David Brabham: «Die Formel 1 war eher ein Zufall»

Von Michael Hintermayer
Formel 1

​Der frühere Formel-1-Fahrer und Le-Mans-Sieger David Brabham (52) hat die Ennstal-Classic besucht. Er spricht über seinen Vater Sir Jack Brabham, seine Karriere und den neuen Brabham-Sportwagen.

Es war nicht leicht, in die Fussstapfen von Jack Brabham zu treten. Der Australier wurde drei Mal Formel-1-Weltmeister und gewann 14 Formel-1-WM-Läufe. David ist der jüngste von drei Söhnen (neben Geoff und Gary), nur er schaffte es ebenfalls bis auf die GP-Startaufstellung. Seinen grössten Erfolg feierte David Brabham als Peugeot-Werksfahrer – Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 2009 an der Seite von Alex Wurz und Marc Gené. Am vergangenen Wochenende war David Brabham Gast bei der Ennstal-Classic, einem der prestigeträchtigsten Events für klassische Automobile.

David, wie gefällt ihnen die Ennstal-Classic?

Ich habe schon oft probiert, dabei zu sein, war aber immer verhindert. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass es dieses Jahr terminlich geklappt hat. Es ist einfach beeindruckend. Wunderschöne Autos, atemberaubende Landschaft, grossartige Strassen – es macht richtig Spass! Ich hatte mir ein Auto ausgeliehen, einen Chrysler 300, also einen grossen US-Strassenkreuzer, was es auf den kurvenreichen Bergstrassen sehr interessant machte.

Sie haben die glorreiche Marke Brabahm wiederbelebt. Können Sie uns ein bisschen was über Brabham Automotive erzählen?

Brabham Automotive wurde vor über zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen. Entstanden ist das Ganze in Adelaide, Australien. Wir haben jetzt unser erstes Fahrzeug produziert, den Brabham BT62. Er heisst deshalb so, weil bis jetzt alle gebauten Brabham – das waren insgesamt über 700 Fahrzeuge – das BT und eine Nummer im Namen hatten. Und das letzte Formel-1-Auto, das entwickelt, aber nicht gebaut wurde, war der BT61. Wir möchten die Geschichte und das Vermächtnis weiterführen. Brabham gibt es schon über 70 Jahre. Die Zukunft steht bei uns im Zeichen eines Hypersportwagens für die Rennstrecke mit 700 PS, aber nur 972 Kilogramm Gewicht. Zusätzlich erzeugt das Fahrzeug 1200 Kilogramm Abtrieb. Es werden nur 70 Stück gebaut. Für die ersten 35 Autos werden spezielle Lackierungen und Startnummern entworfen, die jeweils einen Grand-Prix-Sieg von Brabham repräsentieren.

Sie sind selbst Rennfahrer mit einem berühmten Namen. War dies ein Vor- oder eher ein Nachteil?

Beides. Ich habe mich eigentlich nicht mit dem Rennfahren beschäftigt, bis ich mit der Schule fertig war. Mein Vater hat seine Karriere beendet, als ich fünf Jahre alt war. Darum habe ich nicht viele Rennen gesehen. Ich war eher an Fussball interessiert. Bis ich meinen Bruder in Amerika besuchte, als er IndyCar-Pilot war. Da habe ich das erste Mal wirklich ein Rennen und ein Go-Kart gesehen. Ich wusste nicht mal, dass Leute mit Go-Karts Rennen fahren – so weit weg war ich vom Motorsport. Da war ich 17 Jahre alt. Aber dann ist der Funke übergesprungen. Mein Vater war damals nicht besonders hilfreich. Ich habe mir mit meinem Nachbar ein Go-Kart gekauft und bin mit ihm Rennen gefahren. Als das Ganze dann wirklich ernst wurde, hat sich auch mein Vater dafür interessiert. Vorher dachte er nur, das wäre eine Eintagsfliege. Sieben Jahre, nachdem ich meine Karriere gestartet habe, stand ich auf der Formel-1-Startaufstellung. Das haben wir beide so nicht erwartet.

Aber man lebt als Sohn eines berühmten Rennfahrers immer unter der Legende. Der Name Brabham verweist immer auf jemanden, der Dinge getan hat, die vor ihm keiner gemacht hat. Seine eigene Identität zu kreieren, sich in seiner eigenen Haut wohl zu fühlen und Fortschritte zu machen, war am Anfang eine grosse Herausforderung. Aber wenn man älter und reifer wird und Erfolge für einen selber feiert, ist das kein Problem mehr. Anfangs war es manchmal ein Vorteil, aber umso öfter ein grosser Nachteil.

Ist es ein Vorteil, wenn man einen Sportwagen entwickelt, dass man selbst Rennfahrer war?

Ich war in so viele Projekte vom Anfangsstadium an involviert, dass ich dort sehr viel Erfahrung sammeln konnte. Wir werden auch ein Fahrer-Entwicklungsprogramm für unsere Kunden haben. Ich habe früher das britische MSA-Young-Driver-Entwicklungsprogramm geleitet. Deswegen habe ich viel Erfahrung, wie ich Fahrern helfen kann, mehr aus sich herauszuholen und bessere Zeiten zu fahren.

Sie haben Le Mans zu einer Zeit gewonnen, als wirklich grandiose Rennwagen unterwegs waren. Was halten Sie von den aktuellen LMP1-Fahrzeugen?

Die LMP1-Kategorie läuft zyklisch ab. Plötzlich sind viele Hersteller da und die Autos sind beeindruckend schnell. Jeder gibt viel Geld aus, aber gleich schnell wachen alle auf und bemerken, dass das so nicht mehr machbar ist. Dann kollabiert das Ganze. Das habe ich nun schon mehrmals miterlebt. Sie ändern jetzt aber die Regeln, und wie es aussieht wird das Hypercar die Basis der neuen Top-Klasse werden. Wenn man sich den Markt anschaut und bedenkt, was wir gerade entwickeln, richtet sich das sogar etwas zu unseren Gunsten aus. Aber es muss noch einiges getan und verstanden werden, bevor wir uns entscheiden können.

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