TGR-Haas-Pilot Esteban Ocon unter Druck – Comeback-Chance für Jack Doohan?
TGR-Haas-Teamchef Ayao Komatsu nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Leistung von Esteban Ocon geht. Der Franzose muss liefern – sonst hat das Team mit Doohan gleich einen Ersatz zur Hand.
Es sind klare Worte, die Ayao Komatsu bei seiner Medien-Runde fand, als es um die Leistung von Esteban Ocon im vergangenen Jahr ging. Der Franzose hatte an der Seite von Rookie Ollie Bearman für das US-Team gekämpft, und trotz seines grossen Erfahrungsvorsprungs weniger Punkte als der Brite aus dem Ferrari-Nachwuchskader gesammelt.
Bearman belegte nach 24 Rennwochenenden mit 41 WM-Zählern den 13. WM-Rang, Ocon musste sich mit 38 Punkten und Platz 15 begnügen. Im GP-Vergleich hatte keiner der Beiden die Nase vorn, das Qualifying-Duell entschied hingegen Bearman mit 14:10 klar für sich.
Teamchef Komatsu sagt: «Wenn man sich nur das sportliche Ergebnis ansieht, ohne ins Detail zu gehen, ist sicherlich niemand mit Estebans Ergebnis im letzten Jahr zufrieden. Er war Teamkollege eines Rookies – ja, eines grossartigen Rookies, aber dennoch hat er zehn Jahre Formel-1-Erfahrung. Er ist ein GP-Sieger, er stand auf dem Podium, also haben wir mehr von ihm erwartet.»
Gleichzeitig stellt der Japaner klar, dass die Ergebnisse nicht nur auf die Arbeit von Ocon zurückzuführen sind: «Natürlich ist es nicht allein seine Schuld. Es ist 50/50 – manchmal konnten wir ihm als Team nicht das Auto geben, mit dem er sich wohl fühlte, insbesondere im Qualifying. Un din einigen Fällen war das deutlicher als in anderen.»
«Nehmen wir Baku als Beispiel, er war wirklich nicht zufrieden mit der Bremse und lag im Qualifying meilenweit zurück. Ja, Baku war natürlich eines der besten Pflaster für Ollie, aber wir haben nicht erwartet, dass der Rückstand von Esteban so gross ausfallen würde. Aber auch dafür gab es mehrere Gründe, es lag weder nur am Fahrer noch nur am Team», betont Komatsu, der weiss, dass die Zusammenarbeit verbessert werden muss, um Problemen schneller auf den Grund gehen zu können.
«Ich habe das Gefühl, dass wir alle zusammen – Team und Fahrer – das letztes Jahr nicht besonders gut hinbekommen haben, denn ich war wirklich der Meinung, dass wir das schneller hätten in den Griff bekommen müssen. Man schaue sich etwa Abu Dhabi an. Am Freitag war er völlig neben der Spur, aber tags darauf war er wieder voll bei der Musik. Auch da ging es nicht um einen Faktor, es sind mehrere Gründe, die eine Art Schneeball-Effekt ausgelöst haben, und wir müssen diese schneller in den Griff bekommen, denn Estebans Potenzial ist offensichtlich», erklärt der Ingenieur.
Ersatz steht mit Jack Doohan bereit
Dass Ocon das Ruder rumreissen und am Ende den siebten Platz erobern konnte, sei ein Beweis für dessen Talent, das besser genutzt werden müsse. «Denn in diesem Jahr brauchen wir wirklich beide Fahrer – das hätten wir schon in der vergangenen Saison gebraucht, aber nun ist es noch wichtiger», stellt Komatsu klar.
Sollte Ocon sich weiter schwer tun, hat der TGR-Haas-Rennstall mit der Verpflichtung von Jack Doohan als Reservisten gleich einen Ersatz zur Hand. Ob sich der Australier besser anstellen wird, ist offen. Bei seinen sechs GP-Einsätzen im vergangenen Jahr im unterlegenen Alpine-Renner kam der Sohn der MotoGP-Legende Mick Doohan auf null Punkte, während Pierre Gasly in der gleichen Zeit deren sieben sammelte. Sicher ist: Doohan ist bestrebt, eine zweite Chance in der Vierrad-Königsklasse zu nutzen, um sein Können unter Beweis zu stellen.
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