshalb viel Zeit im Rennwagenwerk von Silverstone. Und das macht durchaus einen Unterschied. Ich will keine Einzelheiten verraten, aber ich sitze jedenfalls erheblich öfter im Rennsimulator als mein Teamgefährte.»

«Mein bestes Rennen war Kanada. Barcelona war auch toll. Da kletterten unsere Jungs auf den Zaun, um uns zu feiern, das war etwas ganz Besonderes. Rang 4 und 5 haben sich für uns angefühlt wie ein Doppelsieg.»

Die Rivalität zwischen Ocon und Pérez wird rauer, der Mexikaner spürt – hier ist einer, der ihm langsam das Wasser abgräbt. In Baku rumpelten die beiden zusammen, Geschäftsleiter Otmar Szafnauer war wenig begeistert. Ocon: «Ich bin direkt in die Fabrik zurückgereist. Klar sollte es nicht passieren, dass Stallgefährten kollidieren, aber ein Formel-1-Rennen auf so einer Bahn ist wirklich ein einziger Notstand. Es wurde uns gesagt, wir sollen das in Zukunft gefälligst lassen, es wurde als Rennzwischenfall bezeichnet, Ende der Geschichte.»

Auf die Frage, ob er sich selber für Pérez als Überraschung sehe, meint Esteban keck: «Ich hoffe es! Ich bin nicht engagiert worden, um hinter ihm herzufahren. Ich will angreifen.»

In Baku hat der junge Kanadier Lance Stroll erreicht, was Esteban Ocon 2017 abhaken möchte – einen Podestplatz. Der Aufstieg von Millionärssohn Stroll und Ocon, der aus einfachen Verhältnissen stammt, könnte unterschiedlicher nicht sein. Esteban: «Lance ist ein prima Kerl, und ich wünsche ihm allen Erfolg, so lange er hinter mir bleibt! (Beginnt zu lachen.) Ich weiss, dass ich viel Glück gehabt habe. Da musste schon Einiges passen, damit ich heute Formel 1 fahren kann. Wäre etwas schiefgegangen, so würde ich heute wohl als Mechaniker arbeiten oder sonst einen einfachen Job haben. Das Beispiel mit dem Burger war damals nur als Witz gedacht, aber es hat bei den Leuten etwas ausgelöst. (Ocon hatte gemeint, ohne die Hilfe von Mercedes-Teamchef Toto Wolff würde er heute Hamburger umdrehen. RLS) Ich bin sehr erfolgshungrig, und das gründet in meiner Herkunft. Ich weiss, wo ich herkomme und was meine Eltern alles für meine Karriere geopfert haben. Da bin ich ganz wie Lewis Hamilton.»

«Ich bin es seit jungen Jahren gewohnt, unter sehr viel Druck zu fahren. Also ein normales Kind war ich bestimmt nicht! Irgendwie hatte ich gar keine richtige Kindheit. Ich musste sehr früh erwachsen vorgehen. Gut, das ist jetzt ein wenig übertrieben, aber wenn du jung bist, dann fühlst du wirklich so. Leicht war es nicht. Aber jetzt kann ich das Leben geniessen.»

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