Formel-1-Führung: Ende der Grid-Girls ist in Sicht

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Ferrari-Star Sebastian Vettel traute seinen Augen nicht, als in Monaco 2015 Grid-Boys statt adretter Damen aufmarschierten. Die neue Formel-1-Führung prüft derzeit, ob Grid-Girls noch zeitgemäss sind.

Sie gehören seit vielen Jahren als fester Bestandteil zur Formel 1: Grid-Girls, die adretten jungen Damen, welche vor dem Start die Nationenflaggen und Nummerntafeln halten. In Monaco 2015 staunten viele, als Grid-Boys in der Startaufstellung auftauchten. Sehr zum Ärger von Sebastian Vettel. Eine Premiere war das nicht – das hatte es schon beim Europa-GP in Valencia gegeben.

Sebastian Vettel ist auch ein Meister der feinen Zwischentöne. «Ich bin am Boden zerstört», sagte der Ferrari-Pilot damals nach dem Rennen mit einem Augenzwinkern. Vettel liess durchblicken, dass ihm die Aussicht kurz vor dem Start nicht wirklich gefallen habe.

«Wenn ich auf Männer stehen würde, wäre das etwas anderes. Das tue ich aber nicht. Wenn ich das Auto parke und mir den Hintern von George oder Dave anschaue, dann bin ich nicht glücklich damit. Wer hat eigentlich entschieden, dass wir in Monaco Grid-Boys haben müssen? Das sollten wir schleunigst wieder ändern», sagte Vettel, der sich in der Vergangenheit schon oft als Anhänger und Verteidiger von Traditionen hervorgetan hat. Nicht nur, was das Sportliche wie den Sound der Autos angeht, sondern nun auch bei Männern in der Startaufstellung. Denn die weiblichen Schönheiten wurden nicht nur bei den Fahrern, sondern – wie in sozialen Medien festzustellen war –  auch von den Fans schmerzlich vermisst.

Vettel weiter: «Das ist Monaco, Grid-Girls gehören zum Rennen dazu. Das ist eine Tradition und es gibt gute Traditionen. Wir sollten damit nicht brechen.»

In der Pressekonferenz glaubte er dann, das Interview-Mikro sei abgestellt, als er sich zu Sieger Nico Rosberg hinüberlehnte und sagte: «Als ich an meinem Platz eingeparkt habe, dachte ich – was ist das denn? Das geht ja gar nicht!»

Initiator der ungewöhnlichen Idee war Michel Boeri, Präsident des Automobil-Clubs von Monaco. Die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC hatte in dieser Saison als Vorreiter vorgelegt und hat sich gleich ganz von den Grid-Girls verabschiedet.

Ähnliche Gedanken gibt es nun bei der neuen Formel-1-Führung. Ross Brawn, bei «Formula One Management» für die Entwicklung von Technik und Sport zuständig, bestätigt im englischen Radio BBC: «Die Art und Weise, wie die Frau für Werbung eingesetzt wird, das ist ein heikles Thema. Wir schauen uns das derzeit sehr gründlich an. Viele Leute sagen, Grid-Girls gehören zur Tradition. Andere finden, das Konzept sei vielleicht ein wenig verstaubt. Also kümmern wir uns um das Thema.»

Formel-1-CEO Chase Carey: «Bei allem Respekt – auf der Liste der Punkte, um welche ich mich kümmern sollte, stehen die Grid-Girls jetzt nicht weit oben. Aber wir müssen entscheiden: Ist das ein Relikt aus der Vergangenheit. Soll das ein Teil der künftigen Formel 1 sein? Wir wollen so viele Perspektiven wie möglich einnehmen und dann für den Sport das Richtige tun.»

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