Sebastian Vettel (Ferrari): «Lenkung machte KRACK!»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel auf dem Monza-Podest

Sebastian Vettel auf dem Monza-Podest

​Sebastian Vettel ist die WM-Führung los. An keinem anderen Ort als Monza hätte das der Heppenheimer so gelassen akzeptiert. Der Ferrari-Star schwärmt von den Tifosi. Und er macht uns Angst.

Sebastian Vettel hätte nicht vier Formel-1-WM-Titel und 46 Grands Prix gewonnen, wäre er ein guter Verlierer. Sein Gesicht nach der Trainingsklatsche sagte alles. Auf einmal wurden die Lippen schmal und die Antworten knapp, egal wie berechtigt die Fragen waren.
Aber keine Regel ohne Ausnahme, und die heisst: Grosser Preis von Italien in Monza.

Gut, Sebastian Vettel hat von den Silberpfeilen eine halbe Minute aufgebrannt erhalten, und nur der liebe Gott weiss, wie gross der Abstand gewesen wäre, hätte Lewis Hamilton den ganzen Grand Prix am Limit fahren müssen.

Was der am Ende drittplatzierte Vettel dann aber auf dem Siegerpodest von Monza erlebte, das liess ihn die Niederlage gegen Mercedes und den Verlust der WM-Führung glatt vergessen.

«Das sind so kostbare, seltene Momente, du würdest am liebsten die Zeit anhalten, um das noch viel mehr geniessen zu können», sagt Sebastian über die Sympathiewelle, der ihm von den Tifosi entgegen schwappte. «Wenn du siehst, wie viele Leute da unten stehen, das ist im wörtlichsten Sinne atemraubend. Ich fahre jetzt im dritten Jahr für Ferrari und durfte zum dritten Mal auf dem Monza-Podium stehen. Wir sind in dieser Zeit nicht nur als Team gewachsen, mir scheint auch, die Begeisterung der Fans ist gewachsen. Auch wenn wir heute nicht schnell genug gewesen sind. Es war aus sportlicher Sicht kein guter Tag. Aber es überwiegt der Eindruck – die Ferrari-Legende lebt, und wie!»

Auch die Lenkung lebte, wie Vettel von einer Merkwürdigkeit berichtet: «Ich lenkte die erste Kurve an, dann hat es KRACK! gemacht, ab da hing die Lenkung links ein wenig runter. Ich bin dann in den Notausgang gefahren. Danach hatte ich nicht mehr das richtige Gefühl fürs Auto, das beim Bremsen nach links zog. Und wenn du dich hier nicht wohlfühlst auf der Bremse, dann geht Zeit flöten. Eine halbe Sekunde pro Runde war das schon.»

«Ich wusste ja auch, dass von hinten Daniel Ricciardo heranschiesst. Zum Glück hat es am Schluss gereicht. Einen zweiten Ausrutscher wollte ich mir nicht leisten. Den Funk auf einem Ohr habe ich auch noch verloren.»

«Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir haben viel zu tun, gewiss. Aber wir haben die richtigen Leute, um wieder zuzulegen. Dass ich die WM-Führung los bin, ist mir im Moment gerade egal. Ich weiss, dass Strecken kommen, die uns und auch mir liegen. Ob alles so kommt, wie wir uns das erhoffen, weiss ich nicht. Aber das ist ja auch das Schöne am Sport – nicht zu wissen, was auf einen zukommt.»

«Singapur ist auf dem Papier eine Piste, wo wir stärker sein sollten. Aber mit der Papierform wirst du nicht Weltmeister. Eher mit dem Glauben, dass wir konkurrenzfähig genug sind, um dieses Ziel gemeinsam erreichen zu können.»

Und dann muss Sebastian nochmals von diesem unvergleichlichen Gefühl da oben sprechen: «Du weisst schon was los ist, wenn du da oben stehst, aber du fühlst dich ein wenig geflasht. Ich tu mich schwer, das richtig zu beschreiben. Monza ist einmalig. Jedes Mal ist es wieder von neuem unglaublich, das erleben zu dürfen. Ich hatte leider noch nicht das Privileg, in Monza mit Ferrari gewinnen zu können. Ich habe drei weitere Jahre Zeit dafür, und ich freue mich sehr darauf.»

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