Daniel Ricciardo über 2019: «Ich überstürze nichts»

Von Daniel Ricciardo
Formel 1
Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo

​In unregelmässigen Abständen greift Daniel Ricciardo für Red Bull zur Feder und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen des Formel-1-Rennfahrers. Dies sind seine letzten Zeilen der Saison 2017.

Es war eine ganze Weile her, dass ich meine vier Wände zuhause in Monte Carlo gesehen hatte. Die erste Handlung: Heizung hochschrauben – es ist auch in Monaco langsam Winter geworden. Die letzten Übersee-Rennen einer Saison sind immer ein wenig hektisch. Seit dem Singapur-GP Mitte September war ich nicht besonders lange zuhause.

Das WM-Finale war kein toller Saisonabschluss für uns, und das sage ich nicht nur, weil ich ausgefallen bin. Nachdem ich mich erfolgreich gegen Kimi Räikkönen gewehrt hatte, fuhr ich nur im Kreis, so halbwegs in Reichweite von Sebastian Vettel, aber nicht nahe genug, um in den Luftwirbeln hinter ihm eine erfolgreiche Attacke starten zu können. Mehr als Rang 4 wäre nicht drin gewesen, und zwischendurch kamen mir die TV-Zuschauer in den Sinn und dass dies für sie jetzt nicht eben die tollste Show der Welt ist.

Das Pisten-Layout sowie die Charakteristik dieser Autos führten zu einem faden Rennen in Abu Dhabi. Vielleicht liegt es daran, dass die DRS-Zone, wo wir den Heckflügel flacher stellen, zu spät beginnt. Wir wussten immer, dass die 2017er Autos mit den breiteren Reifen und mehr Abtrieb das Überholen nicht einfacher machen würden. Aber in Abu Dhabi war es besonders übel.

Der Ausfall war eine bittere Pille, denn wir hatten ein gutes Qualifying gezeigt. Ich kam früher als geplant zum Reifenwechsel, weil ich glaubte, einen Platten zu haben. Wieder auf der Piste spürte ich nach wenigen Kurven, dass da mehr sein muss. Die Lenkung fühlte sich ganz seltsam an, so schwer, da schwante mir, dass ich wohl ein Hydraulikproblem habe. Dann meldete sich ein Gang nach dem anderen ab, da hast du keine Chance mehr.

Nach einer langen Saison bist du ohnehin ausgelaugt, aber nach diesem Rennen war ich wirklich platt. Einige im Team wollten noch ausgehen, aber ich wusste, dass ich am Dienstag nach dem Rennen wieder teste, also liess ich das.

Seit Japan drei Ausfälle in vier Rennen, nur ein sechster Platz in Brasilien, das ist ein ziemlich grausiger Saisonschluss. So gut es im Frühling und Sommer gelaufen war, so sehr war zum Schluss des Jahres hin der Wurm drin. Da war zu viel Auf und Ab, um die Saison richtig gut oder richtig schlecht zu nennen. Auch in den Qualifyings. In Mexiko war ich am Freitag Schnellster, am Samstag war ich eine Sekunde hinter der Pole-Zeit. Ich verstehe heute noch nicht wieso.

Nach dem Test in Abu Dhabi flog ich für einen PR-Auftritt nach Baku, dann endlich nach Hause, nach Monaco. Nun bin ich wieder in England, es gibt viel zu tun für die kommende Saison, zudem feiern wir bei Red Bull Racing Weihnachten. Und dann habe ich eine Weile frei.

Ich will nach Westaustralien jetten und dann bis Januar kein Flugzeug mehr von nahem sehen, dann bin ich zu Brendon Hartleys Hochzeit eingeladen. Einige Kumpels von mir haben ein irgendwo ein Haus gemietet – und ich hoffe, wir haben dort richtig schlechten Handy-Empfang!

Wenn wir dann Mitte Februar nach Barcelona zu den Wintertests reisen, kann ich mir auf ungefähr eine Million Fragen zu meiner Zukunft gefasst machen. Darauf bin ich vorbereitet. Ich wunderte mich eigentlich, dass dies nicht heftiger thematisiert worden bin. Vielleicht hat auch der neue Vertrag von Max Verstappen davon abgelenkt, dass mein Abkommen Ende 2018 ausläuft.

Wo also stehen wir? Kurz gesagt sind wir nicht in Eile. Ich setze keine Frist. Und ich überstürze auch nichts, nur damit das erledigt ist. Denn es steht Einiges auf dem Spiel. Für mich ist das eine grosse Sache. Ich will noch eine ganze Weile Formel 1 fahren, aber ein, sagen wir Dreijahresvertrag ist ein erheblicher Teil meiner restlichen Zeit im Grand-Prix-Sport. Das ist die wichtigste Entscheidung meiner bisherigen Karriere, also will ich das Richtige machen.

Mein nächster Vertrag hebt mich in die 30er, ich bin also kein Grünschnabel mehr, der alles unterzeichnet, nur um im Startfeld zu stehen. Ich werde einige Menschen, die mir nahestehen, um ihre Meinung bitten. Aber zu viele will ich nicht einbinden. Letztlich muss es meine Entscheidung bleiben. Ich weiss, was ich will – ein gutes Auto ist mir wichtiger als Geld. Es muss im Mittelpunkt stehen, um Siege und Titel kämpfen zu können.

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