Strafe für Max Verstappen in Monza: FIA im Tiefschlaf

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Die Red Bull Racing-Fahrer Max Verstappen und Daniel Ricciardo werden gemäss Max in Monza neue Motoren erhalten. Und damit auch eine Strafe. Wie lange schaut die FIA dieser Farce noch zu?

Max Verstappen hat nach dem Belgien-GP angekündigt, dass er und sein Red Bull Racing-Stallgefährte Daniel Ricciardo in Monza strafversetzt werden: «Italien wird für uns kein leichtes Wochenende, aufgrund des Pistenlayouts. Zudem kommen Strafen auf uns zu. Wir dürfen ja nicht mehr als vier Motoren pro Fahrer und Saison einsetzen, und wir haben unser Kontingent aufgebraucht. In Italien bringen wird den fünften Motor – und hoffen, dass wir die Saison damit zu Ende fahren können.»

In der jüngsten FIA-Liste verbrauchter Motorteile taucht der fünfte Motor der RBR-Jungs noch nicht auf, das wird erst am Freitagmorgen passieren. Die Liste ist auch so bedenklich genug.

Auch der Engländer Ross Brawn, bei «Formula One Management» (FOM) für die technische Entwicklung des Sports zuständig, hat die Faxen dicke. Er spürt den Unmut der Fans, wenn Stars wie Fernando Alonso, Max Verstappen oder Daniel Ricciardo wegen zusätzlicher Motorteile ganz hinten losfahren müssen. Ross Brawn bestätigt bei den Kollegen von Autosport: «Ich hasse es, wie sich technische Probleme auf den Rennsport auswirken. Klar lässt sich argumentieren: Wenn in einem Grand Prix etwas kaputtgeht, dann gehört das ja auch zum Sport. Aber einen solchen Ausfall, den verstehen die Fans. Was für die Formel-1-Freude ein wenig schwerer verdaulich ist: Ihr Held braucht einen neuen Motor, und als Strafe steht er in der letzten Startreihe. Da müssen wir einfach eine andere Lösung finden. Entweder eine andere Form der Betrafung, oder wir werfen die Strafe ganz über Bord.»

Zahlreiche Leser haben uns geschrieben: Wieso wird nicht das Team bestraft? Der Fahrer kann ja nichts dafür, wenn etwas am Motor kaputt geht. Wieso gibt es keinen Punkteabzug? Aber auch hier gibt es das Gegenargument. Denn in zahleichen Rennställen werden Punkteprämien ausbezahlt, warum soll ein Mitarbeiter von McLaren finanziell bestraft werden, weil die Techniker von Honda ihre Hausaufgaben nicht gut genug gemacht haben?

Wie auch immer die Lösung aussieht, die sich der kluge Ross Brawn einfallen lässt: Über Nacht geht das nicht. Brawn meint: «Wir hoffen, vor der Einführung der neuen Motorgeneration 2021 eine Lösung zu finden. Denn ich finde, die ganze Strafkultur aufgrund von Motorteilen ist bei den Fans überaus unpopulär. Wir müssen da ein wenig ausserhalb unserer üblichen Grenzen denken. Strafversetzungen findet kein einziger Fan lässig, wir sollten einen besseren Weg finden.»

Eine Einsicht, die wir bislang vom Autoverband FIA nicht zu Ohren bekommen haben.

Zur Erinnerung: Eine moderne Antriebs-Einheit der Formel 1 ist reglementarisch in sechs Elemente aufgeteilt:

– V6-Verbrennungsmotor






– Turbolader

– MGU-H («motor generator unit – heat»; also der Generator für jene Energie, die beim Turbolader gesammelt wird)
– MGU-K («motor generator unit – kinetic»; also der Generator für die kinetische Energie, die beim Bremsen gesammelt wird)


– Batterie-Paket
– Kontroll-Elektronik

Generell sind pro Fahrer und Saison also vier Antriebseinheiten erlaubt. Sollte im Laufe des Jahres ein fünftes Element gebraucht werden, so muss der betroffene Fahrer in der Startaufstellung um zehn Ränge zurück. Für jedes weitere fünfte Element der verschiedenen Motorteile gibt es eine Fünf-Ränge-zurück-Strafe.
Braucht ein Fahrer im späteren Verlauf der Saison beispielsweise einen sechsten Lader, dann gibt es erneut eine Zehn-Ränge-zurück-Strafe. Für jedes weitere sechste Element wieder die fünf Ränge.

Muss bei einem Fahrer die komplette Antriebseinheit gewechselt werden, also mit sämtlichen Elementen, dann muss er aus der Boxengasse ins nächste Rennen gehen.

Die aktuelle Liste der FIA, Stand Donnerstagmittag in Monza, sieht wie folgt aus:

Verbrennungsmotor – Turbolader – MGU-H – MGU-K – Batterie – Elektronik


Lewis Hamilton (Mercedes): 4 – 4 – 4 – 3 – 2 – 2
Valtteri Bottas (Mercedes): 4 – 4 – 4 – 3 – 2 – 2
Daniel Ricciardo (Renault): 4 – 4 – 5 – 3 – 2 – 2
Max Verstappen (Renault): 4 – 3 – 4 – 2 – 3 – 3
Sebastian Vettel (Ferrari): 3 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3
Kimi Räikkönen (Ferrari): 3 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3
Sergio Pérez (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 2 – 2 – 2
Esteban Ocon (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 2 – 3 – 2
Felipe Massa (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 2 – 2 – 2
Lance Stroll (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 2 – 2 – 2
Fernando Alonso (Honda): 6 – 8 – 8 – 6 – 5 – 4
Stoffel Vandoorne (Honda): 6 – 9 – 9 – 6 – 6 – 6
Daniil Kvyat (Renault): 5 – 5 – 5 – 2 – 3 – 3
Carlos Sainz (Renault): 3 – 3 – 4 – 3 – 3 – 3
Romain Grosjean (Ferrari): 4 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3
Kevin Magnussen (Ferrari): 4 – 4 – 3 – 3 – 3 – 3
Nico Hülkenberg (Renault): 3 – 3 – 4 – 3 – 3 – 3
Jolyon Palmer (Renault): 4 – 4 – 4 – 2 – 3 – 3
Marcus Ericsson (Ferrari): 3 – 4 – 4 – 3 – 3 – 3
Pascal Wehrlein (Ferrari): 4 – 4 – 4 – 3 – 3 – 3

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