Aston Martin: Börsengang wie Ferrari oder Verkauf?

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Seit vergangenem Frühling halten sich Gerüchte, wonach die britische Traditionsfirma Aston Martin an die Börse wolle, wie Ferrari 2015. Aston-Martin-Chef Andy Palmer schliesst auch einen Verkauf nicht aus.

Schon im Frühling 2017 kursierte: Die Besitzer von Aston Martin liebäugeln mit einem Börsengang. Auch von einem möglichen Verkauf der 1913 gegründeten Edel-Sportwagenmarke war die Rede. Damals sagte Firmen-CEO Andy Palmer (54) der Süddeutschen Zeitung: «Unsere Investoren aus Kuwait und Italien könnten die Anteile verkaufen.»

Mit einem Börsengang würde Aston Martin dem Beispiel von Ferrari folgen: Ferrari ging 2015 an die New Yorker Börse, seither haben die Aktien um mehr als 60 Prozent zugelegt.

Aston Martin hatte in den vergangen dreissig Jahren einige Besitzer: 1987 übernahm Ford drei Viertel der Firmenanteile, 1994 den Rest. Der US-Autohersteller verkaufte dann im März 2007 die Mehrheit der Anteile an eine Geschäftsgruppe um das britische Rennunternehmen Prodive von David Richards, von dort ging das Unternehmen in die Hände der italienischen Firma Investindustrial und von Investoren aus Kuwait wie Adeem über. Die Italiener und die Kuwaiti halten heute zusammen 90 Prozent der Anteile.

Gerüchte über einen Börsengang oder sogar einen Verkauf erhalten nun neue Nahrung, weil Aston Martin die Investmentbank Lazard beauftragt haben soll, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten.

Die New Yorker Lazard, 1848 gegründet, ist eine der grössten Investment-Banken der Welt. Das verwaltete Volumen liegt bei fast 200 Milliarden Dollar.

Ein Börsengang könnte im dritten oder vierten Quartal 2018 umgesetzt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, die sich auf Quellen innerhalb der Sportwagenfirma bezieht. Das Unternehmen wird auf einen Wert von rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Die Firma Investindustrial (die 37,5 Prozent von Aston Martin besitzt) hat es abgelehnt, die Börsen- oder Verkaufsgerüchte zu kommentieren, Aston Martin und Lazard haben sich nicht geäussert.

Aston Martin ist auf gutem Weg, 2017 erstmals seit sieben Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Bei einem Umsatz von umgerechnet mehr als 950 Millionen Euro wird ein Gewinn von rund 200 Millionen Euro angestrebt. In den ersten neun Monaten 2017 hat Aston Martin die Produktion um 65 Prozent erhöht, auf 3330 Fahrzeuge.

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Seit Anfang 2016 steht Aston Martin auf den Rennautos von Red Bull Racing aus Milton Keynes. Dazu spannten Aston Martin und Red Bull Advanced Technologies zusammen, um den aufregenden Strassensportwagen Valkyrie (Walküre) zu bauen. Aston Martin wird 2018 Titelsponsor von RBR, und Andy Palmer hat nicht ausgeschlossen, dass Aston Martin ab 2021 Motorhersteller in der Formel 1 sein könnte.

Der Engländer sagte zu den Gesprächen um die künftige Formel-1-Motorisierung: «Wir bewegen uns in die richtige Richtung. Alle am Tisch sind sich darüber einig, dass wir in der Formel 1 eine bessere Show brauchen, die Motoren müssen wieder lauter sein, um die Fans zu begeistern. Wir wollen das Leistungsniveau halten, aber die Kosten senken. Dafür sind auch alle. Die grosse Frage ist nun: Wie schaffen wir das? Das Schwierige ist, die Interessen aller unter einen Hut zu bringen. Es wird einen Punkt geben, an dem die FIA oder die Formel-1-Gruppe sagt – so, das ist der Weg, den wir gehen werden.»

Durch das Triebwerk von Valkyrie (6,5-Liter-V12-Saugmotor) hat Aston Martin eine enge Verbindung zum traditionsreichen Motorhersteller Cosworth. Aber Palmer schliesst auch eine Kooperation mit Ricardo oder Ilmor nicht aus, auch diese Firmen hatten Vertreter am Verhandlungstisch, wenn es um die Zukunft der Formel-1-Motoren geht: «Wir hören uns alles an. Ich war nie ein grosser Anhänger von reinem Sponsoring. Ich finde eine technische Kooperation aus Gründen der Glaubwürdigkeit besser. Und die haben wir derzeit in Form von Valkyrie. Wenn wir bei solch einem Projekt Technik beitragen könnten, dann umso besser.»

Aston Martin war schon einmal in der Formel 1 – mit einem Werkswagen 1959 und 1960. Damals hatte Cooper gezeigt, wohin der Weg der GP-Renner führt: zum Heckmotorauto. Aston Martin baute dennoch stur einen Frontmotorrenner und holte 1959 keinen einzigen WM-Punkt. 1960 zog das Unternehmen dem hoffnungslosen Unterfangen den Stecker.

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