Rätsel Sauber-Fahrer: Teamchef Vasseur nimmt Stellung

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Sauber hat als einziges Team keinen Fahrer für 2018 bestätigt. Wieso hat Marcus Ericsson seinen Platz nicht auf sicher? Muss Sauber Ferrari-Fahrer nehmen? Teamchef Frédéric Vasseur nimmt Stellung.

Sauber hat als einziger Rennstall noch keinen Fahrer für 2018 bestätigt. Das ist im Falle von Marcus Ericsson merkwürdig. Hinter den Schweizer Besitzern von Sauber stehen schwedische Investoren. Müsste das Ericsson seinen Platz nicht auf sicher haben? Wie viel Einfluss hat Ferrari bei Sauber? Solche und ähnliche Fragen erreichen uns von Lesern.

Die Frage nach Ericsson ist berechtigt, basiert aber auf einer falschen Annahme. Ja, hinter der Schweizer Investment-Firma Longbow, die Peter Sauber und Monisha Kaltenborn im Juli 2016 den Rennstall abgekauft haben, stehen Investoren aus Schweden. Ein Teil davon begleitet auch Marcus Ericsson während seiner Rennkarriere. Doch der Kauf von Sauber geht über die Karriere von Ericsson hinaus. Das Team wird als längerfristiges Investment angesehen, und die Besitzer knüpfen diese Investition nicht an die Laufbahn eines – seien wir mal ehrlich – mittelmässigen Piloten.

Ericsson hat seit Rang 9 in Monza 2015 keine WM-Punkte mehr eingefahren, ist also seit 45 Rennen leer ausgegangen. Bestes Ergebnis 2017: Rang 11 in Spanien und Österreich.

Der Schwede weiss, dass seine Zukunft auf dem Spiel steht: «In der Formel 1 darfst du dir nie sicher sein, bevor du einen Vertrag unterschrieben hast.»

Dann gibt es eine weitere Ebene, die es zu beachten gilt. Ferrari-Chef Sergio Marchionne und Teamchef Maurizio Arrivabene haben bei ihrem Besuch in Hinwil den Wunsch deponiert, dass 2018 zwei Ferrari-Junioren in den Sauber-Rennern sitzen. Wir sprechen hier von Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi. Ich betone: Wunsch, nicht Forderung.

Gemäss unseren Informationen hat Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur in Sachen Piloten das letzte Wort. Wie gross der Einfluss von Longbow und von Ferrari dabei ist, kann nur der Franzose selber beantworten, tut er aber nicht. Ein Sauber-Insider: «Vasseur bleibt undurchsichtig. Ich würde jedenfalls nicht mit ihm am gleichen Pokertisch sitzen wollen.»

Es ist durchaus denkbar, dass Vasseur mit Ferrari bessere Konditionen aushandelt und als Gegenzug Leclerc und Giovinazzi fahren lässt. Das würde das Ende der Formel-1-Karriere von Ericsson bedeuten, denn einen Plan B hat er für 2018 nicht.
Es auch ebenfalls vorstellbar, dass Ericsson von Vasseur absichtlich im Ungewissen gelassen wird, um den entspannten Schweden ein wenig anzutreiben.

Aber was sagt der Franzose in Mexiko? Wir sprechen ihn bei Sauber an: Wo stehen wir denn nun in Sachen Fahrer? Vasseur lacht: «Nächste Frage, bitte. Nein – bald, so hoffe ich, haben wir darauf eine Antwort. Wir wissen, wo wir stehen. Die Fahrer haben derzeit für uns keine Priorität. Wir haben zu viel zu tun.»

Hat sich Vasseur, so wollen wir weiter wissen, eine Frist gesetzt? Der frühere Renault-Steuermann: «Ja, die Woche vor dem ersten Test in Barcelona. Früher oder später müssen wir entscheiden, aber wir fühlen uns nicht unter Druck.»

Und was ist nun mit der Verbindung zwischen Longbow und den langjährigen Wegbegleitern von Marcus Ericsson? Fred Vasseur: «Das Investment bei Sauber ist gewaltig. Du kannst die langfristige Entwicklung eines Rennstalls nicht an die Karriere eines Piloten knüpfen. Das gilt übrigens für beide Seiten, auch der Fahrer muss ja die Möglichkeit haben, sich entwickeln zu können. Wir sehen Marcus als eine Verstärkung des Teams, er hat die notwendige Erfahrung, wir arbeiten gut zusammen. Wir stehen mit einigen Piloten in Kontakt.»

Ist Sauber für 2018 auf Bezahlfahrer angewiesen? Vasseur: «Nein, die finanziellen Aspekte spielen hier keine Rolle. Wir haben einen langfristigen Plan für den Rennstall, wir haben ein gesundes Budget, da binden wir die kommende Saison nicht an Geld, das ein Fahrer mitbringt.»

Ist Sauber nicht – aufgrund der Ferrari-Motoren – dazu gezwungen, mindestens einen Ferrari-Junior zu nehmen? Vasseur lacht: «Wir haben einen Vertrag für die Lieferung von Motoren unterzeichnet, nicht für die Lieferung eines Fahrers! Wir reden mit Ferrari.»

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