Kein Tabu: Grand-Prix-Format auf dem Prüfstand

Von Rob La Salle
Formel 1
Formel-1-CEO Chase Carey und Ross Brawn

Formel-1-CEO Chase Carey und Ross Brawn

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Was ist eigentlich aus dem Plan geworden, das Format der Grand-Prix-Wochenenden zu ändern? Wir haben den jüngsten Stand der Dinge.

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Rainer-Maria Fischer aus Augsburg wissen: «Es war einmal davon die Rede, das Format eines Grand-Prix-Wochenendes zu ändern. Aber wir haben nie wieder etwas davon gehört. Sind diese Pläne in der Schublade verschwunden?»

Der Engländer Ross Brawn (63) ist von Formel-1-Grossaktionär Liberty Media angestellt worden, um die Entwicklung des Sports zu leiten, was Technik, Reglement und Format angeht. Brawn ist offen für alles, dazu gehört auch – nicht zum ersten Mal – der Vorschlag, dass die Rennen kürzer werden oder dass am Samstag ein Sprintrennen stattfindet. Derzeit wird zwei Stunden gefahren, die Maximaldistanz beträgt gemäss Reglement 305 Kilometer. Eine Verkürzung wurde schon vor Jahren vom damaligen Renault-Teamchef Flavio Briatore aufs Tapet gebracht: Der italienische Manager stellt die Verbesserung der Show in den Mittelpunkt. Das ist grundsätzlich lobenswert.

Aber wenn Fussballfans fades Gekicke 90 Minuten lang geduldig aushalten, wieso soll ein Grand Prix dann nicht zwei Stunden dauern dürfen? Ross Brawn findet: «Ich mag das Erbe unseres Sports. Ich glaube 100 bis 105 Minuten sind eine gesunde Renndauer. Die meisten WM-Läufe sind ungefähr so lang. Ich höre natürlich auch, wie die Leute argumentieren, wir müssten die Rennen kürzen, weil die Aufmerksamkeitsspanne der Fans kürzer geworden sei. Aber ich möchte das anders anpacken. Ich möchte, dass die Formel 1 so attraktiv ist, dass die Leute am Bildschirm kleben bleiben. Es ist nicht die Dauer, die verringert werden muss. Es ist das Spektakel, das verbessert gehört.»

Dennoch sind die Pläne für ein anderes GP-Wochenendformat durchaus nicht in der Schublade verschwunden. Der langjährige Formel-1-Teammanager Steve Nielsen, heute ebenfalls in Diensten von Liberty Media und enger Vertrauter von Ross Brawn, sagt gegenüber motorsportweek: «Wir befassen uns derzeit ausgiebig mit den Meinungen der Fans. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Wir wollen wissen: Was gefällt den Fans? Was halten sie für verstaubt? Diese Umfrage ist überaus umfangreich und wird die Formel 1 nachhaltig verändern.»

«Dazu gehören Fragen wie: Wie viele freies Training sollten wir haben? Wie viele Rennen? Es geht nicht nur darum, was wir wollen. Es geht vorrangig darum, was die Fans wollen.»

Formel-1-CEO Chase Carey hat bestätigt: 21 Rennen sind ihm derzeit genug – auch wenn F1-Geschäftsleiter Sean Bratches von einem mittelfristigen Ausbau auf 25 Läufe geredet hatte. Aber Carey sagt: «Wir wollen Qualität, nicht Quantität. Neue Rennen werden alte ersetzen, wir haben derzeit genügend Rennen.»

Nochmals Steve Nielsen: «Wir brauchen wieder jüngere Fans, wenn wir das ignorieren, wird der Sport ein grösseres Problem haben. Auf dem Tisch liegen viele Vorschläge, alles wird diskutiert.»

Ross Brawn: «Ich will 2021 fabelhaft aussehende Rennwagen, mit welchen die Piloten sich nach Herzenslust auf ihre Gegner werfen können. Wir werden Mittel und Wege finden, dass sich ein Pilot nahe genug an den Gegner heranarbeiten kann, um ihn zu attackieren. Die heutigen Renner erzeugen so viele Luftwirbel, dass der Wagen dahinter zu instabil wird. Wir haben die grosse Chance, 2021 etwas Neues, Gutes einzuführen. Diese Chance wollen wir uns nicht entgehen lassen.»

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